Deutsch-spanische Hochzeit Wenn Liebe keine Grenzen kennt

Horst Wunner
So sieht Innigkeit aus: Lourdes und Chris bei der Hochzeitsfeier. Foto: /Horst Wunner

Europäische Verständigung einmal anders: Unter diesem Motto steht eine internationale Hochzeit in Trebgast. Um sich überhaupt kennenzulernen, hat das Paar drei Grenzen überwinden müssen.

Das kommt in Trebgast eher selten vor. „Vivan los novios“ (es lebe das Brautpaar) hieß es für Lourdes und Christopher von den spanischen Hochzeitsgästen oben auf dem Brauereiberg. Der gebürtige Trebgaster und die schöne Dunkelhaarige aus dem Süden Spaniens feierten eine tolle Fiesta mit fast 100 Freunden, Bekannten und Nachbarn neben den Verwandten.

Standesamtlich ließ sich das Paar in Alicante, einer Hafenstadt an der Costa Blanca nahe Andalusien, trauen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dafür ging es jetzt in der Scheune der Brauerei Haberstumpf so richtig rund bis tief in die Nacht. Und alle spürten irgendwie diese innige Zuneigung eines Oberfranken zu einer Spanierin.

Romanze made in Dublin

Das Leben schreibt schon kuriose Geschichten. Da ist „Chris“ Hartmann, Sohn eines Urtrebgasters und einer amerikanischen Mutter, im Rahmen seines Studiums zu einem Praktikum im irischen Dublin: Dort arbeitet gerade auch Lourdes. Und wie es das Schicksal so will, geht er abends noch ins Pub, an der Säule mitten im Raum lehnt sie.

Ihre Blicke treffen sich und es beginnt eine Romanze mit einigen Hürden über Jahre hinweg, ehe sie schließlich im Bräustadel ihr glückliches Ende findet. Die verschiedenen Mentalitäten zweier Europäer sind sichtbar: Hier der eher zurückhaltende, ruhige Franke, dort die feurige, heißblütige Frau aus Alicante mit ihrer melodischen Stimme. Sie verstehen sich über Ländergrenzen hinweg, Gestik und Mimik drücken das bestens aus.

In Trebgast verwurzelt

Der 35-jährige Umweltingenieur hat schon einige Stationen hinter sich. Nach Trebgast lebte er in Bayreuth, Dublin und Bamberg, wohnt nun in Neudrossenfeld. Aber sein Herz schlägt immer noch für seinen Geburtsort: „Ich will zu meinen Wurzeln zurück und, wenn ich ein Grundstück finde, dort ein Haus bauen.“ Er engagiert sich in der Trebgaster Wasserwacht, ist dort der Kassier und mag das Schwimmen im See. „Das ist für mich ein Stück Paradies.“ Lourdes Mas Lillo, 31 Jahre alt, aus dem mehr als 2000 Kilometern entfernten Alicante, gehört seit Kurzem ebenfalls der Wasserwacht an, absolviert gerade eine Sanitätsausbildung.

Integration leicht gemacht

Die Programmiererin liebt die Geselligkeit, Integration ist für sie leicht, weil sie auf die Menschen zugeht. Beim Einbinden der „Strohberta“ zu Weihnachten hat sie mitgeholfen, „ich finde fränkische Bräuche interessant“. Und das fränkische Essen schmeckt ihr prima, den Durst löscht sie gerne mit „einem Seidla Bier“.

Europa auf dem Trauschein

Nicht nehmen ließ es sich Bürgermeister Herwig Neumann, persönlich im Bräustadel vorbeizuschauen. „Mit dem Bräutigam verbindet mich mehr als die Nachbarschaft. Seine Frau ist Spanierin, meine stammt aus der Ukraine.“ Europa stehe also nicht nur auf dem Papier, sondern findet sich auch in der Familie. Bis man aber unter die Haube komme, seien eine Unmenge von Formalitäten nötig.

Der Rathauschef hatte einen Oleanderstock mitgebracht, die Pflanze ist nach der griechischen Mythologie ein Symbol für ewige Liebe und Treue. Lourdes und Chris freuen sich nun auf eine lange gemeinsame Zeit mit dem Wunsch, dass vielleicht mal ein deutsch-spanischer Nachwuchs durch den Trebgaster See schwimmt.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Angestoßen wurde in später Nacht auch mit einem echten irischen Whiskey aus einer Destillerie in Dublin. Dort, wo Amor seine Pfeile zuerst verschossen hat. Das Duo „Fast & Slow“ gab der Fete einen fetzigen Rahmen.

 

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