Bürgerbeteiligung in Marktredwitz Mitdenken, mitreden, mitgestalten

Bauamtsleiter Stefan Büttner (mit Hund Alf) und Projektbetreuerin Daniela Pöhlmann freuen sich auf viele Anregungen aus der Bevölkerung, wie sich der Markt in Zukunft entwickeln soll. Foto: Peggy Biczysko

Am Donnerstag lädt die Stadt alle Marktredwitzer ein, damit sie Vorschläge zur Gestaltung des Marktes mit einbringen. Wie sich das Herz der Stadt weiter entwickelt, soll nicht nur von oben herab bestimmt werden.

Gnadenlos heiß brennt die Sonne beim Pressetermin herunter aufs Marktredwitzer Pflaster im Markt. Gut und gerne wünschte man sich jetzt einen schattenspendenden Baum. Parkplätze sind bei über 33 Grad noch etliche frei. An manchen Tagen sieht es ganz anders aus. Da ist kaum eine Lücke zu finden. Nicht mal da, wo Parken sonst gar nicht erlaubt ist. Wie sieht das Herz der Stadt in Zukunft aus? Schattiger, grüner, pfiffiger, lebendiger als an diesem heißen Sommertag? Das liegt in der Hand der Bürger. Zumindest zum Teil. Denn die dürfen, ja, sollen mitdenken, mitreden und mitgestalten, wenn der Markt weiterentwickelt wird. Die große öffentliche Bürgerbeteiligung dazu findet am morgigen Donnerstag um 19 Uhr in der Stadthalle statt.

Facelifting für den Markt

„Wir wollen dem Markt ein Facelifting verpassen“, kündigt Stefan Büttner, der Leiter des Stadtbauamts, an. Denn hier liegt so einiges im Argen. Die letzte Umgestaltung reicht schon geraume Zeit zurück. Damals, zur Landesgartenschau im Jahr 2006, ist die Innenstadt aufgehübscht, etliche Fassaden sind neu in Szene gesetzt worden. „Open Space: Weiterentwicklung Markt“ nennt sich das Projekt, das Büttner und Projektleiterin Daniela Pöhlmann am Donnerstagabend vorstellen, ehe es heißt: Feuer frei für die Bürger. „Wir möchten einen Spiegel vorgehalten bekommen“, unterstreicht der Bauamtsleiter. Wir freuen uns auch über Anregungen von außen. Schließlich haben wir hier viele Pendler und Kunden, die einen ganz anderen Blick auf die Stadt haben.“

Ein Problem, das Büttner ganz klar sieht und das in Vorgesprächen mit Anwohnern, Hauseigentümern und Geschäftsleuten schon thematisiert worden ist, ist das Parken. „Das müssen wir in den Griff kriegen.“ Denn die eiligen Fahrer suchen sich eine Nische, wo es gerade passt – ob vor dem Rathaus oder dem Frey-Centrum. Dabei sind dort nicht einmal Parkbuchten vorgesehen. „Das müssen wir klarer herausstellen“, betont Büttner. Der Einzelhandel hingegen beklage einen Mangel an Parkplätzen. „Wir werden sicherlich nicht jedem Wunsch entsprechen können. Denn wiederum andere wollen viele Bäume in der Innenstadt.“ Sicherlich könne die Stadt den Einzelhandel nicht retten, „aber wir können die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Rahmen passt“, meint der Bauamtschef.

Ans Eingemachte

Parallel zu dem Projekt Umgestaltung liefen auch Gespräche mit den Anbietern von Gas, Wasser, Telekom, Strom oder Kanal. „Wenn wir baulich schon etwas machen und aufreißen, können sich die jeweiligen Sparten mit anhängen.“

Ehe es ans Eingemachte geht, will die Stadt schauen, „wo die Menschen der Schuh drückt“, sagt Büttner. Aus den Reihen der Anwohner und Eigentümer im Markt – „da hatten wir um die 30 Interessenten“ – war laut Daniela Pöhlmann zu vernehmen, dass der Fahrbahnbelag, dessen Lücken kürzlich mit einem Betongemisch gefüllt worden sind, jetzt nicht mehr so widerhallt wie zuvor. „Denn wenn ein Lkw morgens durch die Innenstadt fuhr, war die Geräuschkulisse wohl ziemlich hoch.“ Auch der Wunsch nach mehr Grün sei laut geworden.

Parkplätze Thema Nummer 1

Bei den Geschäftsleuten – „da kamen um die 25 Teilnehmer zur ersten Gesprächsrunde“ – seien Parkplätze das Thema Nummer 1. Denn viele Menschen fahren am liebsten noch direkt vors Geschäft. Doch dem Wildparken will die Stadt Einhalt gebieten. Und Dauerparker sollen aus dem Markt verbannt werden. Ein großes Thema ist nach Worten Stefan Büttners auch die Beleuchtung. „Da gibt es schon so einige dunkle Ecken im Zentrum“, meint er und deutet in Richtung Ottostraße.

Was aufgewertet werden soll, sind die beiden Endpole der einstigen Fußgängerzone. „Die Einzelhändler in der Egerstraße wollen besser wahrgenommen werden“, gibt Büttner einen Wunsch der Anlieger wieder. „Da könnte man dann ein wenig mit den Bodenbelägen spielen“, nennt er ein Beispiel, wie der Übergang vom Markt in die Egerstraße fließender gestaltet werden könne. Weniger problematisch sei wohl der Übergang vom Markt über die Damm- in die Lindenstraße, wo derzeit das neue Quartier am Stadtpark entsteht.

Generell seien Anlieger wie Geschäftsleute mit der Öffnung der ehemaligen Fußgängerzone für den Verkehr sehr zufrieden, erzählt Büttner, „auch wenn es vereinzelte Wünsche gibt, den Verkehr wieder auszusperren“. Einige Marktredwitzer wünschten sich „erlebbares Wasser“ im Markt. Vom Trinkbrunnen bis hin zum Fontänenfeld reichen laut Daniela Pöhlmann die Wünsche. Für Ortsfremde wolle die Stadt die Orientierung verbessern, ebenso durch ein Parkleitsystem, fügt sie hinzu.

Europaweite Suche

Der Stadt steht durch die großen Umgestaltungspläne wohl eine hohe Investition ins Haus. „Das kommt darauf an, was wir letztlich alles verwirklichen wollen“, meint Stefan Büttner. Das Vergabeverfahren schließe sich an die Bürgerbeteiligung an, kündigt die Projektleiterin an. Da würden dann alle Wünsche und Anregungen der Bürger noch einmal abgewogen und in die Vorstellungen mit eingearbeitet. „Gegen Ende dieses Jahres machen wir uns dann europaweit auf die Suche nach einem Planer.“ Die beiden Strippenzieher rechnen damit, dass sich die Planungen dann locker ein Jahr bis Ende 2023 hinziehen werden, ehe ein Resultat präsentiert wird.

„Was das Ganze letztlich kosten wird, hängt von vielen Dingen ab – ob wir ein neues Mobiliar im Markt aufstellen oder wie die neue Fahrbahn gestaltet wird“, sagt der Bauamtsleiter. Wovon die Stadt mittlerweile abgekommen sei, sei eine einheitliche Möblierung der Gastronomie. „Da ist mehr der Wunsch nach Individualität aufgekommen.“ Was Büttner auch einleuchtet, zumal ein bayerisches Lokal sicherlich eine andere Bestuhlung wählen würde als eine Sushi-Bar.

Riesiger Investitionsstau

„Ein offenes Geheimnis ist das enorme Potenzial an leer stehendem Wohnraum in der Innenstadt“, sagt Büttner. Und Wohnungen seien stark nachgefragt. Er geht davon aus, dass zwischen 40 und 50 Wohnungen allein im Markt leer stehen. „Da herrscht ein riesiger Investitionsstau.“ Deshalb wolle die Stadt privaten Investoren ebenso wie Geschäftsleuten mit einem Sanierungsprogramm unter die Arme greifen, wenn Missstände behoben werden. „Das Gebiet greift bis in die Klingerstraße und auch nach Dörflas.“ Bis zu 30 000 Euro Förderung gibt es laut Pöhlmann für eine Altbausanierung.

Wer am Donnerstagabend keine Zeit hat zu kommen, aber trotzdem Ideen hat, kann dies auf einer digitalen Pinnwand (www.stewog.com/stadtentwicklung) tun. Außerdem können Anregungen auf einer Karte abgegeben werden.

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