Das Schlafzimmer ist tabu – so viel Privatsphäre soll sein. Ansonsten aber öffnet Iris Selch zum dritten Mal ihr Haus und sämtliche Zimmer für Fremde. Wer in der Münchberger Straße durch die Tür mit den bunten Bleiglasfenstern tritt, staunt ab Sekunde eins. Die Eigentümerin hat die Jugendstil-Villa nicht nur vor dem Abriss bewahrt, sondern sie auch mit besonders viel Liebe zum Detail saniert. Bis auf die modernen Möbel ist hier alles genau so, wie Textilfabrikant Adam Pittroff die Villa mit der auffälligen weißen Klinkerfassade vor 119 Jahren erbaute: Gemälde und Stuck an den Decken, holzbekrönte Türeinfassungen, Lincrusta-Tapeten, geflieste Kachelöfen. Die Liste ist lang und das Auge braucht Zeit, um die ganze Pracht der einzelnen Zimmer zu erfassen. „Viele Besucher sind geflasht von den Details, in dieser Originalität findet man sie meist nicht“, sagt die Eigentümerin, die für die Renovierung die Denkmalschutzmedaille des Freistaats erhielt.