Bürgerversammlung Weniger Schönwalder tragen höhere Schuldenlast

Gerald Lippert
Einen ausführlichen Rück- und Ausblick gab Bürgermeister bei der Bürgerversammlung in Schönwald – wegen Corona-Auflagen mit Abstand, Masken und ohne Getränke. Foto: /Gerald Lippert

Bei der Bürgerversammlung gibt Bürgermeister Klaus Jaschke einen Überblick zum Status quo in der Stadt. 40 Bürgerinnen und Bürger hören interessiert zu.

Schönwald - Einen detaillierten Einblick in die Maßnahmen der Stadt Schönwald hat Bürgermeister Klaus Jaschke bei der Bürgerversammlung im Turnerheim-Saal gegeben. Auf 70 Folien präsentierte er den rund 40 interessierten Zuhörern seinen Rückblick auf die Jahre 2020 und 2021.

„Im Moment haben wir eine Delle“, kommentierte Jaschke die Entwicklung der Einwohnerzahlen mit Vergleichsdaten seit 2011. Aktuell hätten 3199 Bürger ihren Hauptwohnsitz in Schönwald (2019: 3283). 188 Wegzügen ständen nur 120 Zuzüge gegenüber, und 14 Geburten konnten die 49 Sterbefälle auch in diesem Jahr nicht ausgleichen.

Siebenmal Stabilisierungshilfen

Zur finanziellen Situation sagte der Bürgermeister, dass der Haushalt der Stadt ein Gesamtvolumen von 12,5 Millionen Euro umfasse, davon 3,9 Millionen im Vermögenshaushalt (2020: 4,8 Millionen) und 8,6 Millionen im Verwaltungshaushalt. Die Einnahmen (Steuern, Zuweisungen, Umlagen) hätten 4,2 Millionen Euro (2019: 4,5) betragen und seien kon-stanten Ausgaben in Höhe von 1,5 Millionen gegenübergestanden.

„Wir investieren laufend und haben die Schuldenentwicklung immer im Blick. In der Verwaltung und im Stadtrat achten wir darauf, dass alles im Rahmen bleibt“, bilanzierte Jaschke den Schuldenstand von derzeit 3,4 Millionen Euro (3,2 Millionen im Jahr 2020). Seit 2013 habe Schönwald, wie er weiter sagte, sieben Mal Stabilisierungshilfen erhalten. Während sie bis 2017 Mittel zur Schuldentilgung (8,3 Millionen Euro) gewesen seien, habe man die Hilfen 2019 (0,3 Millionen Euro) und 2020 (0,6 Millionen) für Investitionen verwendet. Die Pro-Kopf-Verschuldung in Schönwald liege bei 1044 Euro (2019: 998). Die Zahlungen für Zinsen und Tilgungen seien 2019 und 2020 bei durchschnittlich 500 000 Euro gelegen.

Corona fordert Mitarbeiter

„In den letzten Jahren wurden im Rathaus fünf von elf Stellen wegen Renteneintritt oder Altersteilzeit neu besetzt“, erläuterte Jaschke die Personalsituation. Seit Mai 2021 leite der Diplomingenieur Martin Wäger das Bauamt. Im Bürgerbüro sei Jessica Jandl neu. „Wir sind froh, beide im Team zu haben“, bekundete der Bürgermeister, zumal der geschäftsführende Beamte seit Oktober 2019 wegen einer Erkrankung kaum zur Verfügung stehe.

„Auch uns beschäftigt die Corona-Pandemie sehr“, fuhr der Bürgermeister fort, sodass seit März 2020 zusätzliche Kapazitäten zur Erledigung anfallender Arbeiten notwendig geworden seien. Dazu gehörten die Organisation des Schichtbetriebes in der Wasserversorgung, die Sperrung von Spielplätzen und Sporthalle oder die Erstellung von Schutz- und Hygienekonzepten für Rathaus, Bauhof, Feuerwehr, Freibad und Friedhof. „Allein die Organisation des Freibad-Betriebes war eine große Herausforderung.“ Dazu sei die Organisation des Test- und Impfzen-trums in der Schulturnhalle gekommen. Jaschke: „Es gilt allen herzlich zu danken, die hier ehrenamtlich unterstützen!“

Zum Großteil abgeschlossen sei die Umsetzung aus dem Organisationsgutachten durch den Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband (2017/18). Dazu gehörten im Rathaus die Bereiche Stellen- und Arbeitsplatzbeschreibungen, Geschäftsverteilung, Besucherlenkung oder Öffnungszeiten. Seit 2006 erfolge die interkommunale Zusammenarbeit mit dem ILEK Nördliches Fichtelgebirge im Bereich Städtebau.

100 000 Euro aus Regionalbudget

Die Schwerpunkte Tourismus und Daseinsvorsorge würden seit 2017 mit der Arbeitsgemeinschaft Drei-Länder-Eck (Regnitzlosau, Rehau, Schönwald und ab Februar 2022 Döhlau) erstellt. „Pro Jahr gibt es dafür rund 100 000 Euro Förderung aus dem Regionalbudget für Vorhaben, die von allgemeiner Bedeutung sind, ohne dass daran etwas verdient werden darf.“ 2021 sei Geld an die „Neucherl-Bräu“ für den Aufbau einer Mikro-Brauerei gegangen, an Louis Freiherr von der Borch für die Sanierung des Brunnenhauses Sophienquelle, an den Verein zur Förderung der Schule für die Wiederherstellung der Verkehrsübungsfläche im Hof der Grundschule und an die Freiwillige Feuerwehr Brunn für die Beschaffung von Video-Equipment für die Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit.

Jaschke listete auch die Ausgaben für den Bauhof auf: Abschluss der Dacherneuerung, Beschaffung von drei Fahrzeugen und Geräten. In der Grundschule wurde der Internetauftritt für das digitale Klassenzimmer erneuert und die Ausstattung erweitert, zudem wurde ein neuer Schulbus angeschafft. Die Feuerwehr erhielt einen Versorgungs-Lkw.

Konzept für städtische Wohnungen

Im Eigentum der Stadt befinden sich, wie zu hören war, 27 Wohnhäuser mit 146 Wohneinheiten, davon stehen 30 leer. „Mit der Einführung eines Dienstleistungsservices für Reinigung und Winterdienst sind wir jetzt hoffentlich auf einem guten Weg“, wünschte sich Jaschke. Für die städtischen Wohnungen habe die Joseph-Stiftung Bamberg zudem ein wohnwirtschaftliches Konzept er-stellt, nach dem auf Instandhaltung 3,3 Millionen Euro und auf Modernisierung 5,0 Millionen Euro entfielen.

„Die Erneuerung der Wasserleitung von der Trinkwasseraufbereitung Buchbach zum Hochbehälter Tiefzone war kein einfaches Unternehmen“, resümierte der Bürgermeister. „Die Situation im Bereich der Naturbestattungen auf dem Friedhof zwang uns zum Handeln.“ Durch das unerlaubte Aufstellen von Gestecken und Pflanzschalen, das Entfernen von Grasstücken und das Aufbringen von Schotter sei das Mähen nur noch mit großem Aufwand möglich gewesen. „Das funktioniert so nicht mehr. Es ist und bleibt eine Wiese.“ Die Inbetriebnahme des Natur- und Waldfriedhofs verschiebt sich laut Jaschke ins Jahr 2022. Gerald Lippert

 

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