Bürgerversammlung Arzberg Gute Chancen für Veränderungen

Christl Schemm
Obwohl viele Plätze noch frei waren bei der Bürgerversammlung in der Arzberger Bergbräu, entwickelte sich eine rege Diskussion. Bürgermeister Stefan Göcking, Johannes Hofmann vom Landratsamt und gKU-Winterling-Vorständin Cäcilia Scheffler (vorne, von links) standen den rund 25 Bürgerinnen und Bürgern, die gekommen waren, Rede und Antwort Foto: Christl Schemm

In der Bürgerversammlung beschreibt Bürgermeister Göcking das kommunalpolitische Geschehen in Arzberg und beantwortet Fragen. Gemeinsinn gehe vor Eigensinn, mahnt er.

Arzberg - Die Baustelle am Kreisverkehr in der Marktredwitzer Straße, das neue Baugebiet am Olatsberg, die weiteren Pläne für die ehemalige Porzellanfabrik „Aktien“ und das leere Grundstück an der Ecke Friedrich-Ebert-/Bahnhof-Straße: Das sind einige der Themen, die interessierte Arzberger bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend angesprochen haben. Rund 25 Frauen und Männer waren gekommen, um sich näher über das Stadtgeschehen zu informieren. Außerdem nahmen etliche Stadträtinnen und -räte sowie Beschäftigte der Stadtverwaltung teil.

Neben der Gelegenheit, sich über Maßnahmen der Stadt zu informieren und sich dazu zu äußern, diene die Bürgerversammlung auch dazu zu erkennen, dass in Arzberg weitere Aufgaben warteten, sagte Bürgermeister Stefan Göcking. „Deren Lösung erfordern intensive Anstrengungen und den Einsatz vieler Kräfte“, betonte er. „Letztlich haben wir alle Anteil an der Verantwortung für die Lebensverhältnisse der jetzigen und der künftigen Generation.“ Kommunales Engagement und kommunalpolitische Entscheidungen erstreckten sich auf Lebensbereiche, die alle Bürgerinnen und Bürger berührten.

Appell an die Bevölkerung

Trotz der Corona-Krise halte der wirtschaftliche Aufschwung anscheinend immer noch an. Dies sorge bis jetzt dafür, dass weiter gezielt Fördermittel in die Region flössen, so der Bürgermeister. „Deshalb und auch deswegen, weil sich eine Art Aufbruchsstimmung verfestigt, sind die Chancen für Veränderungen und Neuaufbau so gut wie lange nicht mehr“, stellte Göcking fest. „Wir haben Perspektiven, hohe Lebensqualität und dürfen in einem Land leben, das eingebettet ist in ein noch friedliches Europa.“

Trotzdem sei leider mit großem Entsetzen festzustellen, dass sich das gesellschaftliche Gesamtgefüge stark verändere und der Umgangston rauer werde, sagte der Bürgermeister. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten – auch wegen Corona – anscheinend das Vertrauen in die Handlungskraft der demokratischen Politik verloren. Deshalb forderte Göcking dazu auf: „Mehr Gemeinsinn statt Eigensinn, mehr miteinander statt gegeneinander.“

Pförtnerhaus wird abgerissen

Einige Bürger stellten Fragen und äußerten auch Meinungen. Nach den weiteren Plänen für den alten Buntbetrieb in der „Aktien“ fragte Richard Seifert. Die gKU-Winterling-Vorständin Cäcilia Scheffler antwortete, dass hier vermutlich nur noch ein Abbruch infrage komme. Auf die Frage von Wieland Schöffel nach dem Pförtnerhaus, ebenfalls auf dem „Aktien“-Gelände, erläuterte Scheffler, dass dieses im nächsten Jahr abgerissen werde. Schöffel interessierte auch der Sachstand bei der alten Schumann-Villa. Diese habe ein Deutsch-Kanadier gekauft, sagte Bürgermeister Göcking. Leider sei in der letzten Zeit von ihm nichts mehr zu hören.

Die Baustelle am Kreisverkehr war Helmut Dittrich ein Anliegen. Er mutmaßte, dass die Planung für den Ausbau der Marktredwitzer Straße handwerklich schlecht gewesen sei, da jetzt Nachbesserungen wegen der Überflutungen in der Rosenstraße nötig sind. Außerdem kritisierte Dittrich die Optik des Kreisverkehrs. Für das Rondell würden jetzt Ideen eingeholt, sagte Bürgermeister Göcking. Dazu habe es auch einen Antrag der UPW im Stadtrat gegeben. „Es gibt tolle Sachen, aber es muss bezahlbar sein“, meinte er. Die Stadträte hätten sich bereit erklärt, auf dem Kreisverkehr Unkraut zu jäten. Bei der Baustelle gehe es um die Vergrößerung des Kanals, die aufgrund der zunehmenden Starkregen nötig sei. In dieser Sache müsse auch mit den Landwirten und dem Eigentümer der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber gesprochen werden, da von den Feldern und von der Fläche vor dem ehemaligen Hotel große Wassermengen in die Marktredwitzer Straße liefen.

Baupreise steigen

Auch die Gründe dafür, warum zunächst kein neues Wohnhaus an der Ecke Friedrich-Ebert-/Bahnhof-Straße gebaut wird, erläuterte der Bürgermeister erneut, und zwar auf Nachfrage von Markus Lugert. In erster Linie sei der Stopp für die Planungen auf die immense Steigerung der Baupreise zurückzuführen. Dies bestätigte auch Martin Buchwald von der Stadtkämmerei. Der Bebauungsplan für das Gebiet „Olatsberg II“ sei rechtskräftig beschlossen, sagte Bauamtsleiter Andres Martin auf eine entsprechende Frage von Walter Götz. Im Laufe des nächsten Jahres könne die Erschließung beginnen.

Nach der Schulfreisportanlage erkundigte sich Werner Havel. Diese werde wieder so hergestellt wie vor dem Bau von Kindergarten und Seniorenheim, versprach Göcking - bis auf die Laufbahn. Diese werde nur noch 75 Meter lang sein. Den Kiosk an der Bahnhofstraße habe der Besitzer abreißen lassen, sagte der Rathaus-Chef auf die Frage von Stefan Hild. Und Wolfgang Flügel bestätigte der Bürgermeister, dass es einen Interessenten für die Bergbräu-Gastronomie gebe. „Der Berg ist eine große Herausforderung“, sagte Göcking. „Mal sehen, was Corona noch mit uns macht.“

Viele Projekte
Im Schnelldurchgang listete Bürgermeister Stefan Göcking eine ganze Reihe von abgeschlossenen, laufenden sowie künftigen Projekten und Maßnahmen in Arzberg auf. Nur einige Beispiele: Rathausstraße, Otto-Schemm-Platz, Spielplatz Schlottenhof, Bürgerhaus, Neubau Kindergarten, Bau Seniorenheim durch Privatinvestor, massiver Kanal- und Wasserbau, Baugebiet Olatsberg, Sturzflutenkonzept, Neuausrichtung Fichtelgebirgsmuseen, Sanierung Grundschule, Digitalisierung in allen Bereichen, neue Heizzentrale in der Schule, Dorfbrauerei Schlottenhof, Ansiedlung Lebenshilfe im Schumann-Areal, neue Drehleiter für Feuerwehr, Energiewende, Zusammenarbeit mit Zukunfts-Energie Nordostbayern (Zenob).
 

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