Deal in Wunsiedel Stadt verkauft Autohaus an BMW Lell

Vom Audi- zum BMW-Autohaus: Die Firma Lell erwarb von der Stadt Wunsiedel das Areal in den Luisenburg-Straße. Hier ist aktuell noch die Talstation den Luisenburg-Festspiele untergebracht. Foto: /Florian Miedl

Unerwarteter Deal in Wunsiedel: Mit dem Areal in der Luisenburg-Straße sichert das Unternehmen den Standort im Landkreis und 35 Arbeitsplätze.

Wunsiedel - Mit einer faustdicken Überraschung hat am Freitagabend der Wunsiedler Bürgermeister Nicolas Lahovnik aufgewartet: Die Stadt verkauft das frühere Audi-Autohaus in der Luisenburgstraße, das ursprünglich als künftige „Talstation“ für die Luisenburg-Festspiele umgebaut werden sollte, an das BMW-Autohaus Lell. Die Entscheidung hat der Wunsiedler Stadtrat am vergangenen Dienstag „mit breitester Mehrheit und über alle Fraktionsgrenzen hinweg getroffen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Wäre es nicht zu diesem Deal gekommen, wäre es wohl „alternativlos“ gewesen, dass das BMW-Autohaus, das 35 Mitarbeiter beschäftigt, aus der Kreisstadt abgewandert wäre.

Neue Möglichkeiten für Luisenburg

Zum anderen, so Lahovnik weiter, eröffnen sich für die Luisenburg-Festspiele aus heutiger Sicht Optimierungsmöglichkeiten durch eine größere räumliche Verflechtung mit dem geplanten Außenposten der Universität Bayreuth oder auch dem Bauhof.

„Ich bin einerseits froh, dass wir das Autohaus Lell mit dieser Entscheidung in Wunsiedel halten und 35 Arbeitsplätze retten können. Andererseits ist es aber darüber hinaus auch sehr gut, dass wir auch für die Luisenburg-Festspiele noch einmal neu denken und die ein oder andere Perspektive für unsere Festspiele nochmals optimieren können. Also eine klassische Win-Win-Situation“, erklärt der Rathauschef. Und weiter: „So richtig die Entscheidung für den Kauf des ehemaligen Autohauses seinerzeit war, so sehr ist es aus heutiger Sicht ein gewaltiger Glücksfall, dass wir die Gelegenheit erhalten, hier nun auch die neueren Entwicklungen in die Planung mit einzubeziehen.“

Uni-Außenposten kommt

Dazu gehört etwa die Tatsache, dass Wunsiedel einen Außenposten der Universität Bayreuth erhält, aber auch der Wunsch der Stadt nach einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Festspielen und dem Kommunalunternehmen (KU) „Wun Infrakstruktur“. „Es ist immer besser, seine Stärken zu bündeln, daher ist es aus heutiger Betrachtung sinnvoll, wenn wir unsere Kräfte räumlich, sachlich und damit auch in wirtschaftlicher Hinsicht konzentrieren“, so Lahovnik.

Auch Autohaus-Geschäftsführer Johann Baptist Lell ist über den Kauf der Immobilie glücklich. In den beengten Räumen in der Kemnather Straße hätte die Firma keine längerfristige Lizenz zum Betrieb einer Niederlassung mehr erhalten. Daher habe Lell keine Perspektive mehr gesehen, über das Ende des Mietvertrags im September dieses Jahres hinaus den Standort Wunsiedel aufrechtzuerhalten. „Ich bin Bürgermeister Lahovnik und dem Wunsiedler Stadtrat für ihr beherztes Handeln sehr dankbar. Ich bin froh, dass wir das Autohaus und die 35 Arbeitsplätze in Wunsiedel nun doch erhalten und den Standort deutlich ausbauen können“, so Lell.

Umzug im Oktober

Landrat Peter Berek freut sich dass es gelungen sei, dem BMW-Autohaus ein hervorragend geeignetes Areal zur Verfügung zu stellen. „Ich freue mich, dass uns das Autohaus mit seiner langjährigen Verbindung zum Landkreis auch künftig erhalten bleibt“, erklärt Berek. Für diese Lösung könne er der Stadt und Bürgermeister Lahovnik nur gratulieren.

Von Oktober an benötigt die Firma Lell die neue Bleibe, bis zum Herbst schon müssen deshalb nun die notwendigen Umbauten in der Luisenburgstraße geschehen. Weil die Zeit drängt, haben Stadtverwaltung und Stadtrat im Eiltempo gearbeitet. Bereits in der kommenden Woche sollen die Arbeiten beginnen.

Für die Luisenburg-Festspiele bedeutet dies, dass nun umgeplant werden und zunächst eine Übergangslösung geschaffen werden muss.

Luisenburg braucht Talstation

Der Verkauf des Audi-Autohauses an BMW Lelll hat Auswirkung für die Luisenburg-Festspiele, schließlich war in dieser Immobilie die Talstation untergebracht. Nun muss natürlich Ersatz her – oder vorerst zumindest eine Übergangslösung. Klar ist auch, dass der Raumbedarf der Festspiele auch langfristig besteht: Werkstätten, Lager und Proberäume müssen dauerhaft gut untergebracht werden.

„Wir helfen jetzt sofort gerne bei der Schaffung einer Interimslösung“, so Marco Krasser, Vorstand des Kommunalunternehmens „Wun Infrastruktur“, das in der Rot-Kreuz-Straße untergebracht ist.

„Wir werden in unseren bestehenden Werkstätten näher zusammenrücken und vorübergehend Platz schaffen, um gemeinsam den Werkstattbetrieb für den Kulissenbau und die Bühnentechnik der Festspiele in diesem Jahr zu stemmen“, erklärt Krasser. Er freue sich darauf, wenn das KU bei einer langfristigen Lösung enger mit den Festspielen zusammenarbeite.

Auch aus Sicht der Festspiele besteht laut einer Pressemitteilung der Stadt große Zufriedenheit mit der Lösung: „Klar ist zwar, dass die Arbeit mit einer vorübergehend notwendigen Interimslösung kein Zuckerschlecken wird. Aber die Tatsache, dass wir die Aussicht darauf haben, nun die ein oder andere Planung für unsere ‚Talstation‘ nochmals zu optimieren und noch besser an unsere Bedarfe aus heutiger Sicht anzupassen, stimmt uns sehr zuversichtlich.“, so die Künstlerische Leiterin Birgit Simmler.

Der kaufmännische Leiter der Luisenburg-Festspiele Harald Benz ergänzt, dass natürlich eine Interimslösung immer ein organisatorischer Kraftakt sei. „Wir müssen jetzt alles daran setzen, die zusätzlichen Belastungen – neben Corona – so gering wie möglich zu halten.“ Aber auf lange Sicht mache es großen Sinn, wenn die Festspiele als Saisonbetrieb sachlich und räumlich enger mit Partnern wie zum Beispiel dem KU zusammenarbeiten, als dies im ehemaligen Audi-Autohaus möglich gewesen wäre. „Wenn wir Synergien stärker nutzen, hilft das sowohl den Luisenburg-Festspielen als auch den Partnern und damit unterm Strich in der wirtschaftlichen Betrachtung auch der Stadt und ihren Bürgern insgesamt“, erklärt Benz.

Bürgermeister Lahovnik betont, dass konkrete Gespräche für die langfristige Lösung der ‚neuen Talstation‘ bereits zwischen allen Beteiligten laufen. „Nicht zuletzt dafür bin ich sehr dankbar – in enger und vertrauensvoller Rücksprache mit der Kommunalaufsicht“, so der Bürgermeister. Wichtig ist dem Bürgermeister zudem die Feststellung: Jeder von der Stadt in den Erwerb und Umbau für das Projekt Talstation in das ehemalige Audi-Autohaus investierte Euro werde vom Kaufpreis gedeckt .red

 

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