Eigener Inhalt Mit Stromes Hilfe

Wer Hand an sein wichtigstes Modell legt, sollte behutsam zu Werke gehen. Das weiß man nicht nur in Ingolstadt. Lass’ gut sein, wäre also für die Auffrischung des A4 eine vertretbare Devise gewesen. Schließlich könnte jeder beherzte Schritt auch einer weg sein von dem, was 7,5 Millionen Kunden in 25 Jahren schätzen gelernt haben. Und was, wenn nicht Verlässlichkeit, sollte man preisen in einer Zeit, da die Welt zunehmend aus den Fugen gerät?

So gesehen haben sie sich bei Audi richtig was getraut. Nur sehr oberflächlich betrachtet ist der 4,76 Meter lange Neue bloß der Alte mit flacherem Grill. Genau hingesehen duckt er sich mit geneigterer C-Säule, spannt die Schultern zwischen breiteren Radhäusern und blickt auffordernd aus LED-Leuchten. Manchmal steckt Eleganz eben im Detail.

Auch im Innenraum. Alles klassisch gediegen, und Platz hat es vorne und hinten reichlich. Mit dem optionalen Head-up-Display gibt’s alles Wichtige direkt auf die Scheibe, Radio und Navi lassen sich auf Wunsch per Sprache steuern – und wer mag, kann sich ein digitales Cockpit gönnen. Vernetzt ist der A4 ohnehin.

Beim Vortrieb setzt Audi verstärkt auf elektrische Assistenz. Fünf der acht zum Marktstart offerierten Motoren arbeiten neben dem Turbo auch spannungsgeladen. Die Zwei-Liter-Benziner (150, 190 und 245 PS) erfahren Unterstützung durch einen 12-Volt-Generator, ebenso die Selbstzünder mit 136 und 163 PS. Komplettiert wird das Programm von zwei reinen Verbrenner-Dieseln – einem Zwei-Liter mit 190 PS und einem Drei-Liter mit 231 PS. Schließlich ist der A4 auch in Vielfahrer-Flotten gerne gesehen.

Für die Kraftübertragung – je nach Modell auf eine oder zwei Achsen – bietet Audi eine sanft sortierende Sieben-Stufen-Automatik. Den kleinsten Benziner sowie den 190-PS-Selbstzünder gibt es auch mit Sechs-Gang Schaltgetriebe. Die achtstufige Tiptronic ist für den Top-Diesel reserviert – zusammen mit dem dort serienmäßigen quattro-Antrieb.

Mit stabilem Fahrwerk und präzisem Volant fährt sich der A4 gutmütig bis hinein ins kontrollierte Untersteuern. Im Angebot ist auch eine Dynamik-Lenkung mit variabler Übersetzung. Dass – je nach Tempo – Lenkeinschlag dann nicht mehr gleich Lenkeinschlag ist, muss man allerdings auch mögen. Der Rest ist eine Frage von Anspruch, Zweck – und selbstverständlich Budget. Wer nicht nach Rundenzeiten giert, ist mit den Basismodellen bestens bedient.

Doch Audi war immer auch S. Das ist hier nicht anders – und irgendwie doch: Erstmals nämlich vertraut Audi für sein Top-Modell ausschließlich auf einen V6-Diesel mit 48-Volt-Unterstützung und 347 PS, der den Standard-Spurt in 4,8 Sekunden erledigt.
Den V6-Benziner mit 354 PS gibt es nur außerhalb Europas.

Für den großen Auftritt greift Audi zu einem elektrischen Verdichter, wie er einst im V8 des SQ7 debütierte. Schnell wie ein Wimpernschlag liegt dort einen Hauch jenseits des Leerlaufs Ladedruck aus 70 000 Umdrehungen an, bis eine Sekunde später der heiße Abgasstrom die konventionellen Lader auf Touren bringt. Auch dafür braucht es die höhere Spannung.

Im V6 des S4 indes kann das beflügelnde Rädchen nicht so brillieren. Das Turbo-Loch spürt man zwar nur mehr als Mulde, gänzlich verfüllen aber lässt es sich nicht. Trotzdem beeindruckt der S4 mit üppiger Beschleunigung und – dank straffem Sportfahrwerk und 18-Zöllern – ausgezeichnetem Handling. Wer’s noch dynamischer haben will, für den hält Audi zusätzlich ein ausgeklügeltes Sperrdifferenzial für die Hinterachse bereit.

Allen, die gerne mal neben der Spur sein wollen oder müssen, sei der A4 allroad quattro ans Herz gelegt. Unterfahrschutz, beplankte Kotflügel, vor allem aber Allradantrieb, größere Räder und dreieinhalb Zentimeter mehr Luft nach unten nehmen auch schwererem Geläuf den Schrecken. Auch in dieser Version packt der Avant knapp 500 Liter weg, bei umgeklappter Rücksitzlehne sind es sogar eineinhalb Kubikmeter.

Der Einstieg in die A4-Familie beginnt bei 33 600 Euro, für den S4 muss man mit mindestens 62 600 Euro schon fast das Doppelte anlegen (Avant-Versionen jeweils plus 1650 Euro). Der Schlechtwegerich allroad quattro ist ab 50 100 Euro zu haben.

Leider ist das noch nicht das Ende. Der A4 bietet zwar Technologie der Oberklasse – aber fast ausschließlich gegen Aufpreis. Wenn man es sich leisten mag und kann, hält Audis Jüngster artig Spur und Abstand, äugt achtsam in den Querverkehr, und per Schlau-Navi auch drei Kilometer voraus. Immerhin: Front-Assist inklusive City-Notbremse ist stets an Bord. Und Fußgänger erkennt Audis Jüngster auch.

Es halt ist wie im richtigen Leben: Spaß kostet extra.

 

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