Die Wölfe greifen wieder an Re-Start unter schwierigsten Bedingungen

Lukas Vantuch feiert an diesem Freitag gegen Heilbronn sein Debüt für die arg dezimierten Wölfe. Foto: imago images

Der Coronavirus hält den VER Selb weiter in Atem. An diesem Freitag zuhause gegen Heilbronn und am Sonntag in Frankfurt kehrt zumindest ein Teil des Teams wieder in den DEL2-Spielbetrieb zurück.

Selb - Es ist eine turbulente Zeit (nicht nur) bei den Selber Wölfen. Ein freies Wochenende zum Kraft tanken und Durchschnaufen während des Deutschland-Cups, dann noch einmal neu durchstarten: So hatte es sich der VER nach dem nicht ganz so erfolgreichen ersten Saisonviertel in der DEL2 eigentlich vorgestellt. Doch die kurze Länderspielpause entwickelte sich wegen des Corona-Ausbruchs im Lager der Wölfe zu einer dreiwöchigen Zwangspause. An diesem Wochenende kann endlich wieder der Reset-Knopf gedrückt werden. Ob aber am Freitag (19.30 Uhr/SpradeTV/Hier geht's zu unserem Liveticker) im Heimspiel gegen die Heilbronner Falken und erst recht am Sonntag (18.30 Uhr) beim Tabellenzweiten Löwen Frankfurt die sportliche Wende gelingt, erscheint doch sehr fraglich aufgrund der weiter sehr schwierigen personellen Situation und der relativ langen Trainings- und Spielpause.

Eine Hängepartie

Bis in den späten Nachmittag hinein war es am Donnerstag eine Hängepartie, ob der Re-Start überhaupt durchgeführt werden kann. „Wir müssen abwarten, ob die Spieler, die aus der häuslichen Quarantäne entlassen worden sind, beim Training wieder belastbar und einsatzfähig sind“, erklärte Vorsitzender Jürgen Golly am Vormittag. Später teilte Golly mit, dass sich einige der an Corona erkrankt gewesenen Spieler noch nicht fit genug fühlten, um am Freitag zu spielen. Und irgendwelchen Druck möchte und kann der Verein nicht ausüben. „Das muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden. Jeder muss in seinen Körper reinhorchen“, erklärte der Wölfe-Boss gegen 14 Uhr in einem weiteren Telefonat mit unserer Zeitung.

Zumindest Mindestspielstärke

Um 15.45 Uhr kam schließlich der Anruf von Co-Trainer Marc Thumm: „Wir spielen!“ Wieviele Spieler zur Verfügung stehen, wusste er zu diesem Zeitpunkt aber selbst noch nicht. Nur: „Wir werden zumindest die Mindestspielstärke aufbieten können.“ Also ein Torwart plus mindestens neun Feldspieler. Erst nach einer letzten „Trainingseinheit“ am Freitagvormittag, die wieder der am Donnerstagabend aus der Quarantäne zurückgekehrte Chefcoach Herbert Hohenberger leiten wird, werde sich entscheiden, ob noch der ein oder andere Spieler dazustößt.

Nur „Nottraining“ möglich

Erst neun Punkte auf dem Konto und Träger der Roten Laterne: Das alles spielt derzeit nur eine Nebenrolle im Lager der Wölfe, die wegen des Corona-Ausbruchs die mit Abstand wenigsten Spiele in der laufenden DEL2-Saison absolviert haben. Aus der erhofften Aufholjagd dürfte es gegen Heilbronn und in Frankfurt wegen der personellen Lage nach menschlichem Ermessen wohl noch nichts werden. Auch wenn mit Lukas Vantuch ein erfahrener Angreifer zum Team gestoßen ist. An der sportlichen Qualität des 34-jährigen tschechischen Stürmers bestehen keinerlei Zweifel. Auch menschlich wurden dem Center von seinen vorherigen Stationen – zuletzt Bad Tölz und Crimmitschau – nur positive Attribute bescheinigt. „Er macht auch einen fitten Eindruck“, sagt Marc Thumm, der in den vergangenen Tagen zusammen mit Richard Gelke das Selber „Nottraining“ geleitet hat. „Die gesunden Spieler standen jeden Tag auf dem Eis, um sich zu bewegen und fit zu halten“, erklärt Thumm. Und lobt: „Die Jungs waren sehr engagiert.“ Allerdings sei es manchmal eben nur eine Handvoll gewesen. An Taktikübungen oder ähnliches sei so nicht zu denken gewesen. Vor allem für die Neuzugänge – neben Vantuch kam, wie berichtet, der 21-jährige Lars Reuß von den Lausitzer Füchsen nach Selb – war es eine schwierige und komische Situation, sagt Thumm. „Als Neuzugang will man sich ja gerne zeigen. Das konnten sie nicht.“

Wölfe wollen kämpfen

Bei allen personellen Problemen und Sorgen: Kampflos werden die Wölfe ihren Gegnern das Eis nicht überlassen. „Es wird schon sauschwer“, sagt Thumm. „Aber wir treten in beiden Spielen an, um Punkte zu holen. Wir müssen taktisch intelligent spielen, die Kräfte einteilen und dumme Strafen vermeiden. Sonst machen wir uns kaputt“, erklärt der langjährige Selber Co-Trainer. Er erinnert sich an Spiele, die mit einem „Mini-Kader“ ganz anders gelaufen sind, als man vorher erwarten konnte. Zum Beispiel an einen Selber 3:0-Sieg vor sieben Jahren in Bad Tölz, als 700 Wölfe-Fans mit einem Sonderzug unterwegs waren.

Keine Wunderdinge zu erwarten

An einen ähnlichen Coup mag zumindest Vorsitzender Jürgen Golly, so sehr er es sich auch wünschen würde, an diesem Wochenende eher nicht glauben. „Die Jungs werden sicher alles geben. Aber wir dürfen keine Wunderdinge erwarten. Ich sehe die beiden Begegnungen eher als Vorbereitungsspiele für uns.“

Die Teststellen fehlen

Verzichten müssen die Wölfe an diesem Freitag nicht nur auf viele Spieler, sondern auch auf einen Großteil ihrer Fans. Aufgrund der neuesten Beschlüsse der Bayerischen Staatsregierung wegen der Corona-Pandemie sind in den kommenden Wochen, wie berichtet, nur 950 Zuschauer zugelassen – und die müssen nicht nur geimpft oder genesen, sondern auch getestet sein. Und gerade Letzteres ist in Selb und Umgebung mangels Teststellen noch gar nicht so einfach...

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