Dicker Scheck 56 228,80 Euro für Antonia

Viele strahlende Gesichter gab es am Samstag bei der Scheckübergabe nach dem Promi-Benefizkicken für Antonia, wo mehr als 56 000 Euro zusammengekommen sind. Unser Foto zeigt (von links, hinten): Hoteldirektor Raik Eilert, Organisator Foto: /Peggy Biczysko

Beim Promi-Kicken für das behinderte Mädchen kommt eine enorme Summe zusammen. In Weißenstadt übergeben die Organisatoren das Geld an die überraschte Familie.

Weißenstadt - „Wir sind echt überwältigt, sprachlos und unendlich dankbar.“ Alexandra und Alexander Braun starren auf die Zahl, die auf dem überdimensional großen Scheck steht: 56 228,80 Euro sind beim Promi-Kicken für Antonia zusammengekommen, als am 26. Juni in Weißenstadt Geschichte geschrieben worden ist. Fußballgrößen wie die Ex-Weltmeister Pierre Littbarski und Klaus Augenthaler hatten sich neben anderen prominenten Kickern die Ehre gegeben und schnürten noch einmal die Fußballschuhe für das behinderte Mädchen.

Neues Bad im Frühjahr

Ob Antonia, der gerade von ihrer Mama eine Spritze über die Magensonde verabreicht wird, mitbekommt, was der Auflauf auf der Seeterrasse des Kurzentrums in Weißenstadt zu bedeuten hat, ist eher zweifelhaft. Ganz sicher aber ist, dass es für das elfjährige Mädchen im kommenden Frühjahr ein neues Bad gibt, das den Eltern die Pflege des behinderten Kindes erleichtern wird. Denn dank vieler Aktionen und Versteigerungen rund um das Benefizspiel ist die wirklich sagenhafte Summe zusammengekommen. Und das auch nur, weil zwei über die Maßen engagierte Männer der Weißenstädter Spielvereinigung monatelang ihre Freizeit in die gute Sache gesteckt haben.

Promis bei Scheckübergabe

Deswegen überreichen Wolfgang Heß und Florian Mäder am Samstag erst einmal Blumen an ihre Ehefrauen, „die wir in den letzten Monaten schon ein wenig vernachlässigt haben“. Denn auch wenn sie daheim waren, waren sie mit den Gedanken eben ganz oft anderswo, gibt Heß zu. Zwei Promi-Kicker geben sich noch einmal die Ehre und nehmen einiges auf sich, um am Samstag zur Scheckübergabe ins Kurzentrum zu kommen: Der 14-fache Ski-Weltmeister Gerd Schönfelder kommt über Berg und Tal aus Kulmain angeradelt, und der Profi-Basketballer Bastian Doreth von Medi Bayreuth springt nach dem Training schnell unter die Dusche und eilt in den beschaulichen Ort am See. Abends muss er beim ersten Vorbereitungsspiel schon wieder Körbe werfen.

Mit viel Herzblut

„Als kleiner Verein können wir zu Recht stolz sein, was wir da auf die Beine gestellt haben“, resümiert Organisator Wolfgang Heß, der zusammen mit Florian Mäder und dem ehemaligen FCN-Spieler Jörg Dittwar sein ganzes Herzblut in das Weißenstädter Fußballfest gesteckt hat. Denn zum 100. Jubiläum der SpVgg sollte trotz der Pandemie etwas Großartiges auf die Beine gestellt werden. Dass dies 30 Jahre nach dem ersten Benefizprojekt des Weißenstädter Vereins ein Fußballfest der Superlative wird, hatten die Organisatoren anfangs nicht gedacht. „Als wir von Antonias Krankheit gehört haben, haben wir uns mit Haut und Haaren der Sache angenommen, uns über die Krankheit eingehend informiert und die Familie Braun mehrfach besucht“, blickt Heß zurück. Ebenso wichtig wie der Umbau des Bads sei die Aufklärung über die weitestgehend unbekannte Krankheit, meint Heß, der den vielen Unterstützern und Sponsoren, Vereinen und Firmen für ihr großes Engagement dankt. „Das war ein einzigartiges Event“, sagt er mit Tränen in den Augen. „Wir haben eine Atmosphäre erlebt, die mit Worten nicht zu beschreiben ist. Es war einfach der Hammer!“

Sensationeller Zusammenhalt

Den Zusammenhalt im Verein beschreibt Organisator Florian Mäder als „sensationell“. Das kann Vorsitzender Maximilian Harbauer nur bestätigen: „Jeder hat viele Stunden hier hineingesteckt – und das in einer solch schwierigen Zeit der Pandemie.“

Auch im Namen von Bürgermeister Frank Dreyer, der die Scheckübergabe wegen einer Trauung eher verlassen muss, bedankt sich Landrat Peter Berek, der bei den regionalen Legenden mitgekickt hat, für diesen grandiosen Tag in Weißenstadt und die unglaubliche Herzlichkeit, die überall zu spüren gewesen sei. Er hätte niemals gedacht, einmal gegen einen Augenthaler oder Littbarski zu spielen. Er sei gern Teil dieser großen Geschichte gewesen, versichert Berek.

Barrierefreiheit kostet

Extra aus Mainz ist am Samstag Patrick Bager zur Scheckübergabe angereist. Der CDKL 5-Vorsitzende erläutert die Tragweite dieser Aktion in Weißenstadt, die weit über die Unterstützung der Familie Braun hinausgehe. Wichtig sei es, über die Behinderung aufzuklären und darüber, wie man Behinderten das Leben ein bisschen leichter machen könnte. Selbst Vater eines behinderten Jungen, der ebenso krank ist wie Antonia, habe er kürzlich das Problem gehabt, einen Biergarten mit Sandstrand nicht besuchen zu können, „weil der Rollstuhl stockte“. Bager kam mit dem Wirt ins Gespräch, der fragte, ob man sagen dürfe, dass das Kind behindert sei. „Natürlich kann man“, verdeutlicht der Vater. „Eigentlich ist die ganze Familie behindert, die so ein Kind hat.“

Die Menschen machten sich viele Gedanken über Wörter statt zu fragen, was eigentlich dahintersteckt. „So ist ein Spielplatz für Behinderte ohne Nest-Schaukel passé. Eine Behinderten-Toilette ohne Liege ist keine. Denn es ist schwer, einen Stadtspaziergang zu planen, wenn es keine Möglichkeit gibt, eine volle Windel zu wechseln.“ Natürlich koste Barrierefreiheit Geld, weiß Patrick Bager. „Aber eine Gesellschaft, die inkludiert, muss auch Geld in die Hand nehmen.“ Die Aktion „Kicken, um Antonia zu helfen“ habe gezeigt, dass es geht.

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