Pilgramsreuth Ein Fest rund um die Kartoffel

Silke Meier , aktualisiert am 28.08.2022 - 18:49 Uhr

Um 1647 begann der Feldanbau der Kartoffeln in Pilgramsreuth. Dieses wichtige Ereignis wurde am Wochenende mit dem Erpflfest gesellig gefeiert.

Die Geschichte der Kartoffel hat 1647 im Rehauer Ortsteil Pilgramsreuth ihren Anfang genommen. Damals begannen Hans Rogler und andere Bauern systematisch mit dem Feldanbau der Knolle. Damit waren sie die ersten in Deutschland. Diese Erfolgsgeschichte wurde nun wieder beim traditionellen Erpflfest am vergangenen Wochenende gefeiert. In geselliger Runde rund um die Pfarrscheune genossen die Pilgramsreuther und zahlreiche Gäste auf Einladung der Gartenfreunde und der Freiwilligen Feuerwehr die noch junge Ernte des trockenen Sommers 2022.

Die Kartoffel wurde von Südamerika nach Spanien transportiert und um das Jahr 1600 in den Niederlanden kultiviert. In Deutschland wurde die Knolle zunächst in Botanischen Gärten gezogen. Apotheker und Pfarrer bauten sie in kleineren Mengen an. In einem Anbauverzeichnis von 1694 ist der Jahresertrag von 1300 Zentnern dokumentiert.

Auch in Pilgramsreuth bauten 60 Bauern die Feldfrucht an. Hier führte aber der Erfolg der Kartoffel im Jahr 1689 zum sogenannten Kartoffelstreit. Als in Pilgramsreuth der Aus- und Umbau der Kirche bevorstand und die Steuereinnahmen zurückgingen, kam es zum Prozess um die Kartoffelsteuer. Denn auf die Kartoffel, die zu dem Zeitpunkt bereits seit etwa 50 Jahren in Pilgramsreuth angebaut worden war, mussten – im Gegensatz zu Getreide – bis dahin keine Abgaben geleistet werden. Schließlich einigten sich die Bauern und die Kirche im Mai 1698 in einem außergerichtlichen Vergleich. Durch ein markgräfliches Dekret im Mai 1746 wurden die Streitereien endgültig beigelegt. Auf den Ertrag der Kartoffelfelder musste dann, gleich dem Getreideanbau, eine Steuer in Naturalien abgegeben werden.

Heute erinnert das Kartoffeldenkmal in Pilgramsreuth an den Beginn des feldmäßigen Kartoffelanbaus um 1647. Mittlerweile ist die Kartoffel ein selbstverständlicher Teil der Ernährung und wird auf unterschiedlichste Arten zubereitet. Die Kartoffel gilt als sättigende Beilage mit hochwertigem Eiweiß, sie ist reich an Vitamin C und hat kaum Fett. Die Knolle soll auch sehr gesund sein: Violette Kartoffeln sollen sogar vor Darmkrebs schützen.

Beim Erpflfest war die Nachfrage nach der gelbfleischigen Kartoffel, die mit ihrem feinen und mehligen Geschmack sehr gut für Klöße, zum Einkellern, für Gratin und Pommes Frites geeignet ist, groß. Sie wurde in großen Portionen angebraten und zu Sülze und Bratwürsten gereicht. Zu gekochten Kartoffeln gab es Quark. Reges Interesse fanden auch die Kartoffeltüten von den Feldern rings um Pilgramsreuth.

 

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