Deutsche und tschechische Designschüler Foto-Projekt über die Grenze und zurück

Einige Teilnehmer des Projekts (von links) Fink und Bernd Rössler. Foto: /BBZ

Selber Design-Schüler und Partner von der Fachschule im nordmährischen Pros-tějov haben ein gemeinsames Konzept. Es hilft ihnen auch, sich gegenseitig besser kennenzulernen.

Selb/Prag - Design verbindet – das zeigt eine erfolgreiche deutsch-tschechische Kooperation in der beruflichen Bildung. Die Ergebnisse eines virtuellen Designprojekts zwischen Selb und Prostejov werden derzeit, wie es in einer Mitteilung heißt, in der Deutschen Botschaft in Prag präsentiert; damit verbunden ist eine Ausstellung der Arbeiten im Palais Lobkowitz. Kooperiert bei diesem Projekt haben die Staatliche Fachschule für Produktdesign in Selb und die Fachschule für Design und Mode in Prostějov, einer Stadt in der Region Olomoucký kraj in Nordmähren.

Die Entscheidung, mit einer befreundeten Schule in der Tschechischen Republik ein virtuelles Projekt durchzuführen, war wegen und während der Corona-Pandemie entstanden. Wegen des Reiseverbots und der Bestimmungen zur Durchführung von Schüleraustausch-Aktionen, war es nicht möglich, Begegnungen in Präsenz mit der Partnerschule zu organisieren.

Unerprobte Kooperation

So entstand der Plan, ein Online-Projekt mit dem Schwerpunkt Fotografie zu konzipieren. Für beide Seiten war es eine bislang unerprobte Form der Kooperation: online, über 400 Kilometer Distanz und über Sprachgrenzen hinweg miteinander zu arbeiten.

Ein Kompaktseminar zur Sprachanimation am Anfang des Projekts leistete einen wesentlichen Beitrag zum gegenseitigen Kennenlernen der Teilnehmer und zum Erlernen wichtigen Vokabulars aus dem Bereich „Fotografie“. Auch weckte es bei den deutschen Partnern das Interesse an der tschechischen Sprache und Kultur und den Wunsch, die Projektpartner und ihre Einrichtung persönlich kennen zu lernen.

Thema Corona

Thema des virtuellen Fotoprojekts war „Corona in Tschechien und Deutschland“. Die Fotos aus dem Unterrichtsfach Fotografie fertigten die deutschen und tschechischen Schüler und Schülerinnen im Online-Unterricht während des Corona-Lockdowns von Dezember 2020 bis Februar 2021 an; sie bildeten einen wesentlichen Lerninhalt des gültigen Lehrplans.

Nach Sichtung durch die deutsche und tschechische Lehrer wurden die Fotografien in einer Videokonferenz von den deutschen und tschechischen Schülerinnen und Schülern präsentiert. Dabei diskutierten die Teilnehmer über die Entstehung ihrer Fotografien sowie über die gestalterische Intention. Da die Arbeitssprache Englisch war, konnten alle auch ihre englischen Sprachkenntnisse verbessern.

Neue Aspekte

Im Austausch über ihre Werke lernten die Teilnehmenden außerdem neue didaktische und methodische Aspekte im Bereich der Fotografie kennen. Die Präsentationen erfolgten abwechselnd auf tschechischer und deutscher Seite unter Anwendung der japanischen Technik „Pecha Kucha“; das bedeutet eine zeitliche Begrenzung der Präsentation auf jeweils knapp sieben Minuten, um die Spannung, Motivation und Aufmerksamkeit des Auditoriums aufrechtzuerhalten. Danach fand der fachliche, inhaltliche und interkulturelle Austausch in Form von Fragen und Antworten beziehungsweise einer Diskussion statt. So kamen auch die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden während des Corona-Lockdowns und deren Auswirkungen in Deutschland und Tschechien zur Sprache.

„Stille Post“

Zwischen den einzelnen Online-Meetings arbeiteten die Schülerinnen und Schüler auch mit Polaroid-Kameras analog an dem Thema und schickten ihre Aufnahmen in einer Art „Stillen Post“ jeden Tag digital an einen anderen Projektteilnehmer – im Wechsel deutsch – tschechisch – deutsch und so weiter. Die Zusammenarbeit verlief überaus gut. Einige tschechische Schüler äußerten sogar den Wunsch, ein Praktikum an der Fachschule in Selb zu absolvieren, was im Oktober 2021 in Präsenz möglich sein wird.

Insgesamt habe, so das Fazit der Veranstalter, das erste rein virtuelle Projekt die Erwartungen weit übertroffen. „Beide Seiten haben viel voneinander gelernt, neue Inspirationen und positive Energie gewonnen.“ Die Beteiligten können sich ein weiteres virtuelles Projekt sehr gut vorstellen. red

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