Bund Naturschutz Hof „Kommunale Ignoranz beim Thema E-Mobilität“

  Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Der BN-Kreisverband kritisiert mangelndes Interesse im Landkreis Hof für den Ausbau von Ladestationen. Dabei liege ein Konzept vor – Kosten 75 000 Euro.

Hof - Der Landkreis Hof schneidet bei der Infrastrukturentwicklung für Elektromobilität im Vergleich mit dem Landkreis Wunsiedel nach Ansicht des Bundes Naturschutz schlecht ab. In Deutschland finde derzeit – glaube man der Werbung der Automobilindustrie – derzeit ein massiver Umstieg in Richtung E-Auto statt, meint Ulrich Scharfenberg, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Hof, in einer Mitteilung. Die Werbung für Elektro- und Hybridfahrzeuge scheine aufzugehen, denn auch im Landkreis Hof wurden im vergangenen Jahr 1158 Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge zugelassen. Davon 280 reine Elektrofahrzeuge, 840 Fahrzeuge mit Hybridantrieb und 38 andere E-Fahrzeuge, zum Beispiel Transporter. Ende 2019 waren insgesamt nur 510 Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge zugelassen. „Damit sind im Landkreis Hof die Zulassungszahlen um über 200 Prozent stark gestiegen.“ Im Landkreis Wunsiedel sind aktuell 236 reine Elektrofahrzeuge und 686 Fahrzeuge mit Hybridantrieb zugelassen.

Vergleich mit dem Landkreis Wunsiedel

Für die BN-Kreisgruppe Hof Anlass, die Entwicklung der Ladeinfrastruktur zu vergleichen. Im Landkreis Wunsiedel gibt es aktuell 60 Ladepunkte und fünf Schnellladestationen, davon eine an der Autobahn. Im Landkreis Hof gibt es 19 Ladepunkte und zwölf Schnellladestationen, davon acht an der Autobahn. „Dieser Vergleich zeigt das mangelnde Interesse an der Umsetzung der Mobilitätswende im Landkreis Hof, zumal der Landkreis von Juni 2017 bis Oktober 2018 extra ein Elektromobilitätskonzept für 75 000 Euro erstellen hat lassen“, kritisiert Scharfenberg. Im Oktober 2018 habe es bereits 16 Ladepunkte und sieben Schnellladestationen gegeben: Berücksichtigt man, dass eine handelsübliche Ladestation zwei Ladepunkte hat, so sei zu erkennen, dass es in den letzten zwei Jahren lediglich einen Zuwachs von drei Ladepunkten, also nicht mal zwei Ladestationen und fünf Schnellladestationen im Landkreis Hof gegeben hat. „Und dies trotz Klimaschutmanagement und Elektromobilitätskonzept.“ In die Berechnung sind die von Tesla installierten Supercharger in Münchberg nicht eingerechnet, da diese nicht öffentlich für alle Elektrofahrzeuge zugänglich sind.

Die Entwicklung, meint Scharfenberg, sei ein Ausdruck für die „kommunale Ignoranz beim Thema Klimaschutz und Mobilitätswende“. Das Konzept dürfe nicht nur eine Alibifunktion erfüllen. „Es wurden zwar elf Elektrofahrzeuge für die Landkreiskommunen angeschafft, dies ist aber nur ein umgesetzter Punkt von vorgeschlagenen 28 Punkten aus dem Elektromobilitätskonzept.“ Der BN fordere daher die Umsetzung weiterer Schritte aus dem Konzept wie die Einführung eines runden Tisches Elektromobilität oder den Ausbau der öffentlichen Ladestruktur mit erneuerbaren Energien.

Im Landkreis Hof gibt es laut Berechnung des Bundes Naturschutz momentan pro Kommune 1,1 Ladepunkte (im Landkreis Wunsiedel: 3,8). Ein Ladepunkt kommt auf 3064 Einwohner im Landkreis Hof (im Landkreis Wunsiedel: 1116).

 
 

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