Börse in Frankfurt Dax mit kräftigen Verlusten - Rezessionssorgen belasten

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Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Rezessionssorgen haben am Freitag weltweit und auch am deutschen Aktienmarkt für einen tiefroten Wochenschluss gesorgt. Der Leitindex Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 1,97 Prozent auf 12.

Frankfurt/Main - Rezessionssorgen haben am Freitag weltweit und auch am deutschen Aktienmarkt für einen tiefroten Wochenschluss gesorgt. Der Leitindex Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 1,97 Prozent auf 12.284,19 Punkte in das Wochenende, nachdem er zuvor bei knapp 12.181 Zählern auf den niedrigsten Stand seit November 2020 gefallen war.

Die jüngste Häufung von Zinserhöhungen großer Notenbanken steckt den Investoren noch in den Gliedern. Auf Wochensicht weitete der deutsche Leitindex die Verluste auf mehr als dreieinhalb Prozent aus. Seit dem Jahreswechsel beläuft sich das Minus mittlerweile auf mehr als ein Fünftel.

Der MDax der mittelgroßen Börsentitel lotete am Freitag ebenfalls neue Tiefstände aus. Er fiel im Handelsverlauf auf das niedrigste Niveau seit Mai 2020 und stand zum Schlussgong mit 3,12 Prozent im Minus bei 22.541,58 Punkten.

Überraschend hohe Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten hatten in der Vorwoche die zwischenzeitliche Dax-Erholung jäh ausgebremst. Sie bestärkten die US-Notenbank in ihrer restriktiven Geldpolitik, die sie in dieser Woche mit dem dritten größeren Zinsschritt in Folge fortsetzte. Die Anleger sorgen sich nun immer mehr vor einer Rezession als Folge des Kampfes gegen die hohe Inflation. Auch in der Eurozone mehren sich die Vorboten eines Konjunkturrückschlags.

Marktbeobachter Andreas Lipkow sah dieses Rezessionsszenario vor dem Wochenende durch die jüngsten Einkaufsmanagerindizes bestärkt, die auf eine Abschwächung deuteten. "Nicht nur, dass sich eine harte Zeit der ansteigenden Renditen abzeichnet, zugleich verdunkelt sich das konjunkturelle Umfeld in Europa zunehmend", beschrieb der Börsianer die Lage. Für den Dax sieht Lipkow damit "alle Dämme gebrochen", und eine fortgesetzte Talfahrt in der kommenden Woche sei zu befürchten in Richtung 12 000 Punkte.

Auch auf Unternehmensseite bekommen die Anleger die Auswirkungen des konjunkturellen Gegenwinds weiter zu spüren. Der Batteriehersteller Varta setzte wegen weiter angezogener Energiepreise seine Ziele für das dritte Quartal und das Gesamtjahr aus. Die im MDax notierten Aktien brachen um 34 Prozent ein.

Für noch einen stärkeren Kurseinbruch sorgte der Finanzdienstleister Hypoport, der ebenfalls seine Jahresziele kassierte. Die Papiere schlossen rund 46 Prozent tiefer. Analyst Simon Keller von Hauck Aufhäuser Investment Banking nannte die Nachrichten "verheerend". Der Rückgang bei Immobilienkrediten scheine sich angesichts steigender Zinsen zu beschleunigen.

Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich überraschte die Anleger dagegen mit einer aufgestockten Prognose. Die robuste Geschäftsentwicklung habe sich im dritten Quartal fortgesetzt, teilte das Unternehmen mit. Die Anleger freute dies besonders, nachdem Konkurrent Kion erst kürzlich mit einer Gewinnwarnung geschockt hatte. Die Jungheinrich-Aktien beendeten den Tag nach einem zunächst deutlicheren Kurssprung noch mit dreieinhalb Prozent Plus an der MDax-Spitze.

An die Spitze des Dax setzten sich nach einer Kaufempfehlung der US-Bank JPMorgan die Aktien des Aromen- und Duftstoffeherstellers Symrise mit einem Plus von 2,3 Prozent. Die konjunkturempfindlichen Autohersteller und -zulieferer waren dagegen im Einklang mit dem Trend in Europa unter den größten Verlierern zu finden. Am härtesten traf es Continental mit mehr als neun Prozent Minus auf dem letzten Dax-Platz.

Auch in Europa rutschten die Indizes auf lang nicht mehr gesehene Niveaus ab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 erreichte ein Tief seit fast zwei Jahren und schloss mit minus 2,29 Prozent auf 3348,60 Zähler. An den Börsen in Paris und London endete die Woche gleichfalls mit hohen Abschlägen. In New York rutschte der Leitindex Dow Jones Industrial auf ein Tief seit Ende 2020, zum europäischen Handelsschluss stand er mit mehr als zwei Prozent im Minus.

Der Euro geriet erneut unter Druck und fiel auf ein weiteres Tief seit 20 Jahren. Die Gemeinschaftswährung kostete im Abendhandel zuletzt 0,9716 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 0,9754 (Donnerstag: 0,9884) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 1,0252 (1,0117) Euro gekostet.

Am Rentenmarkt fiel der Rentenindex Rex um 0,59 Prozent auf 129,12 Punkte. Die Umlaufrendite stieg von 1,80 Prozent am Vortag auf 1,91 Prozent. Der Bund-Future sank um 0,41 Prozent auf 139,67 Zähler.

 

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