Das bietet das Staatliche Museum für Porzellan in Selb und Hohenberg a.d. Eger Das Porzellanikon – Weißes Gold gestern, heute, morgen

Vielfalt! Sollte man das Porzellanikon in einem Wort beschreiben, dann wäre es: Vielfalt. Das Staatliche Museum für Porzellan in Selb und Hohenberg an der Eger ist ein Ort der Superlative. 

Das Museum liegt im Norden Bayerns, wo sich Einflüsse aus Thüringen, Sachsen und Böhmen zu klangvollen Namen verbinden: Rosenthal, Kahla, Bohemia oder Hutschenreuther – Apropos: Carl Magnus Hutschenreuther war es übrigens, der 1814 nach Hohenberg kam und später die erste private Porzellanmanufaktur Nordostbayerns gründete. Und genau dort, wo also die Wiege der hiesigen modernen Porzellanherstellung ist, wird die Geschichte des Weißen Goldes seit 1982 bewahrt, gelebt und fortgeschrieben.

Über 200.000 Teile umfasst der Bestand, Stücke vom 18. Jahrhundert bis ins neue Jahrtausend, Alltagsdinge und Kunstobjekte, Unikate und Massenware, royale Reichtümer und Highlights der High-Tech. Aus Porzellan gibt es naturgetreue Hirschkäfer und die Beatles, man findet originale Steindruckpressen und modernen Zahnersatz – bis zur Keramik für Smartphones gibt es unglaublich viel zu entdecken. „Da gibt es einfach alles“, ist ein vielgehörtes Resümee der Gäste. Und was es da nicht alles gibt!

Hohenberg an der Eger – Zeitreise durch die Geschichte in der historischen Villa

Die ehemalige Direktorenvilla des Familienunternehmens C.M. Hutschrenuther in Hohenberg an der Eger ist das Schatzkästchen des Porzellanikon, wo die herrlichsten Preziosen locken. Eingebettet in einen weiten Garten, der beim alljährlichen Sommerfest auch zur Bühne für heutige Porzellankünstler wird, erahnen Gäste hier etwas von dem Glanz, den das Leben früherer Fabrikanten umgab. Im Inneren dokumentieren Exponate auf drei Stockwerken die Geschichte des Europäischen Porzellans: Angefangen bei dem Krimi seiner Nacherfindung 1708 am Kursächsischen Hof durch den Forscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und den trickreichen Alchemisten Johann Friedrich Böttger über den Aufstieg des begehrten Materials zum absoluten Luxusgut des Hochadels von Meißen bis Paris und bis zu seinem Einzug in die bescheidensten Haushalte. 

Der barrierefreie Rundgang führt Besucherinnen und Besucher durch verschiedene Inszenierungen, in denen die Bedeutung des Porzellans in der jeweiligen Zeit erfahrbar wird; vom Beginn des 18. Jahrhunderts und durch zwei Weltkriege über die goldenen 50er-Jahre samt folgender politischer Wende von 1989 bis heute. Anschaulich verrät das älteste Stück, ein Koppchen mit Untertasse von 1713, wie schwierig die Herstellung des Porzellans war – und genauso anschaulich zeigt das Kunstwerk „Spirale“ von 2024, wie Menschen heute das Material meistern, das aus Mineralien gemischt durchs Feuer gehen muss, um zu seiner kühlen Schönheit zu gelangen. Über Medienstationen und Kataloge – auch in einfacher Sprache – und Informationen auf Deutsch, Tschechisch und Englisch erfahren Gäste Wissenswertes über Historie, Sortiment und Marken der über 200 Porzellanhersteller in Deutschland. Außergewöhnliches bietet das „Kabinett der Besonderheiten“: Eine Kaffeemaschine aus Porzellan ist hier ebenso zu finden wie Geschirr vom Grunde des Meeres oder ein leuchtender Mondglobus.

Selb – Technik und Lebenswelten in der authentischen Porzellanfabrik

1986 kam die einstige Rosenthal-Fabrik in Selb-Plößberg in den Besitz des Porzellanikon; erst 1969 war sie stillgelegt worden, und sie wurde guterhalten zum Glücksfall für das Museum. Mächtige Schlote, ein verschachteltes Labyrinth aus Werkhallen und Lagerplätzen und bis heute begehbare Rundöfen bilden den Originalschauplatz, an dem Besucherinnen und Besucher authentisch nacherleben, wie man früher produziert hat. In sieben Bereichen begleiten Gäste den Entstehungsprozess, durchschreiten Massemühle und Dampfmaschinenraum, sehen Strangpressen und Brennöfen: Vom weißen Scherben bis zur fertig verzierten Ware reicht das Spektrum. Auf rund 8000 m² wird die Porzellanherstellung in den historischen Fabrikationsräumen tatsächlich lebendig; Informationen bieten nämlich nicht nur ein Ensemble von Maschinen und Videofilmen, sondern auch ehemalige Mitarbeitende der Porzellanfabriken: Sie zeigen in Vorführungen zum Beispiel, wie man eine Zuckerdose gießt oder ein Henkel früher an die Tasse kam. Wer mag, kann selbst Hand anlegen. Dazu laden übrigens im ganzen Haus die „Hands on“-Stationen ein: Für Kinder ist das Porzellanikon ein Ort zum Entdecken und Begreifen – im Wortsinn. Die Museumspädagogik bietet ein umfassendes Programm zum selbst Erkunden mit der Familie, aber auch in Gruppen. 

Jung und frisch mit viel Action zum selbst Ausprobieren kommt auch der neueste Teil der Dauerausstellung daher: Seit Ende 2024 führt Comic-Heldin Lucy im Bereich „MISSION: KERAMIK“ durch die faszinierende Welt der Technischen Keramik. Die bestimmt den Alltag, ohne dass es viele wissen; dabei kommt sie in Tablets und Pfeffermühlen ebenso vor wie in der Industrie und der Medizintechnik – Stichwort Hüftgelenk. 

Breiten Raum nehmen im Porzellanikon die Menschen ein, die die Waren gefertigt haben. Der Bereich Sozialgeschichte beleuchtet die teils unmenschlichen Bedingungen, unter denen die Arbeiterinnen und Arbeiter am Beginn des 19. Jahrhunderts in ganz Europa schuften mussten, ob im Raum Selb, im französischen Limoges oder im englischen Stoke-on-Trent. Stück für Stück organisierten sie sich in Gewerkschaften und erkämpften Rechte wie den Acht-Stunden-Tag – oder einfach zu heiraten, ohne den Fabrikbesitzer um Erlaubnis zu bitten. Errungenschaften, die etwa der berühmte Fabrikant Philip Rosenthal später noch ausbaute. Ihm als letzten Familieninhaber der gleichnamigen Firma und der Geschichte seines Unternehmens ist ebenfalls ein Teil der Dauerausstellung gewidmet. Dort gibt es neben spannenden Einblicken in die Philosophie Rosenthals auch überraschende Ergebnisse der Kooperation mit Weltklasse-Künstlern zu bestaunen, die den „MYTHOS ROSENTHAL“ begründet haben.

Und sonst? - Das Besondere im Verborgenen

Schon der sichtbare Teil des Museums bietet Stücke mit oft unglaublichen Geschichten – da gibt es Exponate, die Strohmänner ankaufen mussten; andere sind erst durch einen Tauchgang wieder ans Licht gekommen, manche standen auf den Tafeln untergegangener Königreiche und wieder andere sind so rätselhaft, dass nicht einmal das erfahrene Kuratorenteam zu sagen vermag, um was es sich handelt. Da lockt die „Weiße Oase“ und funkeln „Glanzlichter“ auf schwarzem Porzellan, gibt es das Atelier des Künstlers Bjørn Wiinblad im Original zu besichtigen und Figuren von annähernd jedem Tier zu Land, Luft und Wasser. Und immer noch ruht so manches im Verborgenen. In Depot und Archiv warten unzählige Besonderheiten nur darauf, für eine Sonderschau hervorgeholt zu werden. Dildos und Lose aus Porzellan, Formenbücher des 19. Jahrhunderts, Weltausstellungskataloge und, und, und... Und dann gibt es auch noch einen Grund, warum Menschen sich hier das Jawort geben! Neugierig geworden? Oder suchen Sie etwas Bestimmtes? Sprechen Sie uns an. Kommen Sie vorbei im Porzellanikon. Denn wie eingangs versprochen: „Da gibt es einfach alles.“

Neue Sonderausstellungen 2026:

2026 wird es im Porzellanikon sehr aufregend – und das zum Stadtjubiläum! Sie ermitteln in einem Kriminalfall, bei dem es um wertvolles Porzellan geht und auch um die Frage – wie „kriminell“ geht es eigentlich in Selb zu? Sie erleben, wie aus einer anfänglichen Antipathie zur Stadt bedeutende Werke entstanden sind und in Hohenberg erfahren Sie, wie die Tisch- und Esskultur der Zukunft aussehen könnte. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

„Tatort Porzellan(ikon). Ein Selber Krimi“

21. März – 4. Oktober 2026 Porzellanikon Selb Willkommen zur dunklen Seite des weißen Goldes! Zum 600. Jubiläum der Stadt Selb, der Weltstadt des Porzellans, erwartet Sie überraschenderweise ein Blick in eine Schattenwelt hinter der glanzvollen und unschuldigen Fassade von Porzellan und Keramik. Hier geht es um Verbrechen, Spionage und Betrug mit dem weißen Gold! Im Porzellanikon hat sich außerdem eine rätselhafte Tragödie abgespielt, bei deren Aufdeckung die Öffentlichkeit um Unterstützung gebeten wird. Treffen Sie auf zahlreiche Verdächtige, werden Sie selbst zum Ermittler und erfahren Spannendes über spektakuläre Kriminal-Fälle rund um Porzellan und Keramik.

„FRITZ KLEE – EIN SELBER WIDER WILLEN?“

9. Mai – 15. November 2026 Porzellanikon Selb Erleben Sie zum 600. Stadtjubiläum der Stadt Selb eine Sonderausstellung zu Fritz Klee – einem der bedeutendsten Gestalter der Stadt der letzten 100 Jahre. Ursprünglich widerwillig aus München gekommen, blieb der Architekt, Grafiker und Kunstgewerbler Klee als Schulleiter ab 1908 für drei Jahrzehnte in Selb. Er hinterließ ikonische Bauwerke wie die Fachschule, den Bahnhof und das Rosenthal Casino sowie auch vielfältige Porzellanobjekte und kolorierte Zeichnungen. Entdecken Sie das Werk eines Mannes, der Selb ungewollt zu seiner Lebensaufgabe machte – und es für immer veränderte!

„Die neue Dramaturgie des Essens: Gestaltung jenseits des Tellers“ 

16. Mai 2026 – 10. Januar 2027 Porzellanikon Hohenberg an der Eger Wie könnte unsere Tisch- und Esskultur in Zukunft aussehen? Studierende der Fachrichtungen Design und Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein in Krefeld haben gemeinsam mit einem Sternekoch traditionelle Tischrituale neu und zukunftsorientiert gedacht. Entstanden sind Arbeiten, die Tisch und Nahrung zu einem dynamischen Zusammenspiel arrangieren und die das Essen als ein inklusives und gemeinschaftliches Erlebnis inszenieren. Erleben Sie Gestaltung, die über den Tellerrand hinausgeht!

Weitere Informationen

Porzellanikon Selb
Werner-Schürer-Platz 1
95100 Selb
Tel.: +49 9287 91800-0
selb@porzellanikon.org

Porzellanikon Hohenberg
Schirndinger Straße 48
95691 Hohenberg an der Eger
Tel.: +49 9233 7722-0
hohenberg@porzellanikon.org

Öffnungszeiten:

Dienstag – Sonntag 10:00 Uhr – 17:00 Uhr

Feiertage 10:00 Uhr – 17:00 Uhr

Montags geschlossen