Ein seltenes Trio Hofer Drillinge halten Eltern auf Trab

Wenn sie in der Stadt unterwegs sind, ziehen sie alle Blicke auf sich: die sechs Monate alten Drillinge Abdullah, Hussein und Zeinab.

Die Drillinge Abdullah, Zeinab und Hussein (von links) haben die Welt ihrer Eltern Mohamad Al-Boustani und Douha Balhas aus den Kopf gestellt. Foto: /Ertel

Hof - Mohamad Al-Boustani und Douha Balhas wollten eigentlich eine Durchschnittsfamilie sein: zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen vielleicht, Hauptsache gesund. „Aber Gott hat uns drei Kinder auf einmal geschenkt“, sagt Mohamad Al-Boustani, der mit seiner großen Familie in einer kleinen Wohnung Hof lebt. Er und seine Frau sind dankbar und froh über ihre Kinder Abdullah, Hussein und Zeinab – auch wenn das Leben mit drei Babys wahrlich kein Zuckerschlecken ist.

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Die Eltern stammen aus einem Dorf im Libanon nahe der Stadt Tyros. Mohamad Al-Boustani lebt schon seit knapp 14 Jahren in Deutschland. Während seiner regelmäßigen Besuche in der Heimat lernte er seine Frau kennen und lieben: „Sie lebte in der gleichen Straße und sah mir dauernd hinterher“, scherzt Mohamad Al-Boustani.

Die beiden heirateten im Libanon, im Rahmen der Familienzusammenführung kam Douha Balhas Anfang 2020 nach Hof. Wegen der Corona-Pandemie konnte sie aber bislang keine Integrationskurse besuchen und spricht deshalb nur ein paar Brocken Deutsch, während ihr 36-jähriger Ehemann die Sprache inzwischen gut beherrscht.

Beide sind in kinderreichen Familien aufgewachsen: Er hat sieben Geschwister, sie fünf. Auch das junge Paar wünschte sich Kinder, doch es klappte nicht ohne Hilfe. So entschieden sich die beiden für eine künstliche Befruchtung, die im Libanon vorgenommen wurde.

Diese war erfolgreich: Alle Embryonen haben sich eingenistet. Damit haben die werdenden Eltern nicht gerechnet, erzählen sie. „Die Ärzte boten uns an, einen oder zwei zu entfernen, aber das kam für uns nicht infrage“, sagt der Vater.

Die ersten drei Monate der Risiko-Schwangerschaft musste die junge Mutter im Liegen verbringen. „Wir haben uns riesig über die Drillinge gefreut, hatten aber auch Angst, dass eines der Kinder eine Behinderung hat oder es nicht schafft“, sagt der Vater. Doch alle drei Babys haben sich gut entwickelt, auch der werdenden Mutter ging es während der siebenmonatigen Schwangerschaft gut – abgesehen davon, dass sie wegen ihres großen Babybauchs schlecht Luft bekam.

Als Frühchen kamen die Drillinge dann in der 30 Schwangerschaftswoche im Bayreuther Klinikum am 19. August per Kaiserschnitt zur Welt. Hussein war mit knapp 1200 Gramm der leichteste, er ist auch heute noch der Kleinste der Geschwister. Seine Schwester Zeinab und sein Bruder Abdullah wogen jeweils knapp 1500 Gramm. Es folgte eine Zeit voller Sorge und voller Freude für die Eltern. Nach acht Wochen durften die Kinder das Klinikum verlassen.

Drillingsgeburten sind sehr selten: Denn die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege zwei- oder dreieiige Drillinge zu bekommen, liegt bei eins zu 7000. Bei eineiigen Drillingen liegt sie sogar bei eins zu 200 Milliarden. Das Bayerische Landesamt für Statistik verzeichnet für das Jahr 2020 46 Drillings-Geburten bei insgesamt 128 764 Geburten. Zwillingsgeburten sind im Vergleich dazu häufig: Davon gab es im Jahr 2020 in Bayern 2184 – im Landkreis Hof waren es sieben. Aktuell ist der Landkreis vergleichsweise reich mit Drillingen gesegnet: In Stammbach und in Münchberg leben noch weitere Drillings-Geschwister, wie Regine Schwarzer berichtet.

Mittlerweile sind die drei fast ein halbes Jahr alt und halten ihre Eltern auf Trab. Vor allem die 28-jährige Mutter Douha Balhas hat seit der Geburt der Kinder kaum geschlafen. Auf die Frage, wie es ihr mit den drei Kindern geht, zuckt sie nur mit den Schultern und lächelt müde. Ihre Augenringe sprechen aber eine deutliche Sprache. Still sitzen kann die Mutter nicht, sie ist dauernd dabei, die Bedürfnisse der Kinder zu befriedigen, ihnen abwechselnd Fläschchen, Liebe und Wärme zu geben.

Ihr Ehemann, der als Autoverkäufer arbeitet, unterstützt seine Frau, wo er kann – im Haushalt und mit den Kindern. „Dennoch ist meine Frau die ganze Zeit mit den drei Babys beschäftigt. Sie kann sie einfach nicht aus den Augen lassen.“ Zeit zum Ausruhen nehme sie sich nicht.

Während Zeinab Hunger hat, muss Hussein gewickelt werden und Abdullah weint, weil er ein Bäuerchen machen muss. Ein Glück, dass Regine Schwarzer der Familie zur Seite steht.

Dreimal in der Woche kommt die Familien- und Mütterpflegerin von KoKi, der Koordinierenden Kinderschutzstelle in Stadt und Landkreis Hof, für mehrere Stunden vorbei. „Bei Drillingen ist jede Hand gefragt“, sagt sie. Ihre Hauptaufgabe ist, Familien oder Alleinerziehende bei der Pflege des Babys zu unterstützen, in Gesundheitsfragen zu beraten und bei der Organisation des Haushalts zur Seite zu stehen. Sie entlastet bei der Kinderbetreuung oder begleitet zu Ärzten. „Wenn die Mama mal duschen oder sich etwas ausruhen will , kümmere ich mich um die Kinder“, erklärt Schwarzer.

Die Babys gucken zufrieden, die kleine Wohnung der Familie ist blitzeblank, die junge Mutter sieht trotz der Müdigkeit gepflegt aus. Das bewundert die Mütterpflegerin: „Die Mama ist wirklich taff. Unglaublich, wie sie das schafft.“

Auch finanziell kommt die Familie gut über die Runden, erzählt der Vater: „Ich arbeite ja und wir bekommen Kindergeld.“ Schwierig ist es für die Familie, die im zweiten Stockwerk lebt, mit den Kindern aus dem Haus zu kommen. Der Aufwand, alle drei winterfest anzuziehen und in den Kinderwagen zu tragen, ist groß. Wenn die Familie dann unterwegs ist, zieht sie alle Blicke auf sich: „Die Passanten sprechen uns an und wollen die Kinder bewundern.“

Bald will die Familie umziehen, wenn eine größere Wohnung im Erdgeschoss gefunden ist. Weitere Kinder plant das Paar nicht: „Ich hoffe, dass wir in drei Jahren aus dem Gröbsten raus sind“, sagt der Vater.