Beruf und Freizeit gehen jetzt vor Eishockey „Mr. Hüftben“ sagt Servus

Er verabschiedet sich mit einem Lächeln: Ben Böhringer sagt dem Profi-Eishockey nach 310 Spielen in der Oberliga und DEL2 für die Selber Wölfe ade. Dem VER will er aber als Nachwuchstrainer treu bleiben. Foto: /Mario Wiedel

Ben Böhringer beendet mit 26 Jahren überraschend seine Karriere. Die Selber Wölfe verlieren einen Spieler und harten Arbeiter, mit dem sich die Fans gerne identifiziert haben.

Nein, die große Öffentlichkeit war nie das Ding von Ben Böhringer. Und er war sicher auch nicht der begnadetste Eishockeyspieler, den Selb jemals hervorgebracht hat. Seine Markenzeichen waren andere. Fleiß und Ehrgeiz. Er war ein harter Arbeiter und sich nie zu schade, Checks zu fahren oder Schüsse zu blocken. In der Beliebtheitsskala der Wölfe-Anhänger rangierte er deshalb weit oben. Am Sonntag, 27. März, gegen 19.15 Uhr, war sein Werk getan. Was kaum einer nach dem 4:2-Sieg gegen die Bayreuth Tigers und dem frenetisch gefeierten Klassenerhalt in der DEL2 geahnt hatte, ist nun bittere Wirklichkeit. Der 26-Jährige hat sich mit dem Derbyerfolg von der Bühne des professionellen Eishockeys verabschiedet. Das gaben die Wölfe am Donnerstag bekannt.

„Ich bin in einem Alter, in dem ich noch etwas erleben kann. Ich möchte mehr Freizeit haben, auch im Winter mal in den Urlaub fahren oder Silvester woanders verbringen. Außerdem muss ich natürlich auch in die Zukunft schauen. Mit Eishockey würde ich nicht mein Leben lang Geld verdienen können“, begründet Böhringer in einer Vereinsmitteilung seine Entscheidung, die nicht nur in Fankreisen mit einiger Betroffenheit aufgenommen wird. Schließlich war „Mr. Hüftben“, wie er aufgrund seiner berüchtigten Hüftchecks auch oft genannt wurde, dem VER von Klein auf treu verbunden und einer der verbliebenen Eigengewächse, mit denen sich die Anhänger eben besonders gerne identifizieren.

Schon als zweijähriger Knirps war er in Selb auf dem Eis gestanden. Zwischenzeitlich auch auf dem grünen Fußball-Rasen. „Wegen dem Zeitaufwand musste ich mich aber zwischen den Sportarten entscheiden“, erinnert sich Böhringer. „Die Wahl sei „eindeutig auf Eishockey“ gefallen. Und das sei nicht nur für die sportliche Entwicklung positiv gewesen: „In den Wintermonaten waren meine Noten damals immer besser. Mit schlechten Noten durfte ich nicht Eishockey spielen – also habe ich mich in der Schule extra angestrengt.“ Es sei für ihn zwar eigentlich nie ein konkretes Ziel gewesen, mit dem Eishockey einmal Geld zu verdienen, zumindest aber den Sprung in die erste Mannschaft, den wollte er schon schaffen. „Welche Liga, war mir dabei egal.“ Der Traum ging vor der Saison 2015/16 in Erfüllung. Nachdem er zuvor schon als Nachwuchsspieler zwei Jahre bei den „Großen“ mittrainieren durfte, erhielt er – damals unter Trainer Cory Holden – seinen ersten Vertrag.

Weg aus der Heimat und von den Wölfen wollte er nie. Was an den Freunden, aber auch an der beruflichen Ausbildung gelegen habe. Von 2017 an war der Zeitplan straff. Erst die Arbeit, dann ging es weiter zum Training in die Eishalle. „Mein Alltag bestand im Wechselrhythmus aus Schlafen, Arbeit, Eishockey und Essen.“ Jammern wollte er aber nie. Schließlich entschädigten ihn viele tolle Erlebnisse mit den Wölfen. Mit der Krönung, sogar einmal DEL2 spielen zu dürfen. „Und das für meinen Heimatverein“, sagt Böhringer stolz. Nun hat er vor, seinen Trainerschein zu machen und seine Erfahrungen dem VER-Nachwuchs zu vermitteln. „Ich möchte zurückgeben, was ich bekommen habe!“

Stimmen zum Karriereende von Ben Böhringer

Jürgen Golly (langjährige Vorsitzender und künftiger GmbH-Geschäftsführer der Wölfe): „Ben hat sich als Eigengewächs zu einem gestanden Oberliga- und dann auch Zweitligaverteidiger entwickelt. Er war maßgeblich am Aufstieg und dem Klassenerhalt beteiligt. Wir bedauern es wirklich sehr, dass er nicht noch weitermacht. Wir hätten ihn sehr gerne noch im Kader behalten und haben auch weiter einen Platz für ihn frei, falls er es sich doch noch anders überlegt.“

Florian Ondruschka (langjähriger Kapitän der Wölfe): „Ben war ein Spielertyp, den jeder sehr gerne in der Mannschaft hatte. Er war ein absoluter Teamspieler, hat sich immer reingehauen, Schüsse geblockt und einfach gespielt. Leider fliegen solche Spieler immer etwas unter dem Radar, aber sie haben einen hohen Wert für die Mannschaft. Dass er jetzt aufhört, finde ich persönlich schade, weil er ja noch ein junger Kerl ist. Aber ich verstehe es auch. Es ist schwierig, Beruf und Zweitliga-Eishockey zu verbinden.“

Daniel Grönke (Vorstandsmitglied des Fanclubs Fanatics 2003 Selb): „Schade. Ben war einer der Spieler, die man immer braucht für die Identifikation zwischen Mannschaft und Anhängern. Er hat sich in der vergangenen Saison zu seinem soliden DEL2-Verteidiger entwickelt und seine Sache immer sehr ordentlich gemacht. Ich hätte ihn gerne weiter in der Mannschaft gesehen – nicht nur, weil er ein Einheimischer ist. Bis auf vielleicht zwei Ausnahmen fällt ja jetzt unsere komplette Verteidigung auseinander.“ AP

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