Dekanat Naila Begeisterung, die ansteckt

Sandra Hüttner
Sie sind „Mutmacher“: (von links) Hanna Bauer, Andi Buchmann, Janina Peter und Christina Stratos, hier mit Dekan Andreas Maar. Foto: /Hüttner

Die „Junge Kirche“ stellt sich vor: Jugendliche Christen stehen im Mittelpunkt einer ungewöhnlichen „Dekanatssynode“ in Naila. Eine 13-Jährige hält eine Predigt.

Auch wenn es coronabedingt zahlreiche kurzfristige Absagen gab, die Frankenhalle war gut besucht bei der Nailaer „Dekanatssynode“ der ganz anderen Art. Akteure auf der Bühne und an den Info-Ständen waren zahlreiche Pfarrer, Kirchenvorstände und Mitarbeitende der Kirchengemeinden. Sie alle nutzten die Gelegenheit, um sich zu informieren – und sich von der Begeisterung junger Christen anstecken zu lassen.

In der Mitte der großen Halle war die „Insel Jesus“ aufgebaut, mit dem Hinweis „Jesus verbindet“. Von dort gingen blau-weiße auf den Boden geklebte Bänder zu den Stationen der einzelnen Kirchengemeinden des Dekanats. Rundum waren Stände wie „Technik/Streaming“, „Pfingsttagung Bobengrün“, „Jugendmissionskonferenz (JuMiKo)“, die christliche Kneipe „Täubla“, eine „Schnittstelle von Jung und Alt“, „Trainee“, „Messiah Movement (Busbauteam)“, das Youtube-Studio „weird“, „Tanz Crew“ und „Konfi“ aufgebaut, allesamt besetzt von jungen Leuten.

„Overflow – Junge Kirche“ ist eine Bewegung innerhalb des Dekanats Naila, an der nicht nur die Kirchengemeinden mitwirken, sondern auch CVJM, CJB und Christusbruderschaft Selbitz. „Die Junge Kirche will das Potenzial aller Beteiligten voll ausschöpfen und Jugendlichen das Beste aus der großen geistlichen Vielfalt des Frankenwaldes bieten“, erklärt Dekan Andreas Maar. Die Begegnung und Zusammenarbeit der Generationen sei ein wichtiges Thema. „Wir wollen nicht über die jungen Leute reden, sondern sie zu Wort kommen lassen. Sie zeigen uns, wie und was sie gerne im und mit dem Glauben erleben möchten“, erklärt der Dekan.

Als Beispiel nennt er die Predigt der erst 14-jährigen Johanna Bock aus der Kirchengemeinde Bernstein mit dem Thema: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Der Teenager nahm damit Bezug auf die Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg und die explodierenden Preise.

„Natürlich erhielt Johanna ein Coaching, aber die Leistung ist einmalig – schon allein sich auf die große Bühne vor so viele Menschen zu stellen“, lobt Maar. Er sieht sich bestärkt auf dem Weg, „die jungen Menschen mit den von Gott gegebenen Gaben, Fähigkeiten, Talenten und Kreativität wirken zu lassen. Sie sollen und können sich entfalten – und tun dies mit Begeisterung.“ Das „Herzstück“ dabei seien die Stationen „ Trainee“ und „Konfi“.

Dekan Maar erzählt von einem 85-jährigen Christen, dessen Augen strahlten, als er die jungen Leute mit ihrem gelebten Glauben beobachten konnte. „Es stimmt nicht, dass Ältere das Neue nicht gut finden.“

Steven Schubert aus Geroldsgrün, aktiv in der Trainee-Band, findet die Förderung der jungen Leute cool. „Dass hätte ich mir früher selbst gewünscht“, sagt er. Das Zusammenwirken schweiße die Kirchengemeinden zusammen. Hanna Bauer vom „Mut“-Projekt erläutert das Trainee-Programm, das den jungen Leuten ab der Konfirmation für drei Jahre zur Verfügung steht. Im ersten Jahr werden sie in den „Basics“ gestärkt, beispielsweise mit einem Glaubenskurs und dem Erwerb der Jugendleiter-Card. Dann entwickeln sie in den folgenden beiden Jahren ihre Gaben und Talente in unterschiedlichen Teams weiter, wie Technik, Band, Tanz, Handwerk, Street-Art und vieles mehr. Nach und nach erhalten sie individuelle Verantwortung in den Bereichen, in denen sie mitarbeiten.

„Die jungen Leute ordnen sich ihren Talenten entsprechend selbst ein“, erzählt Hanna Bauer. „Sie können und sollen aber auch äußern, was sie wünschen oder brauchen, was super wäre, was stört.“

In diesem Jahr soll der Glaubenskurs mit einem Abend und anschließender Freizeit stattfinden, wenn es trotz Pandemie möglich ist. Es geht um „langsames Erlernen, bei dem auch Profis von außen unterstützen“, erläutert Hanna Bauer. „Die Band fördert beispielsweise die musischen Gaben, und zugleich engagieren sich die Instrumentalisten und Sänger, um Gott zu ehren.“

Pfarrer Horst Bergmann, Bad Steben, hinterfragte, ob denn das „ Trainee“ auch später den Kirchengemeinden zugutekommen wird – ob sich die jungen Teilnehmer in Kindergottesdiensten oder für die Jungschar in der Gemeinde engagieren werden. „So ist es gedacht“, versichert Hanna Bauer, betont aber auch, dass man dafür die jungen Leute ansprechen, auf sie zugehen müsse. Die Ausbildung erfolgt auf Dekanatsebene, der Einsatz dann auf Gemeindeebene, „zudem wird es immer wieder übergreifende Angebote geben“.

Andrea Menger aus Bernstein, betont, dass man die Jugendlichen fördern müsse, ihnen Verantwortung übertragen und zugleich Unterstützung bieten. „Man sollte sie rechtzeitig abholen und einbinden.“ Und Steven Schubert ergänzt, dass vonseiten der Jugendlichen allein nichts passieren werde. Pfarrer Gerhard Stintzing, Selbitz, sieht eine „riesige Chance“: „Wenn es einmal läuft und wächst, dann können alle davon profitieren.“

Freiwilliges Soziales Jahr im Dekanat

Im Dekanatsbezirk Naila engagieren sich seit September drei junge Menschen mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ): Christina Stratos, Janina Peter und Andi Buchmann. Zudem hat Hanna Bauer, die vergangenes Jahr ihr FSJ im Dekanat absolvierte, eine halbe Stelle als Koordinatorin für das Trainee-Programm von „Overflow – Junge Kirche“ erhalten. Zudem studiert sie Theologie in Erlangen. „Ich bin gespannt auf das Zusammenspiel von Theorie und Praxis“, sagt sie.

Das Trainee-Programm ist ein Begleitprogramm für die Mitarbeiter in der Konfirmanden- und Jugendarbeit im Dekanatsbezirk Naila. Die Aufgaben von Hanna Bauer liegen im Organisieren, Koordinieren und Entwickeln des dreijährigen Traineeprogramms, einhergehend mit der Planung von Coachings (Technik, Musik, Gestalten von Themenabenden, Kontakt und Austausch). Die junge Frau ist auch bei anderen Veranstaltungen und Aktionen der Jungen Kirche mit im Boot, ob nun bei Jugendgottesdiensten, in der christlichen Kneipe „Täubla“ oder der Youtube-Sendung „weird“.

Die drei FSJ-ler Christina Stratos aus Selbitz, Janina Peter aus Schauenstein (beide 18) und der 19-jährige Andi Buchmann aus Neuenmarkt sind in der dekanatsweiten Konfi-Arbeit „Overflow – Junge Kirche im Frankenwald“ eingebunden. Die Gemeinden im Dekanat sind in drei Gemeindeverbünde aufgeteilt, sodass jeder FSL-ler für einen Bereich zuständig ist: Verbund 1 setzt sich aus Naila, Lichtenberg, Marlesreuth, Döbra, Lippertsgrün, Marxgrün und Issigau zusammen, Verbund 2 aus Schwarzenbach, Geroldsgrün, Bad Steben, Bobengrün, Bernstein, Langenbach und Steinbach sowie Verbund 3 aus Selbitz und Schauenstein. Zudem arbeiten die drei bei Freizeiten mit, bei Jugendgottesdiensten, sportlichen Events und großen Veranstaltungen wie die Jugendmissionskonferenz (JuMiKo) und der Pfingsttagung in Bobengrün. .

 

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