Black Metal Spiegel der Seele in klirrendem Gewand

Manuel Herz-Bischof (links) und Wolfang „Barney“ Dreiseitel sind Iratus Nebula. Foto: /PR

Neues Black-Metal-Projekt aus Hof und Münchberg: Iratus Nebula bringen mit „Natur und Seele“ ihr erstes Album heraus. Ein halbstündiger Streifzug für Herz und Geist.

Hof/Münchberg - Kalter Black Metal hat schon immer in die dunklen Stunden des Winters gepasst. Und auch wenn die Tage Mitte Januar schon wieder länger werden, fügt sich „Natur und Seele“, das neue und erste Album des Hofer und Münchberger Zwei-Mann-Projektes Iratus Nebula, bestens in die Jahreszeit ein. Das Cover ziert eine romantisch anmutende Natur-Szenerie mit einem Hirschsprung – ob es jene Legende über das Geschehen, das sich am Höllental zutrug, darstellen soll oder eine andere, ist nicht überliefert.

Die Band übersetzt ihren Namen mit „Zorniger Nebel“, was schon erklärt, wohin die Reise geht: Mensch trifft auf Natur, Emotion auf die Elemente. Hinter der Band mit Projekt-Charakter stehen zum einen Manuel Herz-Bischof, dessen musikalisches Hauptaugenmerk sonst auf dem Schlagzeugspiel bei XIV Dark Centuries, einer in Szenekreisen ziemlich bekannten Pagan-Metal-Band aus dem Thüringer Wald, liegt, und Wolfgang „Barney“ Dreiseitel. Der Hofer ist in der Region seit Jahrzehnten als Sänger in verschiedensten extremen Metal-Bands (etwa Lord Astaroth, Angelus Mortis und Violation) eine bekannte Größe. Herz-Bischof übernimmt auf „Natur und Seele“ alle Instrumente und hat die Lieder geschrieben, Barney steuert vor allem fieses Gekeife bei.

Was gibt es zu hören? Der eröffnende Titel-Song beginnt mit einem Krähen-Sample über in eine zurückhaltende Gitarren-Tonfolge, bevor das für Black Metal typische warme Schrammeln der verzerrten Sechssaitigen einsetzt. „Das weite Land“ im Anschluss lässt sich als härtester der fünf Songs auf „Natur und Seele“ bezeichnen. Blastbeats durchziehen das knapp sieben Minuten lange Lied und ruft Bilder einer rauen, von Sturm geplagten Winterlandschaft in den Kopf des Hörers.

Als Wendepunkt lässt sich das folgende „Essenz“ sehen. Rein instrumental gehalten, legt es das Skelett folkig angehauchter Musik frei. Über sanften Akustik-Akkorden zupft Manuel Herz-Bischof eine verträumte Melodie und leitet damit in den epischeren Teil des Albums über.

„Asche“ ist danach wieder ein verstärkter Metal-Song, der zunächst auf einem Doublebass-Teppich ruht, sich dann aber schnell in ruhigere Gefilde wagt. „Die Sonne scheint, doch ich seh sie nicht“, schreit Barney inbrünstig. Es zeigt: Das Album ist nicht nur für den Kopf und Multi-Instrumentalisten eine echte Herzensangelegenheit, sondern auch für den Sänger.

Den epischsten Song präsentiert das Duo, wie es bei vielen ähnlich gelagerten Bands Usus ist, zum Schluss. „Winternacht“ gibt sich mit einem leicht angeschunkelten Chor-Refrain etwas eingängiger als die anderen vier Stücke. Es zeigt sich wieder: Manuel Herz-Bischof ist technisch beschlagen, hat sich bei der Komposition der tragenden Melodien aber eine gesunde Portion Naivität bewahrt. Und Barney verabschiedet sich mit einem ultrafiesen Röcheln.

Insgesamt handelt es sich bei „Natur und Seele“ um ein abwechslungsreiches, in seinen besten Momenten fesselndes Album, das zwar eine etwas echtere Schlagzeug-Produktion verdient hätte, aber dennoch dazu angetan ist, sowohl im dunklen Wohnzimmer als auch bei einer Wanderung durch den Frankenwald gehört zu werden.

Das Album „Natur und Seele“ ist als CD in verschiedenen Online-Shops oder auf Bandcamp erhältlich. Außerdem ist es seit ein paar Tagen auf allen gängigen Streaming- und Downloadportalen verfügbar.

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