Zwölf oder mehr Jahre haben sie darauf hingearbeitet, jetzt halten sie es endlich in der Hand: Das Abiturzeugnis, garniert mit einer Rose und jeder Menge Glückwünsche.
Die Absolventen des Walter-Gropius-Gymnasiums Selb haben ihre Zeugnisse in der Tasche. Nun feierten sie ihren offiziellen Abschluss.
Zwölf oder mehr Jahre haben sie darauf hingearbeitet, jetzt halten sie es endlich in der Hand: Das Abiturzeugnis, garniert mit einer Rose und jeder Menge Glückwünsche.
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Bevor die 60 Absolventen in die lang ersehnte Freiheit entlassen werden, feiern sie gemeinsam eine lebendige Abiturfeier im alten Stil. Ihre letzte Schulveranstaltung beginnt mit einem festlichen Gottesdienst. Die Religionslehrer Andrea Münster, Ulrike Hoffmann, Matthias Grimm und Alexandra Griebel widmen ihn der Frage, was die Schüler wohl alles aus der Schulzeit mitnehmen werden.
Die Zeugnisübergabe findet im Atrium des Walter-Gropius-Gymnasiums (WGG) statt. Eloquente Reden und klassische Musikbeiträge umrahmen die festliche Veranstaltung.
Das Abi-Motto „Abi looking for Freedom“ greift die Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann in ihrer Ansprache auf. Sie zeigt, wie wichtig die Freiheit eigentlich ist: „Ihr dürft in einer Demokratie aufwachsen, in einem friedlichen Land. Welch unsagbar schönes Geschenk.“ Dabei geht sie auch auf Russlands Angriffskrieg ein: „Wie fragil diese Freiheit ist, erleben wir grade direkt vor unserer Haustür. Es wird eure Aufgabe sein, den Frieden und die Freiheit aufrechtzuerhalten.“
Die massiven Herausforderungen der vergangenen zwei Jahre bringt Elternbeirat Roman Pausch auf den Punkt: „Wichtige Jahre des Erwachsenwerdens waren geprägt von Lockdowns, Homeschooling, Videokonferenzen und sozialer Distanzierung. Das hat viel Improvisation und Engagement gefordert.“ Dass man trotz erschwerter Bedingungen eine starke Leistung ablegen kann, zeigen die 26 Einserschüler.
Landtagsabgeordneter Martin Schöffel lenkt in seiner Ansprache von den aktuellen Problemen wie dem Krieg, der Corona-Pandemie, der Klimakrise und den wirtschaftlichen Sorgen ab. Dabei gibt er den Abiturienten einen heimatbezogenen Appell mit auf den Weg: „Vergesst eure Freunde nie! Vergesst eure Heimatstadt nicht! Vergesst das Fichtelgebirge nicht!“ Damit will er auch sagen, dass es in der Region sehr gute berufliche Perspektiven gibt. Diese Meinung vertritt auch der Selber Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch: „Ihr seid die ‚Generation Z’. Ihr seid diejenigen, auf die wir (die Region) aufbauen. Ihr seid diejenigen, die wir brauchen. Wir warten auf euch und sind dankbar, dass wir euch haben!“
Wolfgang Kreil gratuliert den Absolventen ebenfalls mit einer zitatreichen Ansprache um das Geld-Verdienen. Er vertritt an diesem Tag den Landrat Peter Berek.
Bei einer erfolgreichen Abiturfeier dürfen natürlich auch viele Erinnerungen nicht fehlen. Aus diesem Grund hält Abiturient Dominik Heinrich eine emotionale, aber humorvolle Abirede. Gerne würde er von der Abifahrt sprechen, doch „welche Abifahrt?“ Es gab keine. Auch über die Fahrt in der zehnten Klasse nach Berlin würde Dominik Heinrich gerne berichten. Doch der Abiturjahrgang 2020/2022 konnte auch „nicht mehr über das geballte deutsche Kulturgut und die Politik erfahren“. Zusammengefasst haben die letzten zwölf langen Jahre laut Heinrich hauptsächlich aus Prüfungen bestanden.
Dennoch zeigt der „Noch-Schüler“ in seiner Rede zur Entlassfeier auch Dankbarkeit: „Die ein oder andere Fahrt hatten wir trotzdem. Zum Beispiel das Schullandheim in der fünften Klasse, die beiden Skilager und die sehr religiösen Einkehrtage in der neunten Klasse.“
Ein paar lustige Anekdoten aus seiner Schulzeit fallen dem Abiturienten ebenfalls ein: „Erinnert ihr euch noch, wie wir vom Lehrer alleine gelassen wurden und fast ein Tisch aus dem Fenster ‚verloren gegangen’ wäre? Oder wie wir im Chemieunterricht die Serie ‚Breaking Bad’ nachstellen wollten?“
Etwas trauriger wird die Rede, als Dominik Heinrich sagt: „Die eigentlich besten Tage unserer Schulzeit waren wir nicht in der Schule – sondern zuhause im Homeschooling. Trotzdem sind wir geblieben und darauf bin ich stolz!“
Nach einem kurzen Exkurs durch die derzeitigen globalen Probleme hält der Absolvent fest: „Wir sind die, die Welt verändern müssen. Wir sind die ‚Kings und Queens’ dieser Welt. Wir sind sozial informell und physisch vernetzter denn je. Wir haben freien Zugang zum Internet – unserer größten Bibliothek. Wir sind die Kinder des Homeschoolings, die es unter schwersten Voraussetzungen geschafft haben, das Abitur abzulegen. Allein das ist eine unfassbare Leistung, auf die wir stolz sein können.“
Anschließend steht jeder einzelne Abiturient im Rampenlicht und holt auf der Bühne sein Zeugnis ab. Im Hintergrund laufen verschiedene Songs, die das Leben und Leiden der Schüler in den vergangenen Jahre abbilden. Mit dem Abi in der Tasche gehen die Absolventen schließlich ein letztes Mal durch die Tür des Schulhauses und verlassen das WGG.