Großveranstaltung in Kulmbach Spartan Race: Leiden als Leidenschaft

Gabriele Fölsche

Weit mehr als 3000 Sportler erleben am Wochenende in Kulmbach ihr ganz persönliches Vergnügen. Die Besten haben ihr Geheimrezepte – eines davon: Haferschleim.

Eine Stunden und 52 Minuten. So lange ist Sven Lusti am Samstag unterwegs. Der Schweizer belegt damit in der Eliteklasse beim Spartan Race Platz drei. Er ist unter der Harten also einer der Härtesten. Warum aber ist er an diesem Wochenende überhaupt in Kulmbach? Schließlich gibt es in der Schweiz zeitlich auch eine solche Veranstaltung. Trotzdem hat sich Lusti für die Plassenburg-Stadt entschieden. „Ich war letztes Jahr schon da und es hat mir super gefallen. Vor allem die Party am Samstagabend“, sagt er und lacht. Stimmung, Leute, die anheimelnde Altstadt – alles gefällt dem Schweizer gut. „Es sind viele Sportler aus der Szene hier, man hat richtig gute Gespräche“, hat der 34-Jährige festgestellt.

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Für Lusti ist Spartan Race mehr als nur sport. Für ihn ist es ein Stück Lebensstil: „Die Kombination aus Laufen, Heben und Klettern liegt mir.“ An diesem Samstag hat er ein bisschen Probleme mit der Muskulatur: „Ich konnte es gerade noch unter Kontrolle halten.“ Wenn es um einen Wettbewerb geht, steigt bei ihm das Adrenalin. Das sei immer da. „Dann genieße ich die Strecke und nehme sonst fast nichts war.“ Um fit zu bleiben, trainiert der Bauleiter jeden Tag. „Ich habe im Garten eine Speerwurfanlage und im Carport Vorrichtungen zum Hangeln“, erzählt Lusti, der regelmäßig international unterwegs ist. Im Vorjahr holt er in Sparta, also an der Wiege dieser Veranstaltung quasi, in seiner Altersklasse den Weltmeistertitel.

Begonnen hatte die Großveranstaltung in Kulmbach bereits am Freitagnachmittag. Die kleinen Spartaner eröffneten das Renngeschehen in den Altersklassen zwischen vier und 13 Jahren. Sie meisterten Hindernisse auf Strecken mit einer Länge von 800 Metern bis 3200 Metern, mit viel Klettern, Springen sowie Laufen.

Tags darauf dann die Königsklasse: das Beast Elite Heat. Um 9 Uhr fällt der Startschuss, nicht ohne, dass die Läufer eingepeitscht werden. „Wer seid ihr?“, ruft einer aus dem Organisationsteam. Und die Sportler antworten „Spartaner!“ Das Rennen macht seinem Namen alle Ehre, denn es wartet nicht nur ein Halbmarathon mit 30 Hindernissen durch Wasser, Schlamm, Feuer und Sand, sondern auch knackige Steigungen und anspruchsvolle Strecken.

Als Erster kommt der Rosenheimer Christian Röttger ins Ziel. 21 Kilometer hat er hinter sich und 30 Hindernisse. 50 Kilogramm schwere Kugeln schleppen, Kletterwände überwinden oder Reifen nach oben ziehen, all das ist Alltag für den Spartaner. Röttgers Zeit: eine Stunde und 50 Minuten.

Nach dem Start am Rathaus ging es in die Obere Stadt. Danach folgte der Burgberg, mit einer Steigung von 20 Prozent. Christian Röttger braucht dafür knapp zehn Minuten. „Steigungen liegen mir“, sagt der Athlet im Ziel. Für den 27-Jährigen wurde es während des Rennens spannend. Denn nach dem Speerwurf hinter der Plassenburg überholte er den Führenden, den Italiener Matteo Pelizza, und hielt Platz eins auf den letzten 1,5 Kilometern.

Die Strapazen sind ihm im Ziel kaum anzumerken. „Mir gefällt, dass der Start unterhalb der Plassenburg in der Innenstadt ist und es dann durch die Natur geht. Dazu die kurzen und stielen Anstiege und die verschlungenen Waldpfade“, sagt der Konzeptentwickler und lobt die Organisatoren. „Start, Ausschilderung, Verpflegungsstationen – alles hier klappt super.“ Wer Leistungen erbringen will, wie Christian Röttger, muss täglich üben. „Ich bleibe konstant im Training“, so der Sieger, der täglich an sich feilt – beim Laufen, Radfahren und Krafttraining. Zu Hause haben er und seine Lebensgefährtin Sabrina, die ebenfalls erfolgreiche Spartanerin ist, allein in der Wohnung sechs Trainingsgeräte stehen. Ein paar weitere befinden sich im Garten. So ist er gut vorbereitet, wenn er von Mai bis August einmal im Monat an einem Spartan Race teilnimmt.

Viele Top-Leute starten in Kulmbach gleich doppelt. Christian Röttger ist am Samstag beim Sprint über fünf Kilometer auch noch mal dabei. Um Energie zu tanken, löffelt er Haferschleim. Nicht anders ist es bei Sven Lusti. Er steht am Sonntag ein zweites Mal am Start. Es soll sich ja lohnen, bevor alle Teilnehmer die Heimreise am Nachmittag antreten und sich versprechen, dass es im nächsten Jahr in Kulmbacher wieder heißt: „Die Spartaner kommen.“