Biobier mit Tradition Der Branche immer einen Schritt voraus

Thomas Magenheim
Der 31-jährige Johannes Ehrnsperger leitet seit 2019 die Biobrauerei Lammsbräu in Neumarkt. Foto: Neumarkter Lammsbräu/MG&GB

Lammsbräu aus in der Oberpfalz zählt zu den Ökopionieren: Das Unternehmen braut bereits seit Jahrzehnten Biobier und ist damit heute Marktführer in Deutschland und sogar ganz Europa. Doch der Brauereichef will noch mehr.

Neumarkt - Lammsbräu aus Neumarkt braut seit 1987 seit Biobier. Den Erfolg, den das Unternehmen damit hat, spornt an und inspiriert den Brauereichef, immer wieder neue Ideen und Projekte zu entwickeln. Johannes Ehrnsperger will sich nicht auf dem Erreichten ausruhen – er will mehr: „Vorbild sein für unsere, aber auch für andere Branchen und ebenso für die Politik“, sagt der 31-Jährige. In Zeiten, in denen viele Brauereien pandemiebedingt über einen Absatzschwund klagen, spricht er von einer Blaupause für die Ökolandwirtschaft und damit verbundenen Ideen, die ein Großabnehmer landwirtschaftlicher Erzeugnisse wie die Lammsbräu über die Jahre entwickelt habe.

Karl Stephan unterstreicht den Modellcharakter der gewachsenen Strukturen. „Ohne Partner tut man sich schwer auch im geschäftlichen Leben“, sagt der Ökolandwirt. Er bewirtschaftet seinen Hof seit drei Jahrzehnten ökologisch. 1998 wurde er Mitglied der Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe (EZÖB), deren Vorsitzender er mittlerweile ist. Sie beliefert Lammsbräu mit Gerste, Weizen, Dinkel und Hopfen in Bioqualität und ist das Kernelement dessen, was Ehrnsperger Blaupause nennt.

Die EZÖB biete den inzwischen rund 180 angeschlossenen Ökobauern ein stabiles Absatzfundament sowie auf Jahre feste und damit kalkulierbare Preise, sagt Stephan. „In der EZÖB lagen wir in den vergangenen Jahren immer etwa 20 Prozent über den Marktpreisen“, bilanziert er. Ungewöhnlich sei dabei auch, dass nicht nur die Erzeuger kooperieren, sondern deren Großkunde Lammsbräu als Initiator der Gemeinschaft prominent mitwirke.

Da die an die Erzeugergemeinschaft angeschlossene Bauern maximal 150 Kilometer von der Braustätte entfernt seien, würden lange Lieferwege entfallen und und ein größerer Ausstoß von Klimagasen vermieden. Zudem gehe die EZÖB über ein reines Lieferantenverhältnis hinaus und biete auch eine Umweltberatung an.

„Ein Bündnis dieser Art ist sehr selten“, sagt Ehrnsperger selbstbewusst. Während die Ökoanbaufläche in der Oberpfalz nur bei gut neun Prozent liege, erreiche sie im Landkreis Neumarkt 14 Prozent. „Das ist auf unser jahrzehntelanges Tun zurückzuführen“, sagt Ehrnsperger und ruft zum Nachmachen auf. Denn so, wie sich Lammsbräu mit Biobauern eng vernetze, könnten sich auch andere Teile der Biolebensmittel verarbeitenden Industrie zusammenschließen. Der Brauereichef spricht Mühlen, Bäckereien oder die Fleischwirtschaft an.

„Ökolandbau braucht eigene Strukturen“, wirbt er. Ein weiteres Beispiel ist ein Projekt der Bio-regionalen Genossenschaft Oberpfalz (Birego): ein Biolagerzentrum. Für den Biobrauer lagert es Braugetreide, für angeschlossene Landwirte auch andere Bioprodukte, wodurch größere und damit besser vermarktbare Mengen zusammenkommen.

„Bei uns in der Region sind die Bündnisse mit Lammsbräu oft der entscheidende Punkt, wenn ein Landwirt auf Bio umstellen will“, sagt Bauer Stephan und vermisst Ähnliches in Deutschland. Dabei seien die Zeiten für seinesgleichen in den vergangnen Jahren allgemein besser geworden. Noch vor zehn Jahren sei er sich nicht sicher gewesen, ob sein Bioangebot jedes Jahr auf genug Kaufinteresse trifft. Mit der hierzulande nun verlässlich boomenden Bionachfrage habe sich das geändert. Beim Gewinn, sagt Stephan, könne er mittlerweile mit konventionellen Betrieben mindestens mithalten.

Ausreichend gewürdigt finden Ökobauern wie Stephan ihre Leistung für Umwelt und Gesellschaft aber nicht. Das soll ein von Lammsbräu unterstütztes Pilotprojekt ändern, an dem Stephan und 20 andere Biobauern teilnehmen. Ziel einer Untersuchung ist, die Nachhaltigkeitsleistungen von Ökolandwirten finanziell genau zu beziffern. „Artenvielfalt und Böden sind Lebensgrundlage und Wirtschaftsgüter“, sagt Ehrnsperger. Verantwortlich für die Studie, deren Ergebnisse in den kommenden Wochen vorliegen sollen, zeichnet die landwirtschaftlichen Organisation Regionalwert Leistungen.

Ökolandwirt Stephan hofft, damit den Gegenbeweis zur bisweilen geäußerten Kritik, Ökolandbau sei zu stark subventioniert, antreten zu können. „Das Argument, wir machen mehr als nur Lebensmittel, wird uns leider oft noch nicht abgenommen“, bedauert der Biobauer. Mit der Studie werde man auch die Politik konfrontieren, sagt Ehrnsperger. Von der neuen Bundesregierung und einem grünen Bundeslandwirtschaftsminister erhofft er sich mehr Gehör als bei der Vorgängerregierung. Verbrauchern könne man dann auch seriös vorrechnen, warum Biolebensmittel mehr kosten würden.

 

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