Corona-Impfung für Kinder Was sich Israel von der Impfung von Kindern verspricht

Mareike Enghusen
In den USA ist die Impfung für Kinder ab fünf Jahren schon seit ein paar Wochen zugelassen. Foto: dpa/Paul Vernon

Das Land verzeichnet relativ wenige Neuinfektionen. Experten schreiben dies der Booster-Impfung zu, die es bereits seit August gibt.

Tel Aviv - Als zweites Land der Welt hat Israel die Corona-Impfung für Kinder ab fünf Jahren eingeführt. In den USA wurde diese schon vor ein paar Wochen freigegeben. Im Vorfeld hatte Israels Ministerpräsident Naftali Bennett geworben: „Mein Sohn David wird einer der Ersten sein, die geimpft werden“, verkündete er Anfang der Woche, „und ich erwarte das Gleiche von allen israelischen Eltern und gewiss von denjenigen Kabinettsministern, die Kinder oder Enkel im relevanten Alter haben.“

Ein Drittel der Impfdosis

Ebenso wie in den USA sollen die Kinder in Israel ein Drittel jener Impfdosis erhalten, die für Erwachsene vorgesehen ist. Seit einigen Wochen verzeichnet Israel relativ wenige Neuinfektionen: Ein paar Hundert waren es zuletzt pro Tag. Im September noch hatten die täglichen Infektionsraten einen neuen Rekord von über 11 000 erreicht. Experten schreiben die rasche Entspannung der Lage in erster Linie der Booster-Impfung zu, die Israel schon im August eingeführt hatte. Zugleich warnen manche von ihnen, dass die Infektionsraten bald wieder steigen könnten. Der R-Wert, der angibt, wie viele Menschen ein Coronakranker durchschnittlich ansteckt, steigt in Israel wieder, zuletzt auf 1,04 – ein Hinweis darauf, dass sich das Virus wieder auszubreiten beginnt. Daten des israelischen Gesundheitsministeriums zeigen zudem, dass die Infektionsraten unter Minderjährigen höher sind als in jeder anderen Altersgruppe. „Wir scheinen kurz vor einer Krankheitswelle zu stehen, die Kinder betrifft“, warnte Ministerpräsident Bennett.

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Viele Eltern sind zögerlich

Dennoch scheint der Ansturm auf die Impfzentren bei dieser jüngsten Impfkampagne geringer zu sein als bei vorangegangenen. Medienberichten zufolge hatten am Dienstagmorgen erst 2,3 Prozent aller Eltern ihre Kinder für die Impfung angemeldet. „Ich höre, dass es gemischte Gefühle gibt“, sagte Amnon Lahad, Leiter der Abteilung für Familienmedizin der Hebräischen Universität in Jerusalem. „Viele zögern und warten ab, was passiert, und wollen, dass andere zuerst geimpft werden.“ Er selbst äußerte Verständnis für diese Eltern: Sofern das Kind im Falle einer Corona-Infektion nicht unter einem besonderen Risiko leide, sehe er keinen Grund, sich mit der Impfung „zu beeilen“. Andere Experten warnen jedoch vor den möglichen Folgeschäden einer Covid-19-Erkrankung und empfehlen deshalb die Impfung auch für die Jüngeren.

 

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