Shuttle-Projekt Besuch des FDP-Staatsministers

Maximilian Stöckl (CSU), dritter Bürgermeister des Marktes Bad Steben, überreicht Michael Theurer (FDP), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Foto: /Göpel-Schulze

Michael Theurer (FDP), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, übergibt in Rehau einen opulenten Förderbescheid für das Shuttle-Projekt. Warum sein Besuch in der Region wichtig ist.

In der Vorwoche wurde er nur per Video in den Bad Stebener Kurhaussaal zugeschaltet. Diesmal klappte es mit dem persönlichen Besuch von Michael Theurer (FDP). Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium wollte das millionenschwere Paket für die zweite Phase des Shuttle-Projektes in Kronach, Hof und nun in Bad Steben selbst überreichen. Elf weitere Millionen Euro für die Erforschung von autonom fahrenden Kleinbussen! 13 Millionen Euro waren es zu Beginn des Modellversuchs.

„Wenn Sie eine Frau wären, würden Sie jetzt ein Herz von mir bekommen“, sagt der stellvertretende Bürgermeister des Kurortes, Maximilian Stöckl, 25, in den Räumen der Firma Rehau, wie die Automobilzulieferer Brose aus Coburg und Valeo aus Kronach eine Partnerin des Projektes.

Statt Lebkuchenherz gibt es als Dank ein Lebkuchenshuttle des jungen Politikers, dessen smartes Auftreten dem Gast aus Berlin sichtlich gefiel. Theurer, gelernter Journalist, erinnert sich an seine Zeit in Horb am Neckar zurück: „Ich bin mit 27 Jahren Oberbürgermeister meiner Heimatstadt geworden.“

Es sind diese kleinen Menschlichkeiten und wohl kalkulierten Vorbereitungen, die solche Termine ausmachen, die von keiner Videokonferenz ersetzt werden können. Der Mann mit den Millionen und ein paar weiteren Euro „und 89 Cent“, witzelt er, fühlt sich pudelwohl.

Politik ist nicht nur Fordern und Schimpfen, sondern viel Netzwerkarbeit, viel mehr im Hintergrund als davor. Theurer wollte unbedingt noch mal vorbeischauen in der „Innovationsregion“, wie er sie nennt, der Region, die in Berlin offenbar viel Freude bereitet, weil viele neue Erkenntnisse gewonnen werden auf den Straßen zwischen Kronach und Hof, zuletzt in Rehau, bald in Bad Steben, wo wie in Bad Staffelstein Daten im Gesundheitssektor gewonnen werden sollen.

Das „klassische flache Land abseits der Metropolen“, wie es Hans-Peter Friedrich (CSU) nennt, als Testregion. Darüber kann man maulen, wie einige Bürger bei ihren Bürgermeistern. Mal wieder, unkten viele, müsse die Region herhalten als Teststandort für diese „Verkehrsbehinderung“, erzählt der Rehauer Bürgermeister Michael Abraham. Jetzt seien viele wehmütig, weil der Kleinbus aus dem Stadtbild verschwindet und in den Frankenwald weiterzieht, „wo es Straßen gibt, durch die gerade so zwei Busse passen“, scherzt Maximilian Stöckl.

Gerade auf dem Land, sagt der Hofer Landrat Oliver Bär, wo Busfahrer fehlen und kundenfreundliche Taktungen immer schwerer aufrechtzuerhalten sind, müssten effiziente, computergestützte Lösungen angestrebt werden. Am bedarfsorientierten ÖPNV führe kaum ein Weg vorbei. Angela Bier, die Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla vertrat, versprach für die Stadt „zukunftsorientiert an den Problemen des ÖPNV mitzuarbeiten“. Das Shuttleprojekt habe die Region in die „bundesdeutsche Spitzenliga“ katapultiert, sagte die CSU-Frau.

Warum Berlin so viel Vertrauen in Oberfranken setzt, erklärt Martin Wippermann. Er kam 2006 in die Region und war zunächst gar nicht begeistert von ihr. Schnell habe er jedoch gespürt, wofür die Menschen hier stehen. Er blieb bei Rehau. Heute ist er in der Geschäftsleitung der Automotive-Sparte des Konzerns.

Sein viel beachteter Gastbeitrag im Magazin „Focus“ bestätigt das, was Landrat Bär sagt. Der Text unter dem Titel „Warum die Mobilität der Zukunft vor allem in ländlichen Regionen eine Chance hat“ verdeutlicht, dass die Region sich einen großen Gefallen damit tut, wenn sie für Berlin verlässliche Partnerin ist. „Wir können Mehrwert bringen für Deutschland“, sagt der Landrat.

Dann gehen auch die Forderungen leichter über die Lippen. Denn der Blick in die Zukunft muss sich auch auf die Schiene richten. Dass die Elektrifizierung so zäh vorangeht, bedauern alle, die in diesem Raum sitzen. Theurer hört sich alles an, auch wenn er „nicht der Mann für die Schienen“ sei. Auch deshalb müssen solche Treffen sein. Über einen Bildschirm fällt es schwerer, mal eben das Thema zu wechseln. „Wichtig ist, dass wir in den Ministerien wahrgenommen werden“, sagt Hans-Peter Friedrich – und lädt Theurer dabei gleich noch nach Wunsiedel ein, in die „Vorreiterregion für Wasserstoff“.

Die Wirtschaft in der Region wandle sich. Die Menschen hier, sagt Friedrich, seien flexibel und fleißig. „Wir sind eine Industrieregion.“ Gerade im Lichte des Krieges, abgeschnittener Lieferketten, fehlender Technikprodukte und so weiter kann das auch schon mal bei einem Gast aus Berlin platziert werden. Zumal bei einem von der FDP, die mit ihrem Finanzminister den Bundeshaushalt verwaltet.

Theurer, anders kann man das nicht deuten, wird gut berichten in diversen Gremien. Auch über ein schmackhaftes Geschenk aus der Genussregion. Aber eben viel mehr aus der „Innovationsregion“, die anpackt und zuverlässig ist.

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