Ehrung für Eugen Gomringer Ein Leben für Kunst und Poesie

red
Der 97-jährige Eugen Gomringer hat am Freitag eine hohe Auszeichnung des Freistaates Bayern erhalten, überreicht vom Rehauer Bürgermeister Michael Abraham Foto: /Privat

„Pro meritis scientiae et litterarum“ – diese Auszeichnung hat der Freistaat Bayern an Eugen Gomringer verliehen. Dies würdigt seine Lebensleistung als Vermittler von Kunst und Wissenschaft.

Rehau - Er gilt als der Begründer der Konkreten Poesie: Eugen Gomringer aus Rehau. Am Freitag hat er im Kunsthaus Rehau die Auszeichnung „Pro meritis scientiae et litterarum“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst erhalten, überreicht von Bürgermeister Michael Abraham. Am Tag vor der Überreichung ist Gomringer 97 Jahre alt geworden. Abraham trug die Würdigung des Ministers Bernd Sibler vor: „Sie haben mit der Konkreten Poesie Literaturgeschichte geschrieben. Bei Ihnen wird die Sprache zum künstlerischen Baustoff. Durch die besondere Anordnung der Buchstaben und Wörter entsteht eine eigene künstlerische Realität. Ihre ‚Konstellationen‘ sind aus dem Kanon der modernen Lyrik nicht mehr wegzudenken.“ Der Freistaat würdigt laut einer Mitteilung des Ministeriums Gomringers Verdienste mit besonderer Betonung des Brückenschlags zwischen Kunst und Wissenschaft, der dem Schriftsteller und Künstler, Herausgeber, Kunstsammler, Werbetexter, Institutsgründer und Hochschullehrer im Laufe seines Lebens in besonderer Weise gelungen ist. Gomringer war Sekretär des Malers Max Bill an der Hochschule für Gestaltung Ulm, begründete die Zeitschrift „Spirale“ und die „gomringer press“, gab die Buchreihe „konkrete poesie – poesia concreta“ heraus, war Leiter des Schweizer Werkbundes, Kulturbeauftragter bei Rosenthal in Selb, Werbetexter der Schweizer Warenhauskette ABM und 13 Jahre lang Professor für Theorie der Ästhetik an der Kunstakademie Düsseldorf. Er verfasste zahlreiche theoretische Arbeiten und führte unzählige Korrespondenzen. Neuere Ausstellungen waren „Gomringer & Gomringer“ über ihn und seine Tochter, die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nora Eugenie Gomringer, 2016 in Zürich und „Konkrete Poesie/poesia concreta – Eugen Gomringer, Augusto de Campos und Freunde“ 2019/2020 in Rüsselsheim.

In Rehau baute Gomringer mit seiner im Dezember 2020 verstorbenen Nortrud Gomringer ein Archiv und Sammlungen auf; daraus entstand das international renommierte „institut für konstruktive kunst und konkrete poesie“ (ikkp). Zudem bildete die von ihm zusammengetragene Sammlung den Grundstock des Ingolstädter Museums für Konkrete Kunst. „Sie haben Einrichtungen von künstlerischer und kunstvermittelnder Strahlkraft in Bayern möglich gemacht“, stellt Sibler heraus. „Ihre Werke werden bleiben. Und Sie werden Avantgarde bleiben.“

 

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