Burgsommer Thierstein Reizüberflutung für Ohren und Augen

Der Burgsommer erlaubt sich einen Ausflug ins Psychedelische. Kosmodrom grooven sich durch ihr Set. Auch Moon Woman aus Österreich kommen sehr gut an.

Thierstein - Dieser Abend auf dem Sportgelände in Thierstein war außergewöhnlich. Im Rahmen des Burgsommers traten mit Moon Woman aus Österreich und Kosmodrom zwei Bands auf, deren Sound nicht allzu oft hier zu hören ist. Schade, denn ihre musikalische Performance ist toll. Als Instrumentalisten haben sich hier Musiker getroffen, die ihr Handwerk beherrschen.

Grob gesagt, gehören sie mit ihren Werken zum Psychedelic Rock. Eine Stilrichtung, die viele erst einmal abschreckt. Bei den rund 100 Besuchern des Konzertes ist das natürlich überwiegend anders. Die kamen, um genau diese Erfahrung zu machen. Sie wollten sich zu den Schlagzeugrhythmen und Gitarrenmelodien, den Bassläufen und den ausgeklügelten Arrangements eingrooven und in eine Art Rausch versetzen lassen. Das war ja auch der ursprüngliche Ansatz des Psychedelic Rock. Bands wie die Beatles und die Rolling Stones haben in diese Richtung experimentiert.

Berauschende Wirkung

Bei der Entwicklung des Stils wurde immer wieder mit LSD und Marihuana geliebäugelt. Dabei hat die Musik ihre ganz eigene berauschende Wirkung. Treibende Gitarrenriffs, immer wieder Passagen, in denen das monotone Wiederholen die Stimmung trägt. Irgendwann erliegt der Zuhörer diesen Tönen. Um diesen Effekt zu erreichen, müssen die Musiker hervorragende Individualisten sein und einen gemeinsamen Groove entwickelt haben. Dies ist sowohl bei Moon Woman aus Innsbruck mit Daniel Rieser (b/v), Florian Ortner (g), sowie Rene Nussbaumer (dr) und Markus Fanninger (k) der Fall als auch bei Kosmodrom mit Matthias Fischer (g), Timo Schraml (g), Stefan Hechtfischer (b), Felix Gärtner (dr). Die Österreicher haben mehr Melancholie, eine gewisse Düsternis in ihrer Musik. Besonders beim letzten Stück vor der Zugabe zeigen die Jungs, die All Them Witches, The Doors und die Fleetwood Mac-Ära zur Zeit von Peter Green als Einflüsse angeben, was mit ihren Instrumenten alles möglich ist. Der verdiente Applaus ist ihnen sicher.

Visuelle Ansprache

Nach der Umbaupause ist dann die Zeit von Kosmodrom. Zu den Konzerten der Band – sie kommt aus der Region – gehört als fester Bestandteil eine Videoinstallation. Die erzählt keine zusammenhängende Geschichte, ist aber eine gelungene Aneinanderreihung von beeindruckenden Szenen in wechselnden farblichen Umgebungen: eine Reizüberflutung für fast alle Sinne. Der Zuhörer beziehungsweise Zuschauer hat neben den Musikstücken auch die visuelle Ansprache. Felix Gärtner am Schlagzeug ist vom ersten Moment an sehr beschäftigt. Er schafft das rhythmische Bett der Musik und wechselt zwischen langsamen Passagen der reinen Untermalung und mitreißenden Soli, die einem sofort in die Knochen fahren. Der Höchstädter Stefan Hechtfischer am Bass ist teils unauffällig, aber stets präsent, um im nächsten Moment die entscheidenden Akzente zu setzen. Die beiden Gitarren von Matthias Fischer und Timo Schraml interagieren grandios und erzeugen einen Sound, der einen packt und in den Kopf kriecht. Und der lässt einen nicht mehr los. Die einen tanzen und die anderen sehen in den Sternenhimmel mit den Perseiden. Doch keiner bleibt unberührt. Die Atmosphäre ist entspannt. Es zeigt sich wieder einmal, dass es die Veranstalter der Region hervorragend verstehen, dem Publikum eine große Bandbreite anzubieten und zu erschließen.

 

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