"Die Fischhaut ist für die Versorgung von chronischen oder akuten Wunden und Verbrennungen ein Segen", sagt die deutsche Herz- und Gefäßchirurgin und Wundspezialistin Saziye Karaca in Genf, die damit arbeitet. "Anders als gezüchtete Haut ist sie sofort und praktisch unbegrenzt verfügbar, und sie ist günstiger." Ihr sei kein einziger Fall einer allergischen Reaktion bekannt.
Gels
Von einer israelischen Firma stammt das Gel NexoBrid. Es entfernt verbranntes Gewebe durch eine Enzymmischung, ohne gesunde Hautstrukturen zu beschädigen, ist aber nur für Verbrennungen von 10 bis 15 Prozent zugelassen. Zum Vergleich: Ein Arm entspricht etwa 9 Prozent der Hautfläche. Manchmal könne die Wunde danach von allein heilen, sagt Siemers. Er bezeichnet das Gel als "Gamechanger" - ein Produkt, das neue Standards setzt.
Auch Wattwürmer kommen einigen Opfern in Gelform zu Hilfe. Ein Gel der französischen Firma Hemarina enthält Moleküle aus dem Hämoglobin des Wurms, das deutlich mehr Sauerstoff binden kann als menschliches Hämoglobin, wie der Erfinder Franck Zal erklärt. Das Gel ist noch nicht zugelassen, wird aber schon experimentell verwendet.
Auch die CHUV-Klinik hat es für Crans-Montana-Patienten bestellt. Es wird nach der Abnahme toten Gewebes auf die Wunde aufgetragen und soll zur Wundheilung beitragen. Bei Verbrennungen werde auch die Mikrozirkulation beschädigt, sodass die Wunde nicht mit Sauerstoff versorgt werden könne, sagt der Meeresbiologe Zal. Die bessere Sauerstoffversorgung durch das Gel könne Zellgewebe erhalten.
Die Frage der Lebensqualität
Welche Lebensqualität die Patientinnen und Patienten später erwartet, sei sehr unterschiedlich, sagt Siemers. Manche dürften monatelang in Kliniken sein. Einige brauchen noch über Jahre weitere Operationen, etwa wegen Narbenbildung. "Es hängt viel davon ab, welche Körperteile betroffen sind, ob es etwa funktionelle Einbußen gibt wie an den Händen. Und es hängt davon ab, wie sie die Situation psychisch verarbeiten."