Chronik zum Jubiläum Hohenberger Geschichten aus 800 Jahren

Pünktlich zum Jubiläum bringt die Stadt Hohenberg eine Chronik auf den Markt. Das Leben rund um die Burg beleuchten die Archivare und Autoren aus vielen Perspektiven.

Ein Wunsch blieb dem Hohenberger Bürgermeister Jürgen Hoffmann nach dem rund eineinhalbstündigen Vortrag der beiden Archivare Siegfried Röder und Horst Sommerer: „Hoffentlich haben Sie sich nicht alles gemerkt!“ Röder und Sommerer hatten am Mittwochabend im vollbesetzten Vortragsraum des Milchhofs die druckfrische Chronik „800 Jahre Hohenberger Geschichte“ vorgestellt. Sie sind dabei so sehr ins Detail gegangen, dass der Bürgermeister kurzfristig Angst hatte, niemand würde mehr das Buch erwerben wollen. Er sollte sich täuschen.

Belichtete Glasplatten

Das 210 Seiten starke Werk beginnt mit der ersten urkundlichen Erwähnung Hohenbergs 1222 und reiht Geschichte und Geschichten bis zur Ausgangssperre im März 2020 aufgrund der Corona-Pandemie aneinander. Einzelne Kapitel widmen sich Kirche, Kultur, Vereinen und dem Gewerbe. „Das Buch soll viele Bereiche abbilden und ein Nachschlagewerk sein“, sagte Archivar Horst Sommerer. Viele Gastautoren steuerten ihr Wissen bei. Wilhelm Siemen, der langjährige Direktor des Porzellanikons, setzte sich mit der Historie der Porzellanindustrie auseinander. Bürgermeister Jürgen Hoffmann ließ die Geschichte des Yamakawa-Seniorenhauses Revue passieren. Zudem ist die Chronik reich bebildert, unter anderem mit „Aufnahmen, die vor weit mehr als 100 Jahren entstanden sind“, wie Sommerer sagte. Zu verdanken ist der Schatz dem Porzellanmodelleur Balduin Haag. Der war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einer selbstgebauten Kamera in Hohenberg unterwegs und belichtete zahlreiche Glasplatten – Auch von der Burg, mit der die Geschichte der Stadt ihren Anfang nimmt.

Denn es ist der nach seiner Hauptburg benannte egerländische Ministeriale Bertholdus de Honberch, der anno 1222 in einer Verkaufsurkunde für das Kloster Waldsassen erscheint. Es ist die erste Erwähnung Hohenbergs. Die Burg selbst ist älter, wurde zwischen 1170 und eben 1222 erbaut, in einer Zeit, in der Friedrich Barbarossa oder dessen Sohn Heinrich VI. als Kaiser über das Heilige Römische Reich regierte. Ob die Burg auf den Resten eines noch wesentlich älteren Gebäudes errichtet wurde, lässt sich nicht beweisen. „Es ist aber anzunehmen“, erklärte Siegfried Röder und verwies auf ein Fundstück, eine Goldbrosche, aus dem frühen zehnten Jahrhundert.

Freistatt gewährt Schutz

Ende des 13. Jahrhunderts kommen die Burggrafen von Nürnberg ins Spiel, Ende des 14. Jahrhunderts die Sechs Ämter, deren Amtmänner alle ebenso namentlich bekannt sind wie die Hohenberger Bürgermeister seit 1549. In einer Grenzkarte des Jahres 1550 erscheint eine erste Zeichnung der Burg. Bis 1799 war Hohenberg eine kaiserliche Asylstätte, Freistatt genannt. Markiert durch vier Säulen, gewährte sie jedem Verfolgten Schutz, bis ein ordentlicher Rechtsspruch gefallen war.

Waren es vor Jahrhunderten Feindseligkeiten zwischen böhmischen und fränkischen Adeligen, der Landshuter Erbfolgekrieg und die Hussiten, die ihre Spuren in Hohenberg hinterließen, so hatte sich in jüngerer Vergangenheit das Ende des Zweiten Weltkriegs ins städtische Gedächtnis gebrannt. „Ein völlig sinnloser Verteidigungsbefehl der Wehrmacht“, wie es Röder nannte, führte zu immensen Zerstörungen infolge des amerikanischen Beschusses.

Besatzer und Freunde

Die Amerikaner blieben den Hohenbergern für eine längere Zeit erhalten. Zuerst als Besatzer, dann als Gäste und später als Freunde oder mehr. Immerhin seien aus Liebschaften auch Ehen hervorgegangen, wie Archivar Röder sagte. Auch den GIs erwies die Burg treue Dienste. Sie waren dort untergebracht und nutzten das Gemäuer zur Beobachtung der nahen Grenze zur damaligen Tschechoslowakei. „Hier waren nicht nur zwei Länder getrennt, sondern die Interessenssphären zweier Weltmächte“, sagte Siegfried Röder. Grenznahe Dörfer im Osten wurden dem Erdboden gleichgemacht, zahlreiche Grenzschützer starben auf tschechischer Seite – weil sie beim Fluchtversuch erschossen wurden oder versehentlich auf Minen traten. Auch ein deutscher Zollassistent ließ sein Leben. Tschechische Grenzer trafen ihn, als sie im Juli 1951 einem ihrer Agenten Feuerschutz gaben. Es war die heiße Phase des Kalten Kriegs.

Doch mit der Wende 1989 befand sich Hohenberg plötzlich nicht mehr am Ende der Welt, sondern mittendrin. Knatternde Trabbis, unendlich lange Schlangen vor der Begrüßungsgeldausgabe der Rathäuser – viele Hohenberger haben die Bilder der Grenzöffnung noch im Kopf. Und wer sein Gedächtnis auffrischen oder die Zeit nacherleben möchte, der kann das nun mit der Hohenberger Chronik tun.

Chronik, Münzen und Feier
Das Buch „800 Jahre Hohenberger Geschichte“ von Siegfried Röder, Horst Sommerer und Gastautoren ist zum Preis von zehn Euro bei der Verwaltungsgemeinschaft Schirnding erhältlich. Dort gibt es außerdem zwei Sonderprägungen: eine auf 800 Stück limitierte Silbermünze und 80 Goldprägungen in Erinnerung an das 800. Jubiläum Hohenberg.
Das Jubiläum selbst wird vom 22. bis zum 24. Juli, also eine Woche nach dem Wiesenfest, gefeiert. Geplant sind unter anderem ein Jubiläumsabend, Musik, ein historischer Markt auf dem Burgplatz und ein Porzellanmarkt im Porzellanikon. Außerdem öffnet das Staatliche Bauamt die Türen zur Burg, die derzeit saniert wird. Jubiläumsartikel sind unter www.lokalpatrioten.store zu finden.

„Dieses Buch zu erstellen, war eine Mammutaufgabe, die den Archivaren und Gastautoren in einer unglaublich kurzen Zeit gelungen ist“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Wertvolle Hilfe leisteten Sabine und Andreas Thaler, die Lektorat und Satz übernahmen. „Schnell war uns klar, dass die Fertigung von 300 Exemplaren nicht ganz billig ist“, sagte Hoffmann. Doch dank der Unterstützung zahlreicher Spender, unter anderem die Firma Feiler, konnte das Werk in Druck gehen. Dank zollte der Bürgermeister Martin Keltsch von KB Medien, der für den Druck verantwortlich zeichnete.

Entweder hatten sich die Besucher wirklich nicht alles gemerkt oder den Archivaren Horst Sommerer und Siegfried Röder war es gelungen, das Interesse für die Geschichte der Stadt zu wecken. Die ersten Exemplare der Hohenberger Chronik fanden jedenfalls am Mittwochabend reißenden Absatz.

Autor

 

Bilder