Durchatmen in Klassenzimmern Selb kauft Luftreiniger für Schulen

Wie hier an der Dr.-Franz-Bogner-Grund- und Mittelschule sollen auch in der Luitpold-Grundschule und der Grundschule Erkersreuth die Klassenzimmer mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet werden. Foto: Florian Miedl

Die Stadt möchte 70 Klassenzimmer mit bis zu je zwei Geräten ausstatten. Kostenpunkt: bis zu 420 000 Euro. Die Frage ist, wer künftig die Wartung übernimmt.

Selb - Die Stadt Selb wird mobile Luftreinigungsgeräte für die drei Grundschulen und die Mittelschule anschaffen. Einig waren sich die Stadträte in der jüngsten Sitzung, die Geräte nicht zu leasen. Noch nicht ganz geklärt ist die Wartung der Luftreiniger.

Als vor rund einem Jahr Luftreinigungsgeräte für Schulen in den Fokus gerückt waren, habe die Stadt Selb zunächst abgewartet, sagte Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch. „Im Sommer wurde die Diskussion politisch wieder vorangetrieben. Das hat uns dazu veranlasst, die Situation neu zu überdenken.“ Zu Testzwecken wurden in der Dr.-Franz-Bogner-Grund- und Mittelschule, der Luitpold-Grundschule und der Grundschule in Erkersreuth je zwei Luftreinigungsgeräte in Betrieb genommen. Die kurze Testphase fiel zufriedenstellend aus, und alle drei Schulleiter befürworten die Ausstattung der Schulen mit den Geräten. Die allerdings sollten zügig bestellt werden, da die Verantwortlichen – Verwaltung und Schulleiter – nicht nur mit einer vierten Corona-Welle, sondern auch mit Lieferengpässen rechnen. Rückfragen bei den Herstellern hätten ergeben, dass die Geräte derzeit neu produziert werden müssten und voraussichtlich nicht vor Weihnachten ausgeliefert werden könnten.

3000 Euro pro Gerät

Laut Hauptamtsleiterin Nicole Abraham sind jedoch noch einige Details zu prüfen. So sei unter anderem die genaue Anzahl der benötigten Luftreiniger noch nicht genau bekannt. Deswegen, und um flexibel reagieren zu können, bemächtigte der Stadtrat den Oberbürgermeister, nach der Prüfung der Angebote, die Geräte zu bestellen.

Bei rund 3000 Euro pro Luftreiniger und 70 Klassenzimmern betragen die Kosten bestenfalls 210 000 Euro. Die Summe kann sich auf 420 000 Euro verdoppeln, sollte es nötig sein, zwei Geräte pro Klassenzimmer zu installieren. Die Bayerische Staatsregierung fördert die Anschaffung zu 50 Prozent, wobei die Förderung auf 1750 Euro pro Klassenzimmer gedeckelt ist. „Bei 70 Klassen- und Fachräumen entspricht das einer Gesamtförderung von maximal 122 500 Euro“, sagte Nicole Abraham. Grundsätzlich können die Luftfiltergeräte auch geleast werden. Der Haken an der Sache: Weil die Geräte nach der Leasingdauer nicht an den Hersteller zurückgegeben werden können, entstehen durch die Begleichung des Restwertes Mehrkosten. „Voraussetzung für die Förderung ist eine regelmäßige und fachkundige Wartung der Geräte“, sagte Nicole Abraham. Generell müsse jedes Jahr der Aktivkohle-Filter und alle zwei Jahre der HEPA-Filter gewechselt werden.

Defizit im Schulbudget

Die Wartung der getesteten Luftreiniger durch den Hersteller schlägt im ersten Jahr mit rund 518 Euro für das erste und 303 Euro für jedes weitere Gerät zu Buche. Im zweiten Jahr – da steht eine große Wartung an – belaufen sich die Kosten für einen Apparat auf 750 Euro und für jeden weiteren auf 563 Euro. Allerdings besteht laut Hauptamtsleiterin Abraham auch die Möglichkeit, Wartungssets beim Hersteller zu beziehen. Die Kosten im ersten Jahr pro Gerät 220 Euro und im zweiten Jahr 506 Euro. Die Wartungskosten sollen über das jeweilige Schulbudget finanziert werden. „Die Budgets werden in diesem Jahr durch die Anschaffung der mobilen Luftreiniger ein erhebliches Defizit aufweisen“, sagte Nicole Abraham. Das aber solle im Haushalt 2022 wieder ausgeglichen werden.

Stadtrat will abwarten

Natürlich seien die Aktiven Bürger dafür, die Geräte anzuschaffen, sagte Fraktionsvorsitzender Klaus von Stetten. „Auch wenn die Wirkung nicht belegt ist.“ Er schlug vor, mit dem Abschluss eines Wartungsvertrags abzuwarten und eventuell bessere Konditionen für alle Standorte auszuhandeln. Auch Kai Hammerschmidt (SPD) sprach sich dafür aus, die Entscheidung nicht im Vorfeld zu treffen. Walter Wejmelka (SPD) erkundigte sich, ob genug eigenes Personal für die Wartung der Geräte vorhanden sei. An allen Schulen gebe es technische Hausmeister, sagte Pötzsch darauf. „Die Anschaffung ist getragen von der Hoffnung, dass sie den Kindern Schutz bietet, und getrieben von den Pressekonferenzen der Politik“, sagte Wolfgang Kreil (CSU). Es sei zu prüfen, ob genug eigenes Personal für die Wartung vorhanden sei, sagte er. Carsten Hentschel (CSU), selbst Lehrer, gab zu bedenken, dass die Hausmeister viele Überstunden vor sich herschieben würden. Im Übrigen war er der Meinung, dass CO2-Ampeln ausgereicht hätten. Roland Schneider (FWS) mahnte, die Lautstärke der Geräte zu beachten. Matthias Müller fragte nach, ob die Stromnetze an den Schulen für die zusätzlichen Verbraucher ausgelegt sind. Das bejahte Pötzsch. Seinem Vorschlag, den Wartungsvertrag solange hintenan zu stellen, bis die Luftreiniger ausgeliefert sind, stimmte der Stadtrat zu.

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