Der Umwelt zuliebe Lastenesel auf zwei Rädern

Start frei für die zehn Lastenfahrräder, die an fünf verschiedenen Stellen in Marktredwitz ausgeliehen werden können. Sie testeten die Mobile schon einmal im Marktredwitzer Freibad (von rechts): Tourist-Info-Leiterin Kerstin Brunner, Maskottchen MAKBuddy, Oberbürgermeister Oliver Weigel mit Marco Walter von der Transportrad Initiative Nachhaltiger Kommunen (TINK) aus Konstanz, dahinter Andreas Linderer von „Feine Räder“ in Regensburg, Projektleiter Stefan Kirsch und Landrat Peter Berek. Foto: /Peggy Biczysko

Umweltfreundlich mit E-Bikes zum Einkaufen oder zum Ausflug mit den Kindern. Ein Modell-projekt macht das jetzt in Marktredwitz möglich. Die Bürger können zehn Räder im Stadtgebiet ausleihen.

Lucija und Lijana sitzen angeschnallt und mit Helm auf dem Kopf im „Diamant-Express“. Es ist eines von zehn Lastenrädern in Marktredwitz, die die Stadt den Bürgern als umweltfreundliches Transportmittel zum Mieten zur Verfügung stellt. Die beiden kleinen Mädchen sind begeistert, wenn Papa kräftig in die Pedale des E-Bikes mit dem großen Transportwagen tritt. Marktredwitz ist die erste von sieben Kommunen in Bayern, wo diese Lastenesel auf zwei Rädern im Einsatz sind. 99 Städte hatten sich darum beworben.

Wieder einmal Vorreiter

Ob „Steuer-Ra(d)t“, „Fichtel-Power“, „Zahnrad-Rad“ oder „Allwetter-Cabrio“ – alle zehn Räder sind am Samstag begehrter Hingucker im Marktredwitzer Freibad. Nicht nur das: Denn die Lastenräder dürfen gleich einmal auf Herz und Nieren getestet werden. Die Große Kreisstadt ist Vorreiter für das Modellprojekt „Lastenrad mieten, Kommunen entlasten“, das das bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr zu 90 Prozent unterstützt. Den Rest übernehmen neun Sponsoren (siehe Infokasten). Oberbürgermeister Oliver Weigel, der sich sofort auf eines der Lastenräder schwingt, um es auszuprobieren, setzt darauf, dass die Marktredwitzer hin und wieder einfach ihr Auto stehen lassen und stattdessen mit dem Lastenrad ihren Einkauf erledigen oder aber einen CO2-freien Ausflug unternehmen.

Nur sieben von 99 Kommunen

„Wir haben uns schon vor zwei Jahren Gedanken gemacht, wie wir eine umweltfreundliche Alternative zum Auto umsetzen können. Da kam das Modellprojekt des Ministeriums sehr gelegen.“ Erfreulicherweise habe Marktredwitz den Zuschlag zusammen mit sechs weiteren Städten bekommen. „Das ist die Fortbewegung der Zukunft“, wirbt Weigel. „Ich freue mich auf viele Lastenradfahrer in unserer Stadt.“

Es braucht neue Ideen

Landrat Peter Berek nimmt schon mal das „Allwetter-Cabrio“ in Beschlag. „Einmal mehr ist Marktredwitz mit diesem Modellprojekt Vorreiter im Landkreis und auch in Bayern“, lobt Berek das Engagement in der größten Stadt des Landkreises Wunsiedel. Hier sei auch erstmals das Carsharing angeboten worden. Weil der normale ÖPNV im Fichtelgebirge längst nicht das bietet, wie es in Großstädten der Fall ist, brauche es neue Ideen, wie eben diese Lastenräder, findet der Landrat. „Da gehen auch mal vier Kästen Bier rein“, meint er augenzwinkernd. Er wünscht sich, dass das Angebot gut genutzt wird.

Nicht mit dem Lastenrad, aber mit dem Zug ist Marco Walter vom Bodensee nach Marktredwitz gereist. Dort nämlich, in Konstanz, startete das Pilotprojekt, ehe das Modellprojekt ausgeschrieben worden ist. „Dort sind die Menschen schon 30 Mal um die Erde geradelt“, unterstreicht er die Beliebtheit der Lastenesel auf zwei Rädern. Walter nennt dieses Projekt „einen wichtigen Baustein zur Verkehrswende“. Die Mission heiße: „Transporträder für alle.“

Ein Gut zum Teilen

Transporträder eigneten sich sehr als geteiltes Gut: Zum einen seien sie nämlich teuer und platzintensiver als normale Fahrräder, sodass sich nicht alle Menschen ein eigenes Transportrad leisten könnten. Zum anderen würden sie häufig nicht täglich benötigt, sondern beispielsweise für größere Einkäufe oder für Ausflüge. Und das eben umweltfreundlich, so der Vertreter des Modellprojekts TINK (Transportrad Initiative Nachhaltiger Kommunen), das zusammen mit dem Verkehrsministerium arbeitet.

Eine extra App

„Wir haben für das Modellprojekt extra eine App entwickelt: Lastenrad-Bayern. Wer die Räder nutzt, sollte einen Helm tragen, empfiehlt Marco Walter, der sich in das Mobil von Oberbürgermeister Weigel setzt, um vorzuführen, wie viel Gewicht diese Lastenräder zu transportieren in der Lage sind. Die Ladekapazität ist mit 80 Kilogramm angegeben. Das zulässige Gesamtgewicht inklusive Kindersitzen und Verdeck liegt bei 200 Kilo.

Sorgsam behandeln!

Da es sich um ein Modellprojekt handelt, das gerade erst eingeführt wird, „kann es durchaus passieren, dass einmal etwas nicht funktioniert“, meint Walter und bittet die Menschen, nicht gleich zu verzagen, sondern den Fehler gleich weiterzumelden. „Es ist viel Technik dabei, probieren Sie es einfach aus.“ Das System gehöre jetzt der Stadt Marktredwitz und somit auch den Steuerzahlern, also den Bürgern. „Deshalb gehen Sie bitte sorgsam damit um, damit Sie lange etwas davon haben“, bittet der Vertreter von TINK.

Mit Solarantrieb

Die zehn Lastenräder, die von „Feine Räder“ in Regensburg entwickelt worden sind, finden die Marktredwitzer an fünf Standorten in der ganzen Stadt verteilt. Der Strom zur Aufladung der Lastenräder wird über seitlich angebrachte Solarpaneele gewonnen. Die Stadt hat zwei verschiedene Modelle geliefert bekommen: fünf mit 249 Zentimetern Länge und fünf mit einer Länge von 269 Zentimetern. Beide haben eine Breite von 69 Zentimetern.

Für ein besseres Klima

Projektleiter Stefan Kirsch hat zusammen mit Andreas Linderer von „Feine Räder“ die fünf Solar-Ladesäulen aufgestellt. „Es ist wichtig, dass die Räder nach dem Ausleihen wieder an die blaue Mietstation zurückgebracht werden.“ Dort finden die Nutzer auch eine Tafel mit allen wichtigen Hinweisen. „Kein anderes Verkehrsmittel hat eine so gute Umweltbilanz wie das Fahrrad, das keine Schadstoffe produziert, keinen Lärm verursacht und obendrein wenig Platz braucht“, so Linderer gegenüber unserer Zeitung. Jeder Kilometer, der mit dem Fahrrad zurückgelegt wird anstatt mit dem Auto sorge für ein besseres Klima in der Stadt.

Pro Stunde ein Euro

Ein Pärchen ist schon Feuer und Flamme. Sie sind die ersten, die sich ein Lastenrad ausleihen. „Wir wollen die Gegend erkunden, und da ist dieses Rad doch perfekt“, finden sie.

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