Bergtour Über Wasser und Fels zur Greizer Hütte

Matthias Grünler

Mitglieder der DAV-Sektion Marktredwitz – Greiz wandern in den Zillertaler Alpen. Sie erfahren viel über Hochgebirgspflanzen und genießen einen zünftigen Abend.

Die Bergwanderer aus Marktredwitz auf der 2700 Meter hohen Lapenscharte Foto:  

Marktredwitz - „Vom Bergwald zum Gletscher“ lautete in diesem Jahr das Thema der alljährlichen Bergtour des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Marktredwitz – Greiz mit dem Turnverein Lorenzreuth (TVL). Der Aufstieg zur vereinseigenen Greizer Hütte im Zillertal begann für die 15-köpfige Gruppe am Naturparkhaus im Bergsteigerdorf Ginzling.

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Raues Klima

Dort betritt man das Tor in das ursprüngliche und gewaltige Hochtal der Floite, das hier im hinteren Zillertal als Naturpark mit Ausgleichs- und Ruhezone von größter Bedeutung für Fauna und Flora ist. Oberhalb der Greizer Hütte herrscht dagegen ein raues Klima. „Um hier zu überleben, haben Pflanzen und Tiere unterschiedliche Strategien entwickelt. Viele Pflanzen bleiben klein, blühen rasch in eindrucksvoller Blütenpracht und bilden Samen, noch bevor das Eis zurückkehrt“, heißt es im Tourenbericht, den Tourenführer Matthias Grünler der Frankenpost zukommen ließ.

Bereits der Aufstieg aus der Bergstufe zur subalpinen Stufe garantiert ein Kontrastprogramm von außergewöhnlicher Artenvielfalt. Schön anzuschauen waren dabei die vielen kleinen seitlichen Bäche und Wasserfälle des Floitentales. Zwei Tage später wird die Wandergruppe aber hier völlig andere Voraussetzungen vorfinden.

Auf die Lapenscharte

Aufgrund starker Bewölkung über den Bergen des Alpenhauptkamms entschloss sich Tourenführer und DAV-Naturschutzreferent Matthias Grünler, am nächsten Tag von seinen Plänen abzuweichen und nicht an den Gletscherrand des Floitenkees‘ mit seinem interessanten Gletschervorfeld vorzudringen, sondern lieber auf die in der Sonne liegende Lapenscharte zu steigen.

Bereits beim Aufstieg erfuhren die Teilnehmer so einiges über den Überlebenskampf der Bergblumen hier und ihre faszinierenden Überlebensstrategien unter limitierenden Voraussetzungen. Winzige Pflanzen haben sehr lange, verzweigte Wurzeln, um die Versorgung mit Wasser und Mineralstoffen zu gewährleisten. Überraschend war, zu erfahren, dass Hochgebirgspflanzen tatsächlich überernährt seien, was an der Sonneneinstrahlung liege. Wegen der niedrigen Nachttemperaturen könne der Zucker in den Pflanzen nicht vollständig zu Stärke umgewandelt werden und diene dann als Frostschutz. Diese Zuckerkonzentration erkläre dann auch die Häufigkeit und Intensität von Blütenfarben in Rot, Blau und Violett sowie die Rotfärbung der Blätter. Dramatisch sei die Abnahme der Vegetationszeit mit abnehmender Höhe. So haben die Pflanzen in 1500 Meter Höhe noch fünf Monate zur Verfügung, während die Vegetationszeit in 2500 Metern nur noch zwei und in 3000 Metern Höhe nur noch 1,5 Monate beträgt.

Im Fönsturm

Nach einer Einführung über Klima und Bergwetter erlebten die Wanderer auf der 2700 Meter hohen Lapenscharte einen kräftigen Fönsturm am eigenen Leib. Allerdings fand die Gruppe dadurch auch relativ zügig wieder in gemütlichere Gefilde zurück. Auf einer ruhigen Wiese mit Blick auf das grandiose Gletscherbecken zwischen Großem Löffler und Schwarzenstein hörten die Wanderer einiges über die Entstehung und über den dramatischen Rückgang der Alpengletscher. Insgesamt 85 Gletscher gibt es demnach noch in diesem Hochgebirgs-Naturpark, die mehr als 40 Quadratkilometer der Gesamtfläche bedecken.

„Highlight der Gemeinschaftstour war das Gletscher-Buffet auf einem großen Felsen und mit freiem Blick auf die herrliche Zillertaler Gletscherwelt“, berichtet Grünler weiter. Jeder Teilnehmer hatte ein kleines Schmankerl von zu Hause mitgebracht. Ohne zu zögern packte jeder seinen Obolus aus, und schnell war ein reichhaltiges Buffet mit allerlei Leckereien aufgetischt. Nach dieser Stärkung bildeten eine Demonstration in behelfsmäßiger Bergrettung mit Bergung eines Verunfallten aus einer fiktiven Gletscherspalte sowie der Bau eines „Flaschenzugs“ den Abschluss des inhaltsreichen Tages.

Zünftiger Hüttenabend

Dank der von Irmi und Herbert Schneeberger perfekt bewirtschafteten Greizer Hütte wird ein zünftiger Hüttenabend sicher allen Teilnehmern positiv in Erinnerung bleiben. Der starke, gegen die Scheiben der Hütte trommelnde Dauerregen am Abend änderte nichts daran.

Dieser Regen sättigte die Böden im Laufe der Nacht so sehr, dass der Abstieg ins Tal kein Vergleich zum Aufstieg mehr war. Auch für Hüttenwirtin Irmi, die die Greizer Hütte bereits seit 30 Jahren bewirtschaftet, sind solche Wetterextreme neu.

Wegen der als Wasserfälle und Sturzbäche herabdonnernden Wassermassen, die sich ihren Weg ins Tal suchten, mussten die Wanderer so einige feuchte Hindernisse überwinden. Insgesamt war das Erlebnis Wasser und das damit verbundene Naturschauspiel so beeindruckend, dass die Erschwernisse tatsächlich gerne in Kauf genommen wurden. Glücklicherweise war beim Abstieg die Sonne dann doch bald wieder der Begleiter der Alpinisten, und so schmeckte die Jause auf der Tristenbachalm am Ende der Tour umso besser. red