Die Finals Gibt es die Hammer-Wachablösung?

Gelingt ihm am Sonntag der große Wurf? Hammerwerfer Merlin Hummel aus Kulmbach hält die deutsche Jahresbestleistung. Foto: //Imago

Kommt der neue Deutsche Meister im Hammerwurf aus Oberfranken? Merlin Hummel aus Kulmbach zählt zu den Top-Favoriten. Doch Altmeister Tristan Schwandke wird nicht kampflos abdanken.

Reporter: „Wie haben Sie diesen fabelhaften Rekord geschafft?“

Hammerwerfer: „In meiner Familie sind alle arbeitslos. Und schon mein Opa hat zu mir gesagt: Junge, wenn Dir irgendjemand einen Hammer in die Hand drückt – wirf ihn weg, soweit Du kannst.“

Merlin Hummel ist Hammerwerfer – natürlich aber kein solcher wie im Flachsketch aus den 1980er Jahren von Dieter Hallervorden. Der 20-Jährige absolviert nach seinem Abitur im vergangenen Jahr derzeit beim DOSB einen Studiengang für internationales Management. Der primäre Fokus von Hummel liegt aber noch auf der sportlichen Karriere als Hammerwerfer. Und ja, Rekorde hat der Modellathlet vom UAC Kulmbach sehr wohl, hält im Nachwuchsbereich sämtliche bayerischen Bestmarken und seit letztem Jahr auch den deutschen Rekord in der U 20, zugleich Weltjahresbestleistung.

Hummel ist ein Talent, welches sich in den letzten Jahren durch den ganzen Nachwuchsbereich bereits andeutete. 2019 wird er Zweiter bei der Jugendolympiade und holt 2021 ebenfalls Silber bei der U 20 Europameisterschaft. An den Weltmeisterschaften in Namibia konnte Hummel als Erster in der Weltrangliste der U 20 zuletzt nicht teilnehmen, weil der Verband wegen Bedenken, wegen Corona, die Mannschaft zurückzog.

Geformt wurde und wird Hummel von seinem Trainer Martin Ständner, der in den vergangenen Jahrzehnten schon einige Talente aus der Kulmbacher Schmiede in die deutsche Spitze und auch noch weiter führte. Beispiele sind Simone Mathes, die erste Deutsche Meisterin überhaupt, oder zuletzt Simon Lang. Jetzt will er seinen aktuellen Schützling Merlin Hummel nach zahlreichen Titeln im Nachwuchsbereich zu ebensolchen bei den Erwachsenen führen und „die Chancen stehen ganz gut“, findet Ständner hinsichtlich der nationalen Titelkämpfe am Sonntag. Da könnte sich Hummel in seiner ersten kompletten Herrensaison gleich zum Deutschen Meister krönen.

Diese Saison ging bereits gut los. Bei einem DLV-Wettkampf Mitte Februar warf Hummel schon über 73 Meter. Doch der Rückschlag kam zu Ostern – Corona! Hummel hat nicht den leichtesten Verlauf, kann nicht trainieren und hat vor allem Nachwirkungen. „Mir haben vier Wochen Training gefehlt. Bei einer technisch so komplexen Sportart haut es dich koordinativ da komplett raus“, so der Kulmbacher. „Ich habe schon gedacht: Okay, das Jahr ist jetzt komplett im Eimer.“

Hummel wollte die Saison fast schon sausen lassen, um sich gezielt auf das nächste Jahr vorzubereiten. Doch ab Thum im Erzgebirge ging es schlagartig wieder aufwärts – 72 Meter. Und in der Woche darauf lässt er in Fränkisch-Crumbach die komplette, gestandene internationale Konkurrenz aus Finnland, Island und Großbritannien hinter sich – deusche Jahresbestweite mit 75,66 Metern – in Deutschland hat noch kein 20-Jähriger so weit geworfen. Mit knapp zwei Metern Vorsprung setzt er sich damit auch an die Spitze der Rangliste und ist für den Verband „auf der Poleposition“, wenn es um die Titelvergabe am Sonntagvormittag bei „Den Finals“ in Berlin geht.

Um 10 Uhr beginnt der Ausscheid mit 14 Teilnehmern, von denen nach drei Versuchen die besten acht mit nochmals drei Versuchen den Endkampf bestreiten. Im Idealfall also sechs Versuche für den Kulmbacher, das 7,26 Kilogramm schwere Wurfgerät zur größten Weite zu schleudern.

Trainer Ständner hat die letzten Übungseinheiten seines Schützlings mit Bedacht auf die Tageszeit des Wettkampfs verlegt und ist in Anbetracht eines sehr ordentlichen Abschlusstrainings am Donnerstag guter Dinge. „Natürlich kann man vom Gefühl her mal daneben liegen, aber ich mache das ja nicht erst seit Kurzem“, so der Coach, dessen Schützling ebenfalls keine große Aufregung spürt. „Eigentlich nicht. Ich hatte jetzt schon drei Wettkämpfe mit den Besten Deutschlands“, ist Hummel selbstbewusst. „Im Olympiastadion ist zwar sicherlich noch mal ein anderes Feeling, aber aufgeregt bin ich eigentlich null.“

Samstag gehts nach Berlin – der Rückenwind ist da, wenn es zeitgleich auch Richtung WM-Norm gehen soll. Größter Konkurrent im Kampf um Gold ist wohl der Meister der drei vergangenen Jahre Tristan Schwandke vom TV Hindelang. Der Titelverteidiger liegt mit seiner Jahresbestleistung zwar um gut zwei Meter hinter Hummel, entschied jedoch das letzte direkte Duell in Schönebeck mit der größeren Tagesweite zu seinen Gunsten. „Klar, er wird alles geben. Aber dieses Jahr wird er es am schwersten haben. Doch ich schaue nur auf mich. Ich will in den ersten dreien einen guten gültigen haben und dann volle Kanne drauf“, blickt Hummel zuversichtlich nach Berlin. „Ich habe ein gutes Gefühl, richtig Bock auf den Wettkampf und Bock darauf, ein geiles Ergebnis abzuliefern.“

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