Auftritt in Hof So begeistern die Kastelruther Spatzen

Ute Michael

Die Kastelruther Spatzen treffen in der Hofer Freiheitshalle auf eine treue Fangemeinde. Musikalisch gibt es eine bewährte Mischung aus volkstümlichen Klängen und alpenländischem Pathos – ohne viel Drumherum.  

 
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Herzenswärme, Glaube und Heimatliebe gelten oft als uncool. Entgegen diesem Trend schaffen es die Kastelruther Spatzen, die Menschen in der Hofer Freiheitshalle reihenweise für ihre Musik zu begeistern. Egal ob in Tracht, Jeans oder T-Shirt mit Fan-Schal – die Fans der Kastelruther Spatzen wissen die gemeinsame Zeit mit ihren Künstlern zu schätzen. „Lehnen Sie sich zurück, vergessen Sie den Alltagsstress und ihre Sorgen“, sagt Frontmann Norbert Rier zur Begrüßung und freut sich über bekannte Gesichter im Publikum: Fanclubs sind angereist, und ganz besonders freue er sich über Horst, dem er nachträglich zum Achtzigsten gratuliert.

Kuschelweich, samtig wie ein Teppich aus fluffigem Badeschaum, schweben die ersten Lieder durch die große Freiheitshalle in Hof. Scheinwerfer senden über die Köpfe der Leute Lichtstrahlen von der einen Saalseite zur anderen. Andere Leuchtquellen tauchen das Publikum in verschiedene Farben. Die ersten Reihen beginnen zu schunkeln. Es ist eine losgelöste Leichtigkeit, die die Kastelruther Spatzen mit ihren Liedern verbreiten. Im Saal herrscht einfach eine freundliche Gemeinschaft.

Die auch auf der Bühne zu erkennen ist. Für perfekten Sound sorgen die Instrumentalisten: Albin Gross, Akkordeon und Keyboard, Rüdiger Hemmelmann, Schlagzeug, Karl Heufler, Bassgitarre und Bariton, Kurt Dasser, zweite Stimme und Gitarre, Valentin Silbernagl, Saxophon, Walter Mauroner, Trompete. Die Künstler bilden die Grundlage, glitzerndem Pulverschnee gleich, für Sänger Norbert Rier, der voller Achtsamkeit die Schönheit Südtirols mit den imposanten Bergen, die bunte Vielfalt der Natur und das große Herz gastfreundlicher Menschen beschreibt. Dazu verstärken Videoeinspielungen die Botschaften von Liebe, dem Leben und dem Charme der Südtiroler Landschaft.

Etwas über 40 Jahre ist es nun her, dass die Kastelruther Spatzen ihr erstes Album „Viel Spaß und Freude“ veröffentlicht haben. Band-Chef Norbert Rier erzählt in Hof von den Anfängen, ihrem Sieg beim Grand Prix der Volksmusik – ein Medley zeitloser Lieder beginnt. Bei „Das Mädchen mit den erloschenen Augen“, „Tränen der Dolomiten“ und „Verbotene Liebe“ erklingen auch ernstere Töne. Eines seiner Lieblingslieder, sagt Frontmann Rier, handle von einer alten Liebe „Er wollte nur sie, ein Leben lang“ singt er, nur von einer Gitarre begleitet.

Zwischenbeifall ist zu hören, Paare tanzen neben den Sitzreihen, ab und zu bringen Fans Blumen und Geschenke zur Bühne. Bei den Liedern „Drei weiße Birken“ und „Eine weiße Rose“ ändert sich die Choreografie in den Sitzreihen. Die Leute erheben sich, manche eilen vor die Bühne und erklatschen sich drei Zugaben. Sangeskundig folgt das Publikum bei „Herzschlag für Herzschlag“, „Herz und Heimat“ und „Ciao Amore“. Die Lieder lassen die Menschen für unbeschwerte Momente die Sorgen des Alltags vergessen und beschreiben eine zwischenmenschliche, friedliche Welt: „Musik ist wie ein Wunder, sie schwebt ins Herz hinein. Schenkt auch an grauen Tagen ein wenig Sonnenschein.“

Entspannt schlendert man nach zweieinhalb Konzert-Stunden aus der Freiheitshalle. „Momente des Glücks. Du kannst sie nicht halten, sie gehören der Zeit“, lautet ein Lied der Musiker.

Wohl wahr, aber man kann die „Spatzen“ im Herzen tragen, die Arme ausbreiten und die guten Gedanken „einem Adler gleich“ durch die Nacht fliegen lassen. Die Kastelruther Spatzen schaffen sowas, ohne viel Drumherum. Nur mit ihrer Kunst und der Bodenständigkeit überzeugender Mannsbilder.

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