Marktredwitzer Modehaus Söder verspricht Chefin: Kein Handels-Lockdown mehr

Was hilft, wenn das „Herbst-Delta droht“? Um weitere Katastrophen und Kollateralschäden zu verhindern, verlangt die Unternehmerin Caroline Frey, das Virus künftig im medizinischen Bereich „und sonst möglichst nirgends“ zu bekämpfen. Foto: /pr, Grafik: Frankenpost

Bisher schaden die Corona-Maßnahmen ­ ­ mehr als sie nützen, findet Caroline Frey. Die Inhaberin der Frey-Gruppe mit 600 Beschäftigten – 120 davon in Marktredwitz – wehrt sich ­ vehement gegen eine Beschrän­­kung­ der Grundrechte. Nach ihrer Kampagne „Ostbayern sieht schwarz“, ihrer Klage vor dem Bundes­verfassungs­gericht sowie Gesprächen mit Markus Söder und Hubert­ Aiwanger fordert die Juristin­ jetzt in einem Strategie-Papier, andere Wege im Kampf gegen das Virus zu beschreiten.

Maktredwitz - Wie eine Löwin kämpft die Unternehmerin Caroline Frey in der Pandemie für ihre Mode- und Einrichtungshäuser. Die Inhaberin der Frey-Gruppe mit 600 Beschäftigten, 120 davon in Marktredwitz, kritisierte unermüdlich die monatelange Schließung ihrer Ge­schäfte in Marktredwitz, Cham, Weiden, Schwan­dorf und Bad Kötzting. Außerdem wendet sich die Juristin, die ihr Familienunternehmen in der siebten Generation führt, in medienwirksamen Initiativen gegen die unfaire Behandlung verschiedener Branchen. Ihr Protest gipfelte im April in einer Verfassungsklage in Karlsruhe. Auch die Staatsregierung wurde regelmäßig mit Brandbriefen bombardiert.

Zusage für Einzelhändler existenziell

Nun hat die Geschäftsfrau dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder eine Zusage abgetrotzt, die für viele Einzelhändler existenziell sein dürfte: „Es gibt im Herbst keinen Lockdown mehr für den Handel“, versprach der Landesvater der Firmenchefin während eines Video-Calls in Juni.

„Ich bin sehr stolz darauf, dass sich Markus Söder persönlich Zeit für uns genommen hat“, freut sich Frey. An der Besprechung beteiligten sich auch der Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler aus Straubing sowie Johannes Huber vom Waldkirchener Modehaus Garhammer und Josef Kagerbauer von der Bodenmaiser Glasfirma Joska. Mit dem Ziel, auf die bedrohliche Lage ihrer Branchen in der Grenzregion hinzuweisen, hatten die drei renommierten Unternehmer im Winter die Riesen-Kampagne „Ostbayern sieht Schwarz“ initiiert. Tausende Geschäftsleute, Mitarbeiter und Kunden unterstützten ihre Forderungen nach Öffnungs­perspektiven und Handlungsmöglich­keiten mit Unterschriften und Likes.

„Schulen, Läden, Wirtshäuser, Fitnessstudios und Kultur dürfen nie wieder schließen“

Inzwischen sind zwar alle Geschäfte – mit Auflagen – wieder geöffnet, doch Caroline Frey beobachtet den Anstieg der Corona-Zahlen mit großer Sorge. Ihr Ziel: „Jetzt müssen andere Wege beschritten werden.“ Denn wie immer die Krise bisher bewältigt worden sei, schadete das mehr als es half.

Aus diesem Grund hat die Juristin jetzt ein sechsseitiges Strategie-Papier mit dem Titel das „Herbst-Delta droht“ verfasst. Die Analyse der Frey-Inhaberin be­schränkt sich nicht auf Forderungen für die eigenen Branche, sie macht klar: „Je länger die Grundrechtseinschränkungen dauern, desto strengere Maßstäbe muss man anlegen. Schulen, Läden, Wirts­häuser, Fitnessstudios und Kultur dürfen nie wieder schließen, denn wir brauchen sie – auch und gerade, wenn die Inzidenzen im Herbst wieder steigen sollten.“

An Corona anpassen

Die Bekämpfung einer Krankheit gehöre in den medizinischen Bereich und sonst möglichst nirgend hin. „Sie über sehr lange Zeiträume in andere Gesellschafts­bereiche zu tragen, löst nur weitere Katas­trophen und Kollateralschäden aus.“ Da sich die Faktenlage geändert habe und viele Mutationen bewiesen, dass Corona noch lange bleiben werde, fordert Frey unter anderem folgende Anpassungen:

1. Hygienemaßnahmen müsse jeder weiter ernst nehmen, weil sie sich als wirkungsvoll erwiesen. Bester Beweis seien die Supermärkte, die ohne nennenswerte Ansteckungen geöffnet blieben.

2. Tests und Impfungen hält Frey für ineffektiv, weil sie die Pandemie nicht beendeten: Tests trieben trotz mehrheitlich gesunder Menschen die Inzidenzen hoch. „Impfungen helfen wo­mög­lich nicht gegen Mutationen und Ansteckung: Wo soll dann der Sinn sein?“

3. Erlaube man einem Virus, in Lockdowns Macht über alle Lebensbereiche zu gewinnen, bleibe zwar der Nutzen zweifelhaft, „aber es gibt einen immensen sozialen, psychologischen, physischen und wirtschaftlichen Schaden. Staaten ohne Lockdown kamen nicht schlechter durch die Krise, die Fallzahlen sind überall ähnlich.“ Ein schlech­teres Gesundheitssystem, die Überalterung einer Gesellschaft und der mangelnden Schutz von Risikogruppen bedingten die Unterschiede; Vergleiche­ ließen sich kaum anstellen.

4. „Ein freiheitlicher Rechtsstaat darf kein Erziehungscamp sein, Bevormundung nicht bis ins Körperliche hineingehen. Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften sind res­pekt­­los.“ Reisende ohne die Möglichkeit, sich freitesten zu lassen, in Quarantäne zu stecken, klingt für die Unternehmerin nach politischen Machtspielchen.

„Nicht richtig beruhigt“

Trotz des Versprechens des Ministerpräsidenten fühlt sich Caroline Frey „nicht richtig beruhigt“. Denn Söder „hält die Delta-Variante für sehr gefährlich. Ich nicht – er schon.“ Außerdem bereue er, im Oktober nicht schon alles zugesperrt zu haben, was bei der Einzelhändlerin auf wenig Verständnis stößt. Man könne in vieles, was Söder ihr sagte, „alles reininterpretieren“, bilanziert die Frey-Chefin.

Aiwanger auf ihrer Wellenlänge

Ganz auf einer Wellenlänge sei sie hingegen mit Hubert Aiwanger gewesen. „Er ist genauso freiheitlich drauf wie ich – und witzig. Aber er kommt halt einfach nicht aus“, bedauert die Unternehmerin nach einer persönlichen Unterredung mit dem bayerischen Wirtschaftsminister, der sehr viel Verständnis für ihre Modehäuser zeigte. „Er ist auf unserer Seite. Schön, dass wir uns treffen konnten.“

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