Ehrenamt in Hohenberg Der schwierige Weg zum Bolzplatz

Ehrenamtler bauen in Neuhaus einen kleinen Fußballplatz. Sie kümmern sich um Finanzierung und Ausführung, scheitern aber fast an der Bürokratie.

Eigentlich wollten die Fußballfreunde Neuhaus nur einen Bolzplatz bauen – hauptsächlich in Eigenleistung und mit Spenden finanziert. Was daraus wurde, ist in erster Linie ein Lehrstück in Sachen Bürokratie. Dass nun der Nachwuchs des Dorfes letztendlich doch einen Fußballplatz hat, ist vielen helfenden Händen zu verdanken und dem in der Stadt Hohenberg überdurchschnittlich hohen ehrenamtlichen Engagement.

19 000 Euro Kosten

Zwar gibt es bereits einen Bolzplatz in Neuhaus, doch der Weg dorthin über die viel befahrene Kreisstraße ist für die Kinder nicht ungefährlich. Außerdem liegt er weit entfernt vom Wohngebiet, und jegliche spielerische Finesse geht im von Wildschweinen umgegrabenen und von Wurzeln durchzogenen Boden unter. Also dachten sich die Fußballfreunde Anfang vergangenen Jahres: Warum nicht einfach einen neuen Bolzplatz bauen? Den dafür notwendigen Grund stellten die Familien Holger und Oliver Möschl kostenlos zur Verfügung. Die Fläche unweit der Wohnbebauung sollte begradigt, angesät und darauf sollten Tore aufgestellt werden. Für die Planung und Berechnung der Kosten boten Achim Achziger und Sascha Kamm von der Firma Fröber ihre Hilfe an: Die Geländeprofilierung und der Einbau der Drainagen sollten mit 10 000 Euro zu Buche schlagen; rund 1800 Euro waren für das Ansäen der Fläche durch den Maschinenring veranschlagt, die Kosten für die Tore und einen Teil des Fangzauns summierten sich auf 7150 Euro. „Somit standen für den geplanten Bau des Bolzplatzes rund 19 000 Euro im Raum“, bilanziert der Hohenberger Bürgermeister Jürgen Hoffmann.

Es muss flott gehen

Ein Glücksfall war, dass das Amt für ländliche Entwicklung gerade das Regionalbudget aufgelegt hatte, mit dem Kleinprojekte bis zu einer Summe von 20 000 Euro gefördert werden können. Der Höchstfördersatz liegt bei 10 000 Euro. Um den Eigenanteil zu reduzieren, reichten die Fußballfreunde beim Landratsamt Wunsiedel zusätzlich einen Leader-Antrag zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements ein: Somit sank der Eigenanteil um weitere 2500 Euro. Darüber hinaus hatte die Interessengemeinschaft Neuhaus (IGN) eine Unterstützung in Höhe von 3000 Euro zugesagt. „Das ist ein Vorzeigeprojekt“, sagt Jürgen Hoffmann. „Alle Vereine und auch Privatleute haben sich eingebracht und gespendet.“

Allerdings musste es flott gehen: Im März 21 wurde der Förderantrag für das Regionalbudget bei der Brückenallianz Bayern-Böhmen gestellt, doch die verlangte – so wollen es die Förderrichtlinien – bis spätestens zum 31. September einen Nachweis über die Verwendung der Gelder sowie Fotos des fertigen Bolzplatzes. Prinzipiell machbar, wäre nicht eine Baugenehmigung nötig gewesen, die eben, nachdem alle Auflagen erfüllt waren, erst am 2. September eintrudelte. Zwei Probleme ergaben sich daraus laut Bürgermeister Hoffmann: „Erstens wartet keine Baufirma sechs Monate, um endlich mit den Arbeiten in Neuhaus beginnen zu können, und zweitens waren dann für die Umsetzung nur noch vier Wochen Zeit.“ Dass nun doch junge Fußballerinnen und Fußballer über den Rasen flitzen, ist den vielen Helfern geschuldet, die ihre Freizeit und Arbeitskraft in den Bolzplatz investierten. Übrigens: Den für den für die Förderung ausschlaggebenden Durchführungsnachweis hat Bürgermeister Jürgen Hoffmann am letztmöglichen Tag persönlich bei der Brücken-Allianz abgegeben.

Birne, Kirsche, Apfel und Zwetschge

Die Ausgleichsfläche ist mittlerweile auch angelegt. Auf der 500 Quadratmeter großen Restfläche des Grundstücks wurde eine Streuobstwiese mit Birne, Süßkirsche, Äpfel und Zwetschge angelegt. „Das ergänzt sich prima“, findet Hoffmann.

Bewässert wird die Anlage mit Regenwasser, das in einer Zisterne gesammelt wird. Die Pflege übernehmen die Fußballfreunde Neuhaus. Um den Bolzplatz der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen zu können, brauchte es noch eine Vereinbarung zwischen Stadt und Fußballfreunden. Denn, „wenn jemand schon seinen Grund kostenlos der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, dann sollte er zumindest vom Haftungsrisiko befreit werden“, sagt der Hohenberger Bürgermeister.

Lehrstück in Sachen Bürokratie

Viele Auflagen
„Es gibt Regeln, an die man sich halten muss, das ist klar, und natürlich muss alles rechtssicher sein“, sagt der Hohenberger Bürgermeister Jürgen Hoffmann. „Wenn aber ein solches Projekt mit derart vielen Tücken behaftet ist, ist es logisch, dass sich Ehrenamtler das nicht mehr antun wollen.“ Und wer weiß, ob sich die Neuhauser Fußballfreunde all die Arbeit aufgebürdet hätten, hätten sie gewusst, was auf sie zukommt: Geh- und Fahrtrechte mussten notariell gesichert, eine Eingriffsbilanzierung nach der Bayerischen Kompensationsverordnung vorgenommen und die Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes eingehalten werden. um nur einige Hürden zu nennen. Für die Baugenehmigung war außerdem noch eine „Bescheinigung nach § 21 Prüfverordnung Bau“ notwendig. Als besonderer Ansporn und fett gedruckt unter dem amtlichen Reglement der Hinweis auf eine Geldbuße von bis zu einer halben Million Euro, sollten die Fußballfreunde irgendeine Auflage nicht beachten. „Es ging um ein ehrenamtliches Projekt, da muss man doch den Ball mal flach halten können“, sagt Jürgen Hoffmann.

Autor

 

Bilder