Demo bei Münchberg Bauern sehen rot

Mit einer Demonstration empfangen mehr als 100 Landwirte Ministerpräsident Söder in Mechlenreuth: „Wer Bauern quält, wird abgewählt.“

Mehr als 100 Landwirte aus ganz Oberfranken haben am Donnerstag in Mechlenreuth bei Münchberg gegen die stark vergrößerten „Roten Gebiete“ demonstriert: Die Neuabgrenzung mache den Bauern aufgrund zahlreicher Auflagen das Wirtschaften auf den betreffenden Flächen praktisch unmöglich. In Mechlenreuth fand zeitgleich die offizielle Einweihung eines Teilabschnitts des Ostbayernrings durch den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder statt.

In roten Ganzkörperoveralls und mit zahlreichen Transparenten machten die Bauern auf der Zufahrtsstraße ihrem Unmut Luft. „Wer Bauern quält, wir abgewählt“, stand unter anderem auf den Transparenten zu lesen. Die Fahrzeugkolonne mit dem Ministerpräsidenten hielt kurz an, und Söder hörte sich für wenige Minuten die Probleme der Bauern an. Er versprach ihnen für die kommenden zwei Wochen eine Art Runden Tisch zusammen mit Umweltministerium und Bauernverband. Dort soll das Thema noch einmal aufgegriffen werden.

Nach der Veröffentlichung des entsprechenden Kartenmaterials steht nach den Worten des oberfränkischen BBV-Bezirkspräsidenten Hermann Greif fest: Bisher seien 25 Prozent der bayerischen Flächen in den „Roten Gebieten“ gewesen, dann nach der sogenannten „Binnendifferenzierung“ und „Modellierung“ nur noch zwölf Prozent. Das sei aber immer noch kein Trost für alle, die von den „Roten Gebieten“ betroffen sind. Im Gegenteil: Die zwölf Prozent hätten der Europäischen Union nicht ausgereicht, sodass nachjustiert wurde. Ämter und Ministerien hätten die betroffenen Flächen aktuell wieder auf 17 Prozent angehoben. Dabei habe es insbesondere auch die Bauern im Landkreis Hof heftig erwischt. „Unser Problem ist jetzt, dass man uns faktisch unter Sippenhaft nimmt“, sagte Greif. Betriebe, die umweltfreundlich wirtschaften, müssten von der Verordnung ausgenommen werden. Während die EU dies auch zulasse, weigere sich Deutschland, Betriebe rauszunehmen.

Die Demo richte sich nicht gegen den bayerischen Ministerpräsidenten, sagte Hermann Greif. „Wir wollen uns nur bemerkbar machen und fordern Unterstützung von der heimischen Politik.“ Die Einordnung in Rote Gebiete müsse definitiv noch einmal überprüft werden. Wenn es um Phosphat oder Nitrat geht, gebe es ja schließlich auch andere Einflüsse als die Landwirtschaft. Auch die sollten miteinbezogen werden.

Als „allergrößten Hammer“ bezeichnete es der BBV-Bezirkspräsident, dass die Gebietsabgrenzung auch teilweise in die Städte hineinreiche. Dort seien beispielsweise auch Golfplätze betroffen, die aber von Auflagen ausgenommen wurden, also auch weiterhin ihre Flächen düngen dürfen. Hermann Greif: „Das geht so nicht weiter, da müssen wir dagegen halten.“

„Wir werden in Sippenhaft genommen, für etwas, wofür wir nichts können“, sagte auch der oberfränkische BBV-Vizepräsident Michael Bienlein. Viele Bauern seien in ihrer Existenz gefährdet. „Wir wollen doch auch weiterhin Nahrungsmittel für unsere Mitmenschen produzieren.“ Für die Neuausweisung fehlten jegliche Grundlagen. Doch die Einsicht in die entsprechenden Messungen werde den Landwirten derzeit verwehrt.

Ministerpräsident Söder sagte den Landwirten zeitnah eine Runde mit Vertretern des Umweltministeriums und dem Präsidium des Bauernverbandes zu. „Wir müssen schauen, dass wir einen Weg finden“, sagte Söder. Man habe bewusst die erste Karte der Roten Gebiete zurückgestellt, „um die Betroffenheit zu verhindern“.

Dort, wo wenig Wasser ist, sei die Frage der Nitratwerte schneller ein Thema, weil die Verdünnungswirkung schlechter ist. Unabhängig davon, dass im Fränkischen aufgrund der Trockenheit auch Wasser benötigt werde, müssten auch hier weiterhin Nahrungsmittel produzieren werden können. Söder: „Ich setze mich doch nicht dafür ein, dass wir Flächen nicht mehr stilllegen, um mehr Nahrungsmittel produzieren zu können, wenn wir gleichzeitig die Flächen nicht nutzen können.“

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