BN-Neujahrsempfang Mit neuem Mut zu mehr Klimaschutz

Lisbeth Kaupenjohann

Günter Saalfrank, ehemaliger Hofer Dekan, macht als Gastredner Hoffnung zur Bewältigung von Zukunftsaufgaben.

Ein Windrad im Sonnenuntergang. Foto: picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte

Mit einem Hoffnungsappell zur allgemeinen Lage und für neuen Mut zu mehr Klimaschutz, ausgesprochen vom BN-Umweltpreisträger 2023, Günther Saalfrank, startet die Kreisgruppe Hof im Bund Naturschutz ins Jahr. Zum ersten Mal nach der Corona-Pause hatte Vorsitzender Uli Scharfenberg zum Neujahrsempfang in den Hofer Biersalon „Trompeter“ gerufen; um die 50 Mitglieder sowie Gäste folgten der Einladung.

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26 Alleebäume Geschäftsführer Wolfgang Degelmann ging zunächst auf die Aktivitäten der Kreisgruppe ein. Als großen Erfolg verbuchte er die Rettung von 26 Alleebäumen, die an der Straße von Tauperlitz nach Kautendorf hatten weichen sollen. Statt 32 sollen nach dem Protest vieler Bürger nun lediglich sechs Bäume abgeholzt werden, so der aktuelle Stand. Man werde die Sache aber im Blick behalten, versicherte Degelmann.

Die Brücken An der letzten Demonstration 2022 gegen die Höllentalbrücken hätten sich mehr als hundert Menschen beteiligt. Auch habe man eine Stellungnahme zum Bauleitverfahren verfasst. Schon wegen der prekären Finanzlage der Kommunen sollte das Projekt aufgegeben werden, forderte Degelmann. Er hoffe, dass die Pläne „eingestampft“ seien, wenn die BN-Kreisgruppe Hof am 10. November ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Flächenverbrauch im Landkreis Weiter wandte sich Degelmann gegen den Flächenverbrauch. Hier gehöre der Landkreis Hof in Bayern zu den Spitzenreitern. Dank gelte da der Gemeinde Feilitzsch, die sich beispielhaft der Ansiedlung des Autozulieferers Mosolf verweigert habe und nicht dem Lockruf höherer Gewerbesteuereinnahmen gefolgt sei. „Jeder Quadratmeter versiegelte Fläche bedeutet einen Quadratmeter weniger Lebensraum.“ Im Hinblick auf die Klimaschutzkonzepte müssten nun alle an einem Strang ziehen. Als nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine die Energiepreise in die Höhe schnellten und die Bürger zum Energiesparen aufgerufen wurden, sei auf einmal vieles möglich gewesen, was zuvor unvorstellbar gewesen sei. Das Klima habe an Wert gewonnen, der sich für die Menschen auch in Euro ausdrücke. „Wir sollten uns die gewonnenen Einsichten auch bei sinkenden Preisen erhalten.“

Termine 2023 Schließlich wies der Geschäftsführer auf die Veranstaltungen 2023 hin. Am 6. Mai steht eine Fahrradtour am ehemaligen Eisernen Vorhang an, verbunden mit einem Vortrag am Tag zuvor. Am 17. Juni gibt es einen Tag der offenen Tür in der Huschermühle unter dem Motto „Wasser verbindet“. Zur Feier des 50. Jubiläums in der Festhalle in Dörnthal wird Schauspieler und Kabarettist Eisi Gulp die BN-Kreisgruppe besuchen. Den Festvortrag hält Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des Bundes Naturschutz.

Zwei Dekane als Gäste Degelmann hieß den neuen Dekan der evangelischen Kirchengemeinde Hof, Andreas Müller, willkommen, dem die energetische Sanierung von Kirchengebäuden am Herzen liege. Müllers Vorgänger, Günter Saalfrank, hielt dann als erster Theologe in diesem Kreis eine Impulsrede unter dem Motto „Jetzt ist die Zeit“. Die BN-Kreisgruppe hat Günter Saalfrank zum Umweltpreisträger 2023 gekürt – die Urkunde wird am 17. April in Hof verliehen.

Stärker durch Krisen Auch wenn uns die Krisen beuteln: Manchmal regelten sich die Dinge auf ungewöhnliche Weise, meinte Saalfrank. So hätten genau diese Krisen den Umweltgedanken gestärkt und gezeigt, dass es möglich ist, weniger Energie zu verbrauchen. Dem Landratsamt Bayreuth sei es zum Beispiel gelungen, beim Heizen ein Drittel Energie einzusparen. Deutlich sei geworden, dass unsere Gesellschaft, unser Land und der Frieden anfällig und viele Sicherheiten erschüttert sind. Nun gelte es, die Akteure im Blick zu behalten und Chancen im richtigen Moment zu nutzen. „Vielleicht müssten wir etwas bescheidener werden, auch in unserem Anspruch, alles unter Kontrolle zu haben.“ Tiere seien Mitgeschöpfe, deshalb gelte es, die Artenvielfalt zu schützen. Verstärkt müssten wir darauf achten, unseren Kindern und künftigen Generationen eine gute Lebensgrundlage zu hinterlassen. Gezielte Maßnahmen gegen den Klimawandel seien nötig. Saalfrank verwies auf das engagierte Klimaschutzkonzept der evangelischen Kirche.

„Bloße Appelle und Verbote helfen nicht weiter“, meinte der Referent. Man müsse den Menschen Alternativen aufzeigen und diese auch erlebbar machen. Etwa eine klimafreundliche Art des Reisens. Doch gebe es keine einfachen Lösungen in komplexen Situationen. Ist Gas aus Katar weniger schlimm als das aus Russland? Helfen Panzerlieferungen im Kampf um Freiheit – oder führen zu noch mehr Toten? Saalfrank machte Mut zur Gesamtschau: Nicht nur die Hindernisse sollte man im Blick haben. Auch Hoffnung, eine starke und beflügelnde Kraft, sollte das Handeln bestimmen.