Wasser zerstört Wohnung Mutter mit drei Kindern verliert Hab und Gut

Am Tag danach räumt Jessica Kratzer die Wohnung aus. Der finanzielle Schaden ist immens. Foto: /Thomas Neumann

Die Flut am Dienstagabend hat auch die Wohnung von Jessica Kratzer und ihrer drei Kinder in Hof überschwemmt. Die Feuerwehr konnte nicht kommen; Nachbarn halfen. Das Wasser hat fast alles zerstört.

Hof - Sie klingt gefasst, aber ihre Stimme zittert ab und zu, wenn Jessica Kratzer am Handy über die Ereignisse am Dienstag berichtet. Sie hat als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, sieben, 13 und 16 Jahre alt, im Leimitzbachweg in Hof gewohnt, in einer Mietwohnung im Keller – bis am Dienstagabend die Flut kam. Fünf Zimmer, Küche, Bad – alles ist jetzt unbewohnbar, die Familie hat einen ­großen Teil ihres Hab und Guts verloren.

Woher das Wasser genau kam, vermag Jessica Kratzer gar nicht zu sagen: „Es drang durch alle Wände“, erzählt sie am Mittwoch am Telefon, als sie gerade die Zimmer ausräumt. „Auch durch die Toilette kam es nach oben. Es stinkt fürchterlich. Hier kann niemand mehr wohnen.“

Die Sturzbäche strömten über Wiesen und Wege, Gullydeckel wurden hochgedrückt. Nachbarn halfen, noch Schlimmeres zu verhindern, indem sie Sperren aus Biertischgarnituren bauten, um wenigstens einen Teil der Fluten in den Leimitzbach umzuleiten. Von außen drückte das Wasser gegen die Wohnungsfenster, die nun völlig verdreckt sind, wie die gesamte Wohnung. „Kniehoch stand die Brühe in den Zimmern“, berichtet Jessica Kratzer. Alles, was nicht hoch genug war, ist nun kaputt: Betten, Sofa, Schränke, der Boden, Klamotten – vieles war für die Kinder gerade neu gekauft. Auch die Kellerabteile wurden überschwemmt. Bis dorthin ist Jessica Kratzer noch gar nicht vorgedrungen. „Ich mach jetzt erst mal das Wichtigste in der Wohnung, dann schau ich mir den Keller an ...“

Mehrmals rief sie am Abend der Flut bei der Feuerwehr an – „aber die hatten keine Zeit, die hatten so viele Einsätze“, erzählt Jessica Kratzer ohne jeden Groll. Nur einen Tipp erhielt sie von der Feuerwehr am Telefon: „Schöpft, schöpft, schöpft – aber bringt euch nicht in Gefahr!“ Und es wurde geschöpft. Über ihren Whatsapp-Status bat Jessica Kratzer um Hilfe, und die Helfer kamen. Etwa 30 Leute bildeten schließlich eine Eimerkette und schöpften im Schein von Taschenlampen bis spät in die Nacht. Jessica Kratzer wollte sie fotografieren, was ihr aber nicht gelang: „Ich war total durcheinander und wäre ein paarmal fast umgekippt.“

Um 1 Uhr nachts, nach sechs Stunden Schufterei, kam sie schließlich ins Bett. Mit einem Kind kam sie bei einer Nachbarin unter, die beiden anderen schliefen bei Freunden. Überhaupt bekommt die Familie viel Unterstützung, Nachbarn helfen ihr beim Ausräumen. Sie darf vorerst eine benachbarte Wohnung beziehen, bis sie etwas anderes findet – „mit drei Kindern braucht man halt was Größeres“.

Der finanzielle Schaden ist indes immens. Zwar hat die Familie eine Hausratsversicherung, doch die bezahlt, wie Jessica Kratzer nun bei einem Anruf erfahren hat, nur bei Rohrbrüchen. Hochwasserschäden deckt nur eine Elementarversicherung – und die hat Jessica Kratzer nicht.

Hilfe für Nachbarn

Wer Hochwasser-Geschädigte in der Region unterstützen will, kann auf das

Konto „Hilfe für Nachbarn“ spenden:

• Hilfe für Nachbarn e.V.

IBAN DE29 7805 0000 0220 0204 16

BIC BYLADEM1HOF

Sparkasse Hochfranken

Stichwort Hochwasser

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