600 Jahre Helmbrechts Musical entlockt dem Publikum Superlative

Helmut Engel

Das Chor-Musical, das Gerd Koppitz anlässlich des 600. Jubiläums der Stadt Helmbrechts geschrieben hat, hat bei der Veranstaltung „Musik an einem Sommerabend“ Premiere gefeiert. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sind überzeugt: Das war ein Abend für die Geschichtsbücher.

Superlative über Superlative. Phänomenal, großartig, überragend, einmalig. Derartiges bekamen die etwa 600 Besucherinnen und Besucher zu hören, die am Samstag die „Musik an einem Sommerabend“ auf dem Helmbrechtser Kirchplatz verfolgten. Minutenlanger stehender Applaus war die Reaktion auf die Veranstaltung, in deren zweitem Teil Gerd Koppitz’ Chor-Musical zur Gründungssage der Stadt Helmbrechts Premiere feierte. Wegen des großen Zuspruchs gab es am Sonntagnachmittag eine zweite Aufführung. Es steht bereits fest: Die Konzerte dürften in die Chroniken der Stadt eingehen.

Koppitz’ Musical zum Ursprung der Siedlung Helmbrechts erzählt die Geschichte von einem jungen mutigen und tapferen Soldaten und einer starken Frau“, erklärte Koppitz. Zugetragen haben soll sie sich vor etwa 1000 Jahren. Der Soldat Helmbrecht war in Hof stationiert und wollte seine Heimatstadt Kulmbach besuchen. Am frühen Morgen trat er die Fußreise an und kam über Almbranz und Edlendorf in die Nähe von Helmbrechts. Er verspürte großen Hunger und war auf der Suche nach einer Gaststätte. Auf einer Lichtung sah er eine junge hübsche Frau Wasser aus einem Brunnen holen. Die Frau war sehr erschrocken und hatte Angst um den jungen Soldaten, machte doch ein Räuberhauptmann die Gegend unsicher.

Die Wirtin schickte ihn weiter und warnte vor dem Gesindel. Doch bei dem heutigen Wüstenselbitz stieß der junge Mann auf den zunächst freundlichen Räuberhauptmann. Helmbrecht forderte ihn zum Kampf auf und schlug ihm den Kopf ab. Nun traten die Naturgeister, der Bach und Brunnengeist (Katharina Koppitz), der Wald- und Wiesengeist (Lena Grießhammer) sowie der Berg- und Höhlengeist (Stefan Griesbach) in Erscheinung, die sich den Erfolg mit ihm teilen wollten. Der Bach- und Brunnengeist ließ die Selbitz anschwellen, sodass die Räuber nicht überwechseln konnten, der Wald- und Wiesengeist ließ den Räuberhauptmann im entscheidenden Moment über einen umgestürzten Baumstamm stolpern und der Berg- und Höhlengeist bewachte den Schatz.

Schnell eilte Helmbrecht zur Wirtin, um ihr mitzuteilen, dass sie sich nicht mehr vor dem Räuber zu fürchten braucht. In der Räuberhöhle wurde ein großer Schatz aus Gold, Silber und Schmuck gefunden. „Und ein Haufen voller verwester menschlicher Gerippe“, erklärte Erzähler Pascal Bächer.

Die ganze, knapp einstündige, Geschichte hatte Gerd Koppitz in wundervolle Melodien und verständliche Texte gefasst. Dem jeweiligen Geschehen angepasst war die Musik hingebungsvoll verträumt, innerlich aufgeregt, dann wieder gelassen oder auch richtig rau und stürmisch. Die Besucher hielt es nach dem Ende des Stücks nicht mehr auf Stühlen und Bänken. Der Projektchor mit dem Johannischor und dem Ensemble Canticum Novum der Kirchengemeinde Helmbrechts, dem Schulchor des Gymnasiums Münchberg sowie Sängern und Sängerinnen aus weiteren Chören der Region, das Orchester, bestehend aus dem Schulorchester des Gymnasiums Münchberg, den Streichhölzern und dem Geigennachwuchs des Musikvereins, und ganz besonders Komponist, Texter und Dirigent Gerd Koppitz wurden überwältigend gefeiert.

Der Chor Canticum Novum hatte den Abend zuvor mit dem Kirchenlied „Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat“ von Christian Fürchtegott Gellert eröffnet. Die Chormitglieder strömten dabei aus allen Richtungen zur Bühne unter dem Glockenturm. Die Musikschüler des Musikvereins boten Melodien aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Der Posaunenchor unter der Leitung von Rainer Goller blieb mit seinen Stücken im heimischen Franken. Nach dem Oberfrankenlied folgte „Wohlauf die Luft geht frisch und rein“. Dann gab es die erste Uraufführung des Abends: das von Goller ebenfalls zum Stadtjubiläum komponierte „Auf der Welt und in Helmetz is schee“. Die Combo der Hauptamtlichen – Heike Zeuner, Rainer Goller (beide Trompete), Andreas Schmidt (Gitarre), Klaus Michael Zeuner (Klavier) und Gerd Koppitz (Kontrabass) – bot das Stück „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ aus dem Film „Die drei von der Tankstelle“ dar.

 

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