Diskussion um Design und Planung Heftige Kritik an der Ludwig-Passage

Ausgangspunkt eines Schlagabtausches zwischen Kai Hammerschmidt (SPD) und Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch: die Ludwig-Passage. Foto: /Florian Miedl

Kai Hammerschmidt nutzt eine Änderung der Ausstattung für einen Angriff auf die bisherige Umsetzung. Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch verteidigt Design und Vorgehen vehement.

Selb - An der Ludwig-Passage scheiden sich die Geister: Die Umsetzung und die relativ lange Bauzeit der Verbindung zwischen Ludwig- und Schillerstraße – nämlich seit 2017 – rufen immer wieder Kritiker auf den Plan. So auch in der Stadtratssitzung am Mittwoch: Kai Hammerschmidt (SPD) nutzte ein Änderung der Ausführungsplanung für eine Fundamentalkritik.

Ausgangspunkt war, dass in der Passage zusätzliche Pflanzflächen angelegt werden sollen – und zwar von der Schillerstraße aus gesehen auf der rechten Seite. Ein weitere Änderung gibt es bei den geplanten Spielgeräten. Anstatt der bisher vorgesehenen üblichen Spielplatz-Geräte sollen in den „Häuschen“ Geschicklichkeitsspiele aufgestellt werden, die von allen Altersgruppen genutzt werden können. Eine Kostensteigerung ergibt sich dadurch nach Aussage der Verwaltung nicht. Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch sagte, damit reagiere man auf die Anregungen aus der Bevölkerung.

Schlechtes Design

Ganz und gar nicht zufrieden zeigte sich Hammerschmidt mit dem Gesamtprojekt: „Hier haben wir uns nicht mit Ruhm bekleckert.“ Er kritisierte die Wandmalerei und das allgemeine Design. „Nicht jeder, der einen Pinsel halten kann, ist auch ein Maler.“ Zur Erinnerung: Der Kunstverein Hochfranken Selb hatte im Rahmen des deutsch-tschechischen Projekt „Wir 2“ ein Wandbild gestaltet, das die Verbindung der Städte Selb und Asch hervorhebt.

Nach Hammerschmidts Meinung seien auch die ständigen Umplanungen und -bauten durchaus vermeidbar gewesen. Grundsätzlich sei die Passage designmäßig ein Durcheinander und schlecht gemacht – und das merke auch die Bevölkerung. Bei zukünftigen Projekten solle man mehr Wert auf eine besseres Design legen. In die Kritik bezog er sich selbst mit ein: „Vielleicht waren wir zu oberflächlich. Die ständigen Umbauten sind der Beweis dafür.“ Nächstes Mal müsse man mit mehr Herzblut an solche Projekte gehen.

Verbesserung

Das wollte Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch so nicht stehen lassen. Er erinnerte daran, dass an dieser Stelle früher ein Gebäude gestanden habe, das in einem schlechten Zustand gewesen sei. Dafür habe man nun eine Verbindung von der Innenstadt zur Schillerstraße, wobei es dafür ja auch Förderung gegeben habe. Auch die Planung verteidigte Pötzsch: „Wir sind da vorbildlich rangegangen.“ Immerhin sei die Passage im Masterplan-Prozess ausgiebig öffentlich von den Bürgern diskutiert worden. Daraus sei ein Architektenentwurf hervorgegangen, den man guten Gewissens im Stadtrat verabschiedet habe. Schon allein deshalb würde er sich dafür nicht entschuldigen wollen. Die Passage sei barrierefrei zugänglich, biete Verweilmöglichkeiten und eine Platz-Situation an der Ludwigstraße: „Das alles ist sehr gut umgesetzt.“ Allerdings sei noch nicht alles fertig. So werden die Häuschen noch eine Überdachung bekommen, es sollen noch rankende Gewächse gepflanzt werden und es fehlten eben auch noch die Geschicklichkeitsspiele.

Etwas Besonderes

Grundsätzlich sei die Ludwig-Passage eine deutliche Verbesserung. Und auch in Sachen Design brach der Oberbürgermeister eine Lanze für das Projekt: In der Passage gebe es eben nicht das Übliche und Konventionelle, sondern etwas Besonderes, „das auch zu unserem Designanspruch passt“.

Wolfgang Kreil sagte, die Meinung seiner Fraktion gehe eher in Hammerschmidts Richtung. Allerdings räumte er ein, dass die Passage „aus der Not geboren“, wenn auch das Ergebnis unbefriedigend sei. Aber zumindest roste die Kunst dort nicht. Zurzeit habe die Passage wenig Charme, vielleicht werde sie jetzt etwas charmanter. Er fragte, ob die geplante Überquerungsmöglichkeit der Schillerstraße noch verfolgt werde. Die sei weiterhin Ziel, sagte dazu Bauamtsleiter Helmut Resch. Der Antrag zu Änderung der Planung wurde übrigens einstimmig beschlossen.

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