DFB-Pokal Die Bayern siegen ohne Glanz – zeigen aber die Titel-Gier

Bayern München macht den nächsten Schritt, seinen Fluch im DFB-Pokal zu beenden. Gegen Leipzig tut sich der Rekordmeister lange schwer .

Harry Kane war wieder der entscheidende Faktor im Bayern-Spiel, der die Münchner ins Pokal-Halbfinale führte. Foto: Sven Hoppe/dpa

Als Bayern-Coach Vincent Kompany vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale am Mittwochabend über das sprach, was den FC Bayern gegen RB Leipzig erwarten würde, erhielten die 75.000 Zuschauer in der Münchner Arena schon einen Vorgeschmack auf das, was anschließend folgte: „Wenn es sechs Jahre lang nicht geklappt hat, dann zeigt das, wie schwer es ist“, sprach der Bayern-Coach die Münchner Pokaldurststrecke an. Sechs Jahre lang ohne Titel im DFB-Pokal – das kratzte am Bayern-Selbstvertrauen. Und mit Leipzig kam auch ein Gegner nach München, der es den Gastgebern über weite Strecken schwer machte.

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Dennoch stand am Ende ein verdienter 2:0 (0:0)-Erfolg des Rekordmeisters, der damit nur noch zwei Siege vom Pokalsieg entfernt ist. Der Weg dorthin dürfte aber schwer bleiben, auch wenn die Bayern ihre Aufgabe gegen die formstarken Leipziger letztlich souverän, aber ohne Glanz lösten.

Apropos Wege: Das befürchtete Chaos wegen des Streiks im öffentlichen Nahverkehr blieb in München aus. Das Stadion war rechtzeitig zum Spiel komplett gefüllt. Nur das Spiel ging 90 Sekunden später als geplant los – was wohl sicherlich nicht daran lag, dass die Spieler nicht rechtzeitig mit dem ÖPNV anreisen konnten.

Nicht richtig im Zeitplan lag allerdings der Rekordmeister: Von der Leichtigkeit des Jahres 2025 ist den Münchnern in diesem Jahr nicht mehr viel geblieben. So beflügelte auch das 5:1 gegen die TSG Hoffenheim im Bundesliga-Topspiel die Gastgeber nicht unbedingt. Schon nach drei Minuten stand es 0:1. Christoph Baumgartner hatte die Bayern-Fans geschockt, als er sich im Rücken der Abwehr davonstehlen konnte und traf. Nur stand er mit dem rechten Fuß knapp im Abseits. Der VAR hob das Tor auf – Glück für München, aber auch ein Zeichen für den weiteren Spielverlauf.

Leipzigs Keeper patzt

Erst nach gut zehn Minuten kamen die Münchner besser ins Spiel, erhöhten die Intensität. Harry Kane suchte das Eins-zu-eins im Strafraum, aber Lukeba rettete auf der Linie (11.). Plötzlich kam der Gastgeber öfter in die letzte Zone. Luis Diaz hätte aus elf Metern nach einem Abpraller im Anschluss an einen Eckball zur Führung treffen müssen, beförderte den Ball aber in die Südkurve (18.). Auch Kane hätte anschließend für die Führung sorgen können (21.).

Die Situationen zeigten, dass sich das Spiel gedreht hatte: War Leipzig zu Beginn noch dominant und hatte höhere Ballbesitzanteile, drehte sich das Spiel. Allerdings waren die Münchner noch weit von der Dominanz der letzten Spiele gegen Leipzig entfernt. Ein 6:0 oder 5:1 würde es heute nicht werden. Davon war auch der Bayern-Coach nicht ausgegangen, ging es im Pokal-Viertelfinale doch auch um zu viel. „Im Pokal gewinnt man nicht jedes Spiel 4:0, 5:0 und kann am Ende den Pokal in die Luft strecken“, erklärte Kompany.

Und so taten sich die Münchner weiterhin schwer. Die Partie war für den Rekordpokalsieger eine zähe Angelegenheit, auch weil die Offensive ohne die Überzeugung des ersten Halbjahrs spielte. Michael Olise blieb auf der rechten Außenbahn gegen Nationalspieler David Raum blass, Serge Gnabry und Alphonso Davies waren eher unauffällig – auch weil Leipzig clever verteidigte: aggressiv, kontrolliert und humorlos. Die hohe Münchner Fehlerquote tat ihr Übriges hinzu, dass von einem Bayern-Flow nichts zu sehen war.

Wenn es mal gefährlich vor dem Gäste-Tor wurde, dann wurde es im Leipziger Strafraum vor allem nach ruhenden Bällen gefährlich. So auch in den Schlussminuten, als Kane nach einem Eckball fast zur späten Führung getroffen hätte (45.). Zuvor hatte Raum mit einem Kracher Manuel Neuer geprüft (36.). Doch so wirkte es zur Pause fast schon so, als ob es ein langer Abend werden würde – wie am Vortag in Berlin mit Verlängerung und einem möglichen Elfmeterschießen.

Zähes Spiel auch nach der Pause

Auch nach dem Seitenwechsel blieb es ein Spiel auf Augenhöhe – und das auf eher überschaubarem Niveau. Dass es sich um ein Bundesliga-Spitzenduell handelte, lähmte eher. Die erste Champions-League-reife Szene führte nach gut einer Viertelstunde nach dem Seitenwechsel fast zur Führung: Gnabrys Direktabnahme entschärfte Leipzigs Keeper Vandenvoordt mit etwas Glück. Auf der Gegenseite köpfte Romulo nur an die Latte – allerdings stand er im Abseits. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel nicht, sondern lief es laufen – und erwischte damit Leipzig auf dem falschen Fuß.

Am Ende des schnellen Gegenstoßes war Vandenvoordt zu unentschlossen, machte einen Schritt nach vorn, dann wieder zurück – und kam dadurch gegen Kane zu spät und holte ihn von den Beinen. Der Gefoulte blieb cool und verwandelte vom Elfmeterpunkt (64.). Das Tor tat den Münchnern gut. Drei Minuten später wirkte Leipzig wie unter Schock: Olise ließ Raum stehen, wieder wirkte Vandenvoordt zu unsicher, kam zu spät raus – und Diaz traf zum 2:0 (67.).

Anschließend nahm die Intensität des Spiels zu: Leipzig übertrieb es mit der Aggressivität etwas, die Bayern spielten befreiter auf – und sicherten sich souverän das Ticket fürs Halbfinale