Boom als Dauerzustand Cube kommt mit der Nachfrage kaum nach

Gravelbikes, also robuste, geländegängige Rennräder, boomen seit einigen Jahren – auch bei Cube. Foto: www.larsscharlphoto.com/Lars Scharl

Fahrräder verkaufen sich wie geschnitten Brot. Das freut zwar die Hersteller, führt aber bei vielen Kunden zu Frust und Ärger, wenn das Traumbike nicht mehr verfügbar ist. Wir haben bei Cube in Waldershof nachgefragt.

Waldershof/Marktredwitz - Eigentlich ist der Mangelstaat DDR lange Geschichte. Manch einer fühlt sich allerdings derzeit ein wenig an die „Zone“ erinnert, wenn er zum Beispiel ein neues Edelbike kaufen will. „Vergriffen.“ „Gibt es nicht mehr.“ „Nächstes Jahr vielleicht.“ Das sind die gängigen Antworten der Händler landauf, landab. Marko Haas, Marketingleiter von Cube, und seine Kollegin Marie Korzen, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, beantworten der Frankenpost die wichtigsten Fragen zum Fahrradmarkt aus Sicht des Waldershofer Fahrradherstellers und Marktführers in Deutschland.

Eine Fachzeitschrift berichtet über mehrere Seiten von einem 4000 Euro teuren Edel-Gravelbike von Cube. Super, denkt sich der Kunde und will es bestellen. Doch es ist in ganz Deutschland nicht verfügbar. Warum?

Marko Haas: Ganz ehrlich, die Nachfrage ist einfach so riesig, dass wir sie leider gar nicht ganz bedienen konnten. Sie sprechen ein Gravel-Bike an (Anmerkung: Ein robustes Rennrad, mit dem sich auch leichte Trails oder Feldwege befahren lassen). Diese Sparte boomt seit zwei, drei Jahren extrem. Vergangenes Jahr hatten Gravelbikes wirklich eine Sonderstellung. Teilweise waren mehr als 50 Prozent der Räder bereits verkauft, bevor sie überhaupt beim Händler waren.

Das mag für die Händler gut sein, für die Kunden aber weniger.

Marie Korzen: Genau deshalb gibt es eine dritte Montagelinie in Waldershof. Auch das geplante große Lager ist ein Teil der Strategie, wie sich die Nachfrage künftig besser bedienen lässt.

Apropos Lager. Viele Menschen befürchten, dass der Boom eines Tages vorbei sein könnte und das Gebäude nicht mehr benötigt wird.

Marko Haas: Das glaube ich nicht. Wir verzeichnen in allen Sparten ein großes Wachstum. Der Boom hält seit Jahren an, da ist noch kein Ende in Sicht.

2020 standen in den Haushalten in Deutschland 79,1 Millionen Fahrräder. Das heißt, dass fast jeder Deutsche ein Fahrrad hat.

Marie Korzen: Der Markt ist dennoch nicht gesättigt. Vielleicht geht ja der Trend wirklich zum Zweitrad. Ich habe diesen Eindruck. Auch dank der E-Bikes kommen viele Menschen überhaupt wieder zum Fahrradfahren. Kürzlich hat mir ein Kunde geschrieben, dass er 27 Cube-Räder daheim stehen hat ...

Marko Haas: Fahrräder spielen in urbanen Zentren eine immer wichtigere Rolle bei der Mobilität. Sie sind ein Verkehrsmittel wie alle anderen auch. Etliche Kommunen investieren in die Rad-Infrastruktur – auch der Landkreis Wunsiedel. Das steigende Umweltbewusstsein spielt zusätzlich eine Rolle.

E-Bikes und Gravel-Bikes liegen im Trend. Welche Sparten stagnieren oder sind sogar rückläufig?

Marko Haas: Eigentlich stagniert keine Branche. Es wäre zum Beispiel zu erwarten gewesen, dass Trekking- oder eben herkömmliche Fahrräder nicht mehr so häufig verkauft werden. Das ist aber nicht der Fall. Trotz des E-Bike-Booms sind auch „normale“ Mountainbikes nach wie vor gefragt.

In der Region scheint dies weniger der Fall zu sein ...

Marko Haas: In der Tat begegnet man bei einer Fahrt zur Kösseine gefühlt 80 Prozent E-Bikern. Es wäre interessant, hierzu im Fichtelgebirge eine Untersuchung zu starten. In Österreich liegt der Verkauf von E-Bikes tatsächlich bei über 50 Prozent. Ansonsten „führen“ nach wie vor die Räder ohne Motorantrieb mit 60:40 im Vergleich zu den E-Bikes.

Als Verbraucher hat man ein wenig den Eindruck, der Fahrradmarkt nimmt eine ähnliche Entwicklung wie der der Smartphones: Jeder Jahr gibt es einige Neuerungen, mit denen die Kunden zum Kauf angereizt werden sollen.

Marie Korzen: Die Technik entwickelt sich natürlich auch bei den Fahrrädern immer weiter. Der Anteil der Radmodelle, die wir zwei Jahre lang eins zu eins produzieren, ist verschwindend. Das ist lediglich bei einigen Nischen-Rädern, etwa im Downhill- oder Triathlonbereich der Fall. Ansonsten ändert sich natürlich jedes Jahr das Design. Aber ein Fahrrad ist eben Technik pur, egal, ob es um die Carbon-Entwicklung, die Verlegung der Kabel oder aber die Motorisierung geht.

Marko Haas: Wir wissen natürlich auch frühzeitig, welche Motoren Bosch entwickelt und wann sie auf den Markt kommen. Daran passen wir dann den Rahmen und die gesamte Plattform an.

Welche neuen Motoren wird es kommendes Jahr geben? Und wächst die Akku-Kapazität weiter?

Marko Haas: Dazu kann ich noch nichts sagen. Im September wissen wir mehr ...

Nun noch einige Entweder-Oder-Fragen: Alu, Carbon oder Stahl?

Marko Haas: Stahl-Rahmen haben wir von Cube nicht mehr im Programm. Ich persönlich als eher sportlicher Vielfahrer bevorzuge Carbon. Der Werkstoff bietet bei geringem Gewicht eine klasse Steifigkeit im Rahmen, kann aber zugleich bei den Sitzstreben flexen und so Stöße federn.

Felgen- oder Scheiben-Bremse?

Marko Haas: Ganz klar Scheibenbremse. Sogar im eigentlich konservativen Rennrad-Bereich haben sich Scheibenbremsen durchgesetzt, da sie bei nassen Straßenverhältnissen einfach sicherer sind. Bei Kinderrädern und einigen Triathlonrädern gibt es aber nach wie vor Felgenbremsen – bei ersteren sind rein bautechnisch Scheibenbremsen gar nicht möglich.

Tubeless- oder Schlauchreifen?

Marie Korzen: Immer Tubeless! Sie sind für Leute wie mich, die ich nicht permanent bei einem Platten den Schlauch wechseln will, klasse, da sie viel pannensicherer sind. Die Dichtmilch im Reifen dichtet sofort kleinere Durchstiche ab, wenn etwa Dornen auf der Strecke liegen.

Marko Haas: Sogar im Rennrad-Bereich rüsten immer mehr Fahrer auf Tubeless um. Man kann die Reifen mit einem geringeren Luftdruck fahren, das ist einfach angenehmer. Für den Fall der Fälle würde ich dennoch immer einen Schlauch mitführen.

E-Mountainbike oder herkömmliches Mountainbike?

Marie Korzen: Natürlich ein E-Bike, da macht das Radeln in unserer hügeligen Region einfach mehr Spaß.

Marko Haas: Naja, ich selbst habe noch kein E-Bike und werde mir auch so schnell keines kaufen. Allerdings bin ich häufiger schon E-Bike gefahren. Klar, das macht natürlich richtig Spaß.

1000- oder 4000-Euro-Rad?

Marko Haas: Das kommt darauf an. Wenn ich nur zur Arbeit von Waldershof nach Marktredwitz pendle, genügt auch ein 600 Euro-Rad. Wenn ich aber gerne fahre und viel Spaß haben will, ist vielleicht das 4000 Euro-Bike sinnvoller. Marie Korzen: Ich fahre ein 1000-Euro-Rad und bin zufrieden. Heute würde ich aber vielleicht doch etwas mehr Geld investieren.

                                                                          Die Fragen stellte

                                                                         Matthias Bäumler

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