Bürgerversammlung Kommt Dorfladen in Schirnding?

Wolfgang Neidhardt
Das Gemeindezentrum in Schirnding nimmt Formen an, der Innenausbau soll noch heuer beendet werden. Kommt auch ein Dorfladen? Foto: Gerd Pöhlmann

Bei der Bürgerversammlung bestätigt Bürgermeisterin Karin Fleischer, dass sie einen potenziellen Betreiber und den Besitzer des Hauses zusammenbringen möchte. Im Laden soll es nicht nur Lebensmittel geben.

Ältere und gebrechliche Schirndinger haben es nicht leicht: In der Gemeinde gibt es kein Geschäft mehr, um den täglichen Grundbedarf zu decken. Zu diesem Thema gab sich Bürgermeisterin Karin Fleischer bei der Bürgerversammlung optimistisch: „Ich bin in Gesprächen mit dem Besitzer eines Hauses in der Waldsassener Straße. Im dortigen Laden will ein Interessent ein Geschäft betreiben. Auch mit ihm werde ich demnächst verhandeln.“

Peter Kostritzki bezog sich auf eine Berichterstattung in unserer Zeitung, als vor einigen Monaten von einem „kleinen Pflänzchen“ die Rede war. Und das scheint nach der Aussage der Bürgermeisterin größer geworden zu sein. Und Sieglinde Geisler ergänzte: „Eine bessere Lage als in der Waldsassener Straße gibt es nicht.“

Keine Spur vom „Baxi“

Eine weitere Frage von Kostritzki bezog sich auf die geplante Einbindung von Schirnding in das Ruftaxi-System „Baxi“. Im Oktober 2021 habe das Landratsamt zugesagt, dass in Schirnding im April 2022 eine Haltestelle eingerichtet werde. Geschehen sei nichts. Die Gemeinde könne nicht mehr tun, als beim Landratsamt nachzuhaken, bat die Bürgermeisterin um Verständnis. Weitere Themen Kostritzkis: ein irritierendes Schild an der Einmündung einer Privateinfahrt in der Friedrichstraße – sowie die Bitte, bei Gemeinderatssitzungen Anfragen zuzulassen. „Das wäre ein Akt der Bürgernähe.“ Fleischer sagte dies zu.

Hermann Behrendt regte an, die Verlängerung „Eichigt“ auszubessern und die Homepage der Gemeinde mindestens einmal im Monat zu aktualisieren. Einer Anregung von Dick van den Dool steht Fleischer positiv gegenüber: Im kommenden Jahr einen Gedenktag daran einzurichten, dass vor 150 Jahren das alte Dorf Schirnding fast vollständig abgebrannt ist. Keine Antwort vermochte die Bürgermeisterin auf die Frage von Hermann Fischer nach der Sicherheitslage in Schirnding zu geben: „Da müssen sie die Polizei fragen.“

Park- und Grünflächen 2023

Zufrieden nahmen die etwa 40 Besucher die Aussage von Rainer Firnys entgegen. Er wollte in der ehemaligen Porzellanfabrik ursprünglich Klärschlamm trocknen. „Das kann nicht so umgesetzt werden, dass ich zufrieden wäre. Deshalb habe ich mich entschieden, jetzt Holz trocknen zu lassen und zu Pellets zu verarbeiten.“ Ein Ingenieurbüro arbeite an einer Nutzungsänderung. „Umgebaut muss aber nichts werden.“

Die Bürgermeisterin ging in ihren Ausführung auf diverse Baumaßnahmen ein: Bei dem 2015 begonnenen Umbau des Anwesens Hauptstraße 15 zum Gemeindezentrum mit Grenzmuseum, Musikschule und Bücherei seien die Arbeiten ein gutes Stück vorangegangen. Der Innenausbau könne möglicherweise heuer noch fertiggestellt werden. Den Innenhof habe die Gemeinde bereits für den Dorfmarkt genutzt, hier seien die letzten Pflasterarbeiten erledigt. Die Arbeiten am restlichen Außenbereich, speziell die Parkplätze und Grünflächen zum Kirchberg hin, sollen im kommenden Frühjahr fortgesetzt werden. Im Sommer 2023 soll das Gemeindezentrum eingeweiht werden.

Arbeiten an der Gemeindehalle

In der Gemeindehalle ist die restliche Paneel-Verblendung entfernt und das Mauerwerk verputzt worden. Ein weiterer Fluchtweg ist geschaffen, um den Anforderungen an den Brandschutz gerecht zu werden. Die restlichen alten Leuchten werden gegen LED-Lampen getauscht. Die Abbrucharbeiten in der Ringstraße sind abgeschlossen, die Planungen für eine übergangsweise Platzgestaltung laufen. Die Arbeiten können allerdings erst im kommenden Jahr beginnen.

Plangemäß seien die baufälligen Gebäude Kirchberg 9 und Hauptstraße 18 abgerissen worden. An beiden Standorten entstünden Parkflächen für Gemeindehalle, - zen-trum und Kirchenbesucher. Fleischer erinnerte an den Tag der offenen Tür in der Hauptstraße 9. Dabei hätten zahlreiche Besucher alte Geschichten über die „Gulder-Wirtshauszeit“ und weitere Informationen ausgetauscht. Abgeschlossen sind die Arbeiten auf dem Schulhof und im Schulhaus. Vor knapp sechs Wochen sei der Schulhof im Rahmen einer kleinen Feierstunde eingeweiht und den Kindern übergeben worden. Ferner sei das Gebäude jetzt an das Glasfasernetz angeschlossen. Dessen Ausbau werde generell weiter vorangehen.

1156 Einwohner

Stichwort Straßen- und Wegebau: Beim Fußweg von der Friedrichstraße wurden Treppenstufen neu gesetzt. Der in sehr schlechtem Zustand befindliche Fabrikweg soll komplett saniert werden. Und der Menzlohbach-Steg am Walther-Sebert-Rundwanderweg muss aus Sicherheitsgründen erneuert werden. Zusätzlich werden dort neue Sitzgelegenheiten und eine Natur-Lehrtafel für Kinder und Schüler aufgestellt. Der Feuerwehr dankte die Bürgermeisterin dafür, dass sie Wege und Straßen von Schlamm befreit hätte. Baumkontrollen und Prüfung der Einrichtung auf Kindergärten rundeten das Paket an Maßnahmen ab.

Einige Kennzahlen zur Marktgemeinde: In Schirnding wohnen 1156 Bürger, davon sind 162 Ausländer. 39 Prozent sind evangelisch, 27 katholisch. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist die Zahl der Einwohner um 25 und 21 gestiegen – aber 1996 hatte Schirnding noch 1733 Einwohner. Wichtigste Pflichtausgaben: 150 000 Euro für Kinderbetreuung, 38 000 für die Feuerwehr, die im vergangenen Jahr ein neues Fahrzeug eingeweiht hat, 56 000 Euro für Asphaltierungsarbeiten und den Winterdienst. Die Höhe von Zins und Tilgung ist deutlich zurückgegangen.

Die Klärschlammtrocknung

Kurzer Rückblick: Die Klärschlammtrocknung in der ehemaligen Porzellanfabrik hatte in den zurückliegenden zwei Jahren für einigen Diskussionsstoff gesorgt. Nicht nur der Marktgemeinderat hatte sich mit dem Thema befasst, sondern auch das Landratsamt. Während sich der Anlagenbauer, eine Firma aus Mühlhausen, und Betreiber Rainer Firnys den Schwarzen Peter gegenseitig zuschoben, waren der Gemeinde die Hände gebunden. Ihr blieb nichts anderes übrig, als die Beschwerden der Anwohner weiterzugeben. Im Juni 2021 zog das Landratsamt Wunsiedel einen Schlussstrich unter die Angelegenheit und schloss die Anlage. Wie Landrat Peter Berek damals im Kreistag berichtete, habe sich der Betreiber nicht an alle Auflagen gehalten. Demnach sei der Klärschlamm nicht so angeliefert worden wie vorgegeben. Und, so Berek weiter, seien Schlämme getrocknet worden, die dafür nicht vorgesehen gewesen seien. Doch das gehört nun alles der Vergangenheit an.

Wasserversorgung gesichert

Drei Quellen
Die Wasserversorgung der Gemeinde Schirnding ist gesichert. Das versicherte Andreas Sprenger von der Energieversorgung Selb-Marktredwitz (ESM) bei der Bürgerversammlung: „Das Wasser kommt aus drei Quellen am Steinberg sowie vom Tiefbrunnen Weidighaus. Der hält zwar etwas weniger Wasser als 2018, stelle aber eine große Reserve dar, die bisher nur zur Hälfte genutzt worden sei. Mit Chlor arbeite die ESM nicht mehr. „Das Wasser ist mit UV desinfiziert.“ In jüngster Zeit wurde weniger Wasser abgegeben. Über die Leitung Raithenbach – Oschwitz tausche man sich mit der Nachbarstadt Arzberg aus – und gebe sich so gegenseitig Versorgungssicherheit. Fazit: „Die Trinkwasserversorgung ist als gesichert zu betrachten.“

 

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