Mehr Angststörungen
Insgesamt sei der Bedarf an Behandlung immens gestiegen, die Praxen überfüllt, die Wartezeiten teils jahrelang. "Wir sehen eine deutliche Zunahme von Angststörungen, Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen", sagt die Ärztin. Die Gründe seien komplex, ein großer Anteil könne jedoch mit Corona und der Flut in Zusammenhang gebracht werden. "Viele Kinder und Jugendliche haben Verlustängste entwickelt, aber auch Ängste in der Dunkelheit oder bei Starkregen", berichtet Fredrich. Auch Angst vor dem Schwimmen sei nicht selten.
Ein großes Problem für Kinder und Jugendliche sieht die Expertin auch in der hohen Belastung der Eltern, die teils immer noch mit dem Verlust finanzieller und existenzieller Sicherheit zu kämpfen haben. "Damit fallen die Eltern als Sicherheit für die Kinder weg", sagt Fredrich. Die Kinder wiederum passten sich daran an und würden eigene Gefühle eher unterdrücken.
Aus Fredrichs Sicht bräuchte es mehr Freizeitangebote, mehr schnelle und unkomplizierte Hilfe für den Wiederaufbau. "Ein gutes Beispiel ist die Eisbahn, die im Winter aufgebaut wurde und gut angenommen wurde", sagte sie. "Schwimmenlernen können die Kinder jedoch immer noch nur in einem sehr kleinen, veralteten Schwimmbad mit begrenztem Kursangebot."
Dass viele Familien bleiben oder zurückkehren, kann laut Fredrich trotz allem mit einer großen Heimatverbundenheit in der Region zusammenhängen. Und auch der 13-jährige Kiyan sagt nach allen Verlusten: "Ich bin eigentlich sehr dankbar, dass ich hier groß geworden bin und ich finde es hier eigentlich sehr schön."