Diskussion in Arzberg Landwirte wollen PV-Anlagen bauen

Christl Schemm
In der Nähe der Firma Houdek im Arzberger Norden baut die Firma Eon derzeit eine große Photovoltaikanlage. Manche Stadträte sind der Ansicht, dass keine weiteren Felder mehr für Freiflächenanlagen „geopfert“ werden sollten. Foto: Christl Schemm

Ob der Arzberger Stadtrat den Projekten bei Seußen/Korbersdorf und am Trompetenberg zustimmt, ist fraglich. CSU und UPW wollen eigentlich keine weiteren Flächen mehr „opfern“.

Das wird noch spannend: Auf zwei weiteren Arealen im Arzberger Stadtgebiet könnten demnächst Photovoltaikanlagen gebaut werden. Es gibt Landwirte, die von ihnen selbst bewirtschaftete Flächen für diese Art der regenerativen Energieerzeugung nutzen und sich damit ein weiteres Standbein für ihren Betrieb schaffen wollen. Dem entgegen steht ein Antrag, den die CSU-Fraktion im Arzberger Stadtrat eingebracht hat und den die UPW mitträgt. Demnach sollen generell keine Freiflächen-PV-Anlagen rund um Arzberg mehr gebaut werden. Über den Antrag ist allerdings noch nicht entschieden.

UPW bleibt kritisch

Bei der Vorstellung der beiden aktuellen Projekte am Dienstagabend im Bauausschuss zeigte sich jedoch, dass zumindest die UPW-Fraktion den Plänen weiterhin kritisch gegenübersteht. Ob die beiden neuen Anlagen nahe Seußen/Korbersdorf und am Trompetenberg nördlich der früheren Porzellanfabrik gebaut werden, hängt also davon ab, wie UPW und CSU dann konkret votieren werden. Sollten sie sich mit ihrer Mehrheit gegen die SPD-Fraktion durchsetzen, dann sind die beiden Projekte „gestorben“. Denn auch wenn Bürgermeister Stefan Göcking ein leidenschaftlicher Verfechter alternativer Energieerzeugung ist, wird er sich an das Votum der Stadtratsmehrheit halten müssen.

Um die Pläne zu erläutern und deren Realisierung dem Gremium schmackhaft zu machen, waren sowohl Landwirte als auch Experten in die Sitzung gekommen. Manfred Striegl von der Primus Energie GmbH Regensburg, die die Projekte planen, umsetzen, später auch begleiten und selbst als Teilhaber einsteigen würde, erläuterte, warum aus seiner Sicht Freiflächen-PV-Anlagen gebaut werden sollten. Er schilderte zunächst die aktuelle Lage in Sachen Energie, verwies auf die horrenden Kostensteigerungen aufgrund der Verknappung und den starken Strombedarf, der in Zukunft noch steigen werde.

Landwirte beklagen steigende Kosten

Auch wenn Arzberg schon jetzt rein rechnerisch 250 Prozent des benötigten Stroms selbst erzeuge, sei es richtig, weiterhin regenerative Energien auszubauen. Erklärtes Ziel sei es, Konflikte zu vermeiden und daher nur Flächen für PV-Anlagen zu verwenden, die die Landwirte selbst bewirtschaften, also keine Pacht-Flächen. Bei den beiden Projekten nahe Seußen/Korbersdorf und auf dem Trompetenberg spreche nichts dagegen, dort Freiflächenanlagen zu bauen.

Jörg Marth, aktiver Landwirte aus dem Stadtteil Seußen, schilderte eindringlich, warum er und drei weitere Kollegen sich dazu entschlossen hätten, auf die Photovoltaik zu setzen und die Energiepark Seußen GmbH & Co.KG zu gründen. Zudem gebe es zwei weitere Interessenten. Als Gründe nannte er unter anderem, dass es für Landwirte immer schwerer werde, ihr Auskommen zu erwirtschaften. Die Böden in der Region erbrächten unterdurchschnittliche Erträge, müssten also bei stetig steigenden Kosten mit höherem Aufwand bewirtschaftet werden. Das Konstrukt der Betreibergesellschaft für die 33 Hektar große Anlage, die in mehrere Felder aufgeteilt ist, könne so aussehen: 50 Prozent Landwirte, 25 Prozent Primus und jeweils 12,5 Prozent Stadt und Bürger.

Zahlreiche Fürsprecher

Für die insgesamt 14 Hektar umfassenden Flächen am Trompetenberg, die im Besitz des Landwirtes Günther Purucker sind, ist laut Striegl ein Vorteil, dass die PV-Anlage auch kommunal betrieben werden könnte. Als weiterer Pluspunkt komme hinzu, dass durch den dauerhaften Bewuchs unterhalb der Module die dort bislang stark vorhandenen Erosionen und Ausspülungen bei starkem Regen reduziert werden könnten. „Das ist ein Weg, mehreren Problemen entgegenzuwirken“, sagte er. Dies bestätigten im Wesentlichen die Diplom-Biologin Dr. Heidi Lehmal und Ines Gschwindt vom Geoteam Bayreuth. Sie erläuterten zudem, welche weiteren Maßnahmen nötig sind, um die Wohnbebauung, die Bahnlinie und das gKU Winterling vor Überflutungen zu schützen. Auch Cäcilia Scheffler, die Chefin des gKU Winterling, das in der früheren „Aktien“ Flächen an mehrere Unternehmen verpachtet hat, sprach sich energisch für den Bau der PV-Anlage aus.

Bürgermeister bricht Lanze

Wenn man Nachrichten höre und sehe, müsse eigentlich jedem klar sein, wohin die Reise gehe, führte Bürgermeister Stefan Göcking als Argument pro PV-Anlagenbau an. Er verwies unter anderem auf die enormen Hitzeschäden sowie die Wasser- und Energieknappheit, um seine Haltung zu untermauern. In der sich drastisch verändernden Welt müsse die Politik einen Weg finden, die Probleme zu lösen. „Meine Meinung ist klar, die Vorträge sind schlüssig“, sagte er. „Der Stadtrat möge zum Wohl der Stadt und der Bürger entscheiden.“ Aber leider sei es bei diesem Thema so, dass Weltanschauungen diskutiert würden.

Meinungen und Nachfrage

Pro
Er sei begeistert von den Ideen, und an der lokalen Energiewende führe kein Weg vorbei, sagte Stefan Klaubert (SPD) bei der Aussprache zu den Vorträgen. Er erinnerte daran, dass sich an Bauanträgen für Gewerbegebiete kein Mensch störe. Der Stadtrat habe die Pflicht, für jetzige und nachfolgende Generationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Kontra
Hingegen meinte Bernd Fürbringer für die UPW, dass seine Fraktion keine weiteren PV-Freiflächenanlagen möchte. Falls noch weitere Anlagen gebaut würden, sei Arzberg „absolut solarlastig“. „Es ist kein grundsätzliches Nein, aber unsere Einstellung“, betonte er und führte mehrere Gründe an, die gegen die Projekte sprächen, zum Beispiel die Unsicherheit der sogenannten Nachrang-Darlehen bei Beteiligungen.

Frage
Die Frage von Günther Marth (CSU), ob für den Bau der PV-Anlagen Ausgleichsflächen geschaffen werden müssten, beantwortete Manfred Striegl mit „Nein.“

 

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