Zudem sind Angst und Depression – Zustände seelischer Niedergeschlagenheit, die episodisch oder rezidivierend (wiederkehrend) auftreten – so ineinander verwoben, dass man nur schwer zwischen beiden unterscheiden kann.
Ein Narr, wer keine Angst kennt
Angst ist eine lebenswichtige Kraft – für Optimisten, Pessimisten und Realisten gleichermaßen. Die Amygdala – auch Mandelkern genannt – ist eine Kernregion des Gehirns und Teil des Limbischen Systems, das der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung des Triebverhaltens dient. Sie ist ein wichtiges Steuerungszentrum für Angst und Panik, ohne das man Situationen emotional nicht bewerten und Gefahren angemessen einschätzen könnte.
„Wir brauchen unser Angstzentrum. Ohne es würden wir einen Unfall nach dem anderen erleiden“, schreibt die irische Neurologin Elaine Fox in ihrem Buch „In jedem steckt ein Optimist. Wie wir lernen können, eine positive Lebenseinstellung zu gewinnen“ (2014). Wenn sich dieses Alarmsystem verselbstständige, „kann der Betreffende von Gefühlen der Angst und der Verzweiflung überwältigt werden“.
Geht das Leben schlecht aus?
In einer Gesellschaft wie der deutschen, die im internationalen Vergleich zu den politisch und wirtschaftlich stabilsten gehört, sei die Angst vor allem narzisstischer Natur, erklärt der Münchner Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer. Sie äußere sich vor allem als Angst vor dem Verlust des mühsam Erreichten. „Es ist evident: Je mehr eine Gesellschaft oder ein Individuum besitzt, desto größer ist auch die Angst, es zu verlieren.“
Jedem denkenden Menschen müsse doch klar sein, dass das Leben schlecht ausgeht“, meint Schmidbauer. „Erst werden wir älter, dann kränker, verlieren liebe Menschen, und am Schluss sterben wir selber.“