Planungen gehen weiter Bahnhof Selb bekommt ein neues Gesicht

Die sieben Bereiche am und rund um den Bahnhof Selb-Stadt, die jetzt Gegenstand der weiteren Planung sind – auch um genauere Kosten zu ermitteln. Foto:  

Der Selber Stadtrat ebnet einer Neugestaltung den Weg. Aus dem Topf der Freundschaftswochen sind rund drei Millionen Euro vorgesehen. Und vielleicht steigt die Summe noch.

Selb - Für den Selber Bahnhof, genauer gesagt das Gelände rund um das Bahnhofsgebäude bis zur Kappel, könnten neue goldene Zeiten anbrechen. In seiner Sitzung am Mittwoch hat der Selber Stadtrat einstimmig die Weichen gestellt – wenn auch noch einiges unklar ist und vonseiten der SPD-Fraktion auch Kritik zu hören war.

Zur Vorgeschichte: Im Rahmen der Bayerisch-tschechischen Freundschaftswochen 2023 (BTFW) ist auch das Bahnhofsareal ein Projektgebiet. Wie Bauamtsleiter Helmut Resch eingangs erläuterte, sollen die bereits beschlossenen Maßnahmen – „Umfeldgestaltung Bahnhof Selb-Stadt“ und „Neuordnung Verkehrsknoten Goetheplatz“ – vorbereitet und umgesetzt werden.

Europan 15

Dazu kommt, dass das Areal auch Thema des europäischen Städtebauwettbewerbs „Europan 15“ war. Der Siegerentwurf der Architekten Roderich Eßmann, Robin Thomä und Margarita Vollmer wurde nach Reschs Worten in mehreren Workshops zu einem Nachnutzungskonzept weiterentwickelt und dem Ferienausschuss im April 2020 präsentiert. Die Ausschussmitglieder beauftragten die drei Architekten mit den Planungsarbeiten für den Quartierplatz, die Mobilitätstation, den Bahnhofsvorplatz und die Promenade (im Plan als „Birkenhain“ bezeichnet).

Resch legte nun dem Stadtrat einen mit der Regierung von Oberfranken abgestimmten Plan vor, der sieben Entwicklungsbereiche enthält. Zu jedem soll eine Entwurfsplanung erstellt werden, in der die Kosten zwar noch nicht endgültig, aber doch exakter ermittelt werden. Die Gesamtkosten für die Umsetzung würden sich auf gerundet 4,2 Millionen Euro belaufen, sagte Resch. Die Regierung hat in ihrem Bescheid vom Dezember vorläufige förderfähige Kosten von rund 2,9 Millionen anerkannt. Zusammen mit dem zehnprozentigen Anteil der Stadt Selb ergibt das Kosten von rund drei Millionen Euro.

Prioritäten

Reschs Vorschlag lautete deswegen, bei der weiterführenden Planung das Hauptaugenmerk auf den Bahnhofvorplatz, den Quartiersplatz, die Mobilitätstation sowie die Promenade/Birkenhain zu richten.

Auch auf die Finanzierung ging Resch genauer ein. Insgesamt stehen für die BTFW 12,2 Millionen Euro zur Verfügung, davon eben rund drei Millionen Euro für den Bahnhof – allerdings gedeckelt. Der Kreisverkehr werde aus anderen Fördertöpfen bezuschusst. Resch merkte aber auch an, dass möglicherweise auch beim Bahnhof Fördergelder aus der normale Städtebauförderung eingesetzt werden könnten.

Nicht zufrieden mit dem Bescheid der Regierung war Walter Wejmelka (SPD). „In gleichem Maß wie die Freude wächst, wächst auch der Unmut“, sagte der Fraktionsvorsitzende. Das Bahnhofsumfeld habe von Anfang an auf der Agenda gestanden. Jetzt biete sich die Chance, dass die Schandflecke verschwänden. Die Deckelung sei kontraproduktiv. Entweder das Projekt werde ganz umgesetzt oder werde zur Farce.

Weitere Gespräche

Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch hielt dem entgegen, dass sich die Regierung sich sehr intensiv mit den BTFW befasse und sich auch sehr flexibel gezeigt habe. Außerdem würden viele Fördertöpfe ange-zapft. „Es ist noch nicht aller Tage Abend. Wir werden weitere Gespräche führen.“

Resch führte dazu aus, dass die Regierung empfohlen habe, die Planung für alle Elemente bis zum Entwurf fortzuführen. Mit den dann konkreteren Zahlen werde man nochmal in den Stadtrat gehen und auch mit der Regierung verhandeln. Möglich seien auch Kostenverschiebungen innerhalb des Gesamtprojektes oder eben eine Förderung aus anderen Töpfen.

Anneliese Schade (Aktive Bürger) teilte Wejmelkas Bedenken nicht. Bisher sei man gut von der Regierung begleitet worden, eben auch bei der Auslotung der Fördermöglichkeiten.

Kai Hammerschmidt (SPD) fragte nach, wie viel Geld aus der großen Summe auf Personalkosten und die reinen Baumaßnahmen entfallen. Resch und Pötzsch antworteten, dass die Personalkosten der Selb 2023 gGmbH, der Ausführungsgesellschaft der Freundschaftswochen, nicht in der Gesamtsumme enthalten seien. Der zehnprozentige Anteil der Stadt an der Gesellschaft sei im Haushalt eingestellt.

Ganz neues Quartier

Christine Hippmann (CSU) fragte, ob das Bahnhofsareal wirklich eine so schöne Wohngegend sei, und spielte damit auf das Pilotprojekt des Selbwerkes an. Lieber solle man doch in der Innenstadt neu bauen oder sanieren. Oberbürgermeister und Bauamtsleiter hielten dem entgegen, dass das Selbwerk nur deswegen für das Pilotprojekt „Klimaanpassung im Wohnungsbau“ ausgesucht worden sei, weil es eben auf Recyclingflächen entstehe. „Das Areal wird ganz neu entwickelt, eben auch für Wohnbebauung und Kindergarten. Das wird ein ganz neues Quartier“, sagte Resch.

Letztlich fiel der Durchführungsbeschluss einstimmig.

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