Buchvorstellung Leben und Wirken der Resl in 16 Kapiteln

Josef Rosner
Der 63-jährige, gebürtige Konnersreuther Johann Härtl mit seinem Erstlingswerk, einem Buch über seine Großtante Theres Neumann. Foto: Josef Rosner

Sieben Jahre hat Johann Härtl an seinem Buch geschrieben. Auf 208 Seiten gibt er Einblicke in das Leben und Wirken seiner Großtante, der Theres Neumann von Konnersreuth.

Mein Ziel war es, die wichtigsten Informationen über die Resl kompakt und übersichtlich zusammenzustellen“, sagt der gebürtige Konnersreuther Johann Härtl, der Großneffe von Theres Neumann, und stellt sein Buch „Resl von Konnersreuth“ vor. „Leserinnen und Leser, die noch nicht viel über die Resl wissen, sollen schnell einen Überblick über das Leben, das Wirken und die Zeit der Resl von Konnersreuth erhalten.“ Der 63-Jährige lebt seit 1983 in Regensburg. Bis zum Eintritt in den Ruhestand war er Ingenieur bei der Deutschen Telekom. Insgesamt sieben Jahre hat Johann Härtl an dem Buch gearbeitet.

„Nie viel Aufhebens“

Im Ratssaal des „Schafferhofs“ stellte Härtl sein Buch nun in einem rund 75-minütigen Vortrag vor – allerdings nur vor einer recht überschaubaren Zahl an Besuchern. Er sei, sagte er, damit einer Einladung seines Schulkameraden Max Bindl gefolgt. Der Bürgermeister von Konnersreuth hatte in seiner Begrüßung darauf hingewiesen, dass ihn viel mit Johann Härtl verbinde. Für die Chronik der Marktgemeinde erhielt Bindl vom Autor auch gleich ein Exemplar des Resl-Buches. Und einige Besucher nutzten die Gelegenheit, die an Ort und Stelle gekauften Bücher mit einer Widmung des Autors versehen zu lassen.

Johann Härtl bekennt, dass er sich lange Zeit nicht eingehend mit der Resl beschäftigt habe. „Für mich war immer klar, dass die Geschehnisse um die Resl und die Erzählungen meiner Verwandtschaft der Wahrheit entsprechen. Sonst wurde in meiner Konnersreuther Zeit nie viel Aufhebens um die Resl gemacht.“ Als Konnersreuther sei er im Laufe seines Lebens aber immer wieder auf die Resl angesprochen worden. Und vor sieben Jahren sei dann bei ihm das besondere Interesse an seiner Großtante geweckt worden. „Je länger ich über die Resl recherchierte und Informationen sammelte, umso stärker war ich von ihrem Leben und ihrem Wirken gefesselt und fasziniert.“ So habe er sich entschlossen, ein Buch zu schreiben.

144 Abbildungen

In 16 Kapiteln und auf 208 Seiten erinnert Johann Härtl nun an seine im Jahr 1962 verstorbene berühmte Großtante. Ergänzt hat er das Werk mit 144 Abbildungen. Jahrelang habe er dazu im bayerischen Staatsarchiv in Amberg recherchiert und seine Verwandten, Freunde und weitere Zeitzeugen befragt. „Ich habe viele Originalakten gewälzt, das, was mir wichtig erschien, zusammengefasst und ergänzt mit vielen Texten aus meinen persönlichen Gesprächen.“

Johann Härtl erinnert daran, dass die Resl zu Lebzeiten viel bekannter gewesen sei, als man sich das heute vorstelle. „Vor allem in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war sie ein Top-Thema in Zeitungen, Magazinen und auch Satire-Magazinen. Im Internet findet man selbst in Zeitungsarchiven in entferntesten Ländern Artikel über sie.“ Härtl berichtet, dass sogar ein Hollywood-Film über sie geplant gewesen sei. Die damals weltbekannte Stummfilm-Schauspielerin Lillian Gish habe 1928 in Konnersreuth geweilt, um sich auf diesen Film vorzubereiten. Sie soll sogar eine der Leidensvisionen der Resl miterlebt haben.

Von Nazis gefürchtet

Breiten Raum im Buch nimmt die Zeit des Nationalsozialismus ein. Johann Härtl erinnert daran, dass die Resl bis in die höchsten Nazi-Kreise bekannt und gefürchtet gewesen sei. Viele Mitglieder ihrer Familie und Freunde seien verfolgt oder wie im Falle von Fritz Gerlich sogar ermordet worden. Der Autor ist überzeugt, dass Hitler wohl aus Sorge vor ihren Kräften die Anweisung gegeben habe, ihr nichts zustoßen zu lassen. Weitere Kapitel des Buches beschäftigen sich unter anderem mit dem Bruch zwischen der Familie Neumann und dem Bischof im Jahr 1937 sowie dem Interesse der Päpste aus Rom.

Deutlich macht Härtl im Buch natürlich auch, wie die Resl das Leben vieler Menschen positiv beeinflusst hat. „Die Resl hat vielen Menschen geholfen, sie gab Rat, bot auch Trost in schweren Stunden. Sie nahm stellvertretend für die Menschen Leiden auf sich oder betete im Anliegen der Menschen.“ Ein anderes Thema sind die Leidensvisionen, die die Resl seit der Fastenzeit 1926 mehr als 700-mal erlebt haben soll. Härtl gibt zu bedenken, „dass die Resl bei all diesen Visionen mit allen Sinnen dabei war“. Sie sei keine Zuschauerin gewesen, sondern immer mitten drin im Geschehen gewesen. „So musste sie die schrecklichen Szenen, die Jesus erlebte, immer selber miterleben“, schreibt Härtl.

Belastung für die Familie

Während des Zweiten Weltkriegs sei es ruhiger um die Resl geworden, erst danach sei sie wieder mehr in den Blickpunkt gerückt. Härtl macht deutlich, dass an Karfreitagen bis zu 13 000 Menschen nach Konnersreuth gekommen seien, um die Resl zu sehen. „Für ihre Familie war das eine Riesenbelastung. Aber die Resl wollte, dass die Menschen diese Zeichen sehen. Sie wollte, dass die Menschen sehen, wie Jesus Christus leiden musste.“ Weiter berichtet der Autor, dass die Resl nach den Visionen immer sehr erschöpft gewesen sei. „Sie war ganz und gar von dem Gesehenen eingenommen.“ Weiter verweist er in dem Buch darauf, dass die Resl gerne verreist sei. „Das missfiel der Kirche und auch den Nazis.“

Den größten Kritikern der Resl und des Geschehens in Konnersreuth hat Johann Härtl ebenfalls ein Kapitel gewidmet. So bemängelt er, dass Josef Hanauer etwa niemals in Konnersreuth gewesen sei und dennoch seine Thesen aufgestellt habe. „Hanauer war der Schlimmste von allen, er stritt sogar die Echtheit der Stigmen ab, obwohl diese selbst Experten bestätigt hatten“, schreibt Härtl.

Im Buch macht Johann Härtl übrigens auch deutlich, dass früher immer nur von Theres Neumann die Rede gewesen sei – also ohne „e“ am Ende des Vornamens – niemals von Therese Neumann, wie heute geschrieben werde.

Johann Härtl: Resl von Konnersreuth – Leben und Wirken meiner Großtante Theres Neumann. Buch + Kunstvlg.Oberpfalz. 208 Seiten, gebunden, 24,90 Euro. ISBN: 3955870871.

 

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