Neujahrskonzert Frischer Wind und viel positive Energie

Christl Schemm

Mit ihrer neuen Dirigentin Nadja Rippert zeigt sich die Marktredwitzer Blasmusik nicht nur bestens vorbereitet. Beim ersten von vier Neujahrskonzerten ist auch zu spüren, dass das Orchester große Lust zum Musikmachen hat.

Das ist ein Generationswechsel nach Maß. Locker, beschwingt und gut gelaunt, jedoch ebenso präzise, konzentriert und bestens vorbereitet hat sich die Marktredwitzer Blasmusik am Sonntag beim ersten von vier Neujahrskonzerten präsentiert.

Rund 40 vorwiegend junge Musikerinnen und Musiker nahmen unter der Leitung einer neuen Dirigentin aus ihren Reihen die lange Tradition der Neujahrskonzerte wieder auf und machten deutlich, dass sich engagierte Probenarbeit und der Wille zum Erfolg lohnen. Offensichtlich lässt Nadja Rippert als Leiterin des Orchesters einen frischen Wind und viel positive Energie durch die Reihen der Bläserinnen und Bläser wehen und schafft so eine neue Basis für ein lebendiges Ensemble.

Die Mischung macht’s

Bei aller Aufbruchsstimmung und jungem Elan bleibt die Marktredwitzer Blasmusik jedoch dem bewährten Muster der Programmgestaltung treu. Die Mischung macht’s: Geläufiges mit Wiedererkennungswert trifft auf Kompositionen, die nicht alle Tage zu hören sind und so zu genauem Hinhören auffordern. Da dürfen der Konzertmarsch „Opening“, der seit Jahren stets die Neujahrskonzerte eröffnet, und der „Fliegermarsch“ aus der Operette „Der fliegende Rittmeister“ ebenso wenig fehlen wie bekannte Melodien aus der Welt der Oper, Filmmusiken, Songs der Neuen Deutschen Welle oder French-House-Musik.

Dabei halten die Interpretationen durch die Musikerinnen und Musiker, deren Durchschnittsalter im Vergleich zu früheren Jahren gesunken ist, kritischer Betrachtung mehr als stand. Nadja Rippert führt das Orchester in jeder Hinsicht sicher durch die Klippen musikalischer Herausforderungen. Tonale Treffsicherheit, punktgenaue Einsätze, exakter Rhythmus, variable Dynamik, synkopierte Kapriolen und harmonisches Zusammenspiel: Die Bläserinnen und Bläser meistern auch sehr anspruchsvolle Aufgaben nahezu fehlerfrei.

Rückkehrer und Neue

Zehn Musikerinnen und Musiker sind neu zum Orchester gestoßen oder nach einiger Zeit Pause wieder zurückgekehrt, zum Beispiel der Klarinettist Martin Mosath und der Posaunist Gerhard Seifert. In den vergangenen Monaten haben sie mit ihren Musikerkolleginnen und -kollegen offensichtlich zu einer Einheit zusammengefunden, die sich ohne Weiteres Werke wie die rasante Ouvertüre zu Georges Bizets „Carmen“ vornehmen kann, genauso wie die lyrische „Serenata Sentimentale“ von Enrico Toselli, bei der Querflötist Jakob Hartmann als Solist brilliert, die Rock-Ballade „Music“ von John Miles und Songs der Neuen Deutschen Welle wie „Skandal im Sperrbezirk“ der bayerischen Rock-’n’-Roll-Band „Spider Murphy Gang“ oder „Sternenhimmel“ von Hubert Kah.

Ein besonders herausforderndes Stück Musikgeschichte ist das Medley mit Stücken der Band „Daft Punk“, einer 1993 gegründeten Formation der French-House-Musik, deren Protagonisten stets mit Helmen auftraten. Da der eigentlich vom Electro-Punk geprägte Stil besonders perkussions-intensiv ist, hat sich die Marktredwitzer Blasmusik dazu Unterstützung von weiteren vier Schlagwerkern geholt: Saskia Jahreis, Tatjana Brodt und Nikolas Lotz von der Musikschule Marktredwitz sowie Laurens von Assel aus Bayreuth. Am Ende stehen so acht Trommler auf der Bühne. Den moderneren, rockigeren Sound kehren zudem bei einigen Stücken Gerald und Teresa Bühring hervor: der Vater am E-Bass, die Tochter am E-Piano.

Visueller Genuss

Vor der Bühne ist das Terrain von Julia Schmiedel und Dominik Mundel. Die Tänzerin aus Pechbrunn und der Tänzer aus Marktredwitz, die unter anderem bei Tanzclubs in Erlangen und Bayreuth aktiv sind, bewegen sich zu „Sparkling Samba“ elegant und schwungvoll auf dem Parkett. Jeder Schritt, jeder Griff, jede Geste, jede Hebefigur sitzen. So kommt zum Hör- auch noch ein visueller Genuss, der gute Laune macht.

Diese hält während des gesamten Konzerts an, durch das Daniela Pöhlmann charmant und mit vielen Informationen über die einzelnen Programmpunkte führt. Die mehr als wohlwollenden Reaktionen des Publikums zeigen, dass es den Zuhörerinnen und Zuhörern Spaß macht und dass diese die Leistung des Orchesters zu schätzen wissen.

Am Ende erklatscht sich das Auditorium stehend drei Zugaben: „Thank you for the Music“ von Abba, das Marktredwitzer Heimatlied, das Jonas Barthel mit sicherer und fester Stimme singt, und schließlich den obligatorischen Radetzki-Marsch, der bei keinem Neujahrskonzert in der Marktredwitzer Stadthalle fehlen darf.

 

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