Um Punkt 16.30 Uhr 2016 Mitteleuropäischer Zeit ist es soweit: Das Jahrhundertereignis der Physik wird verkündet. Und das, obwohl das 21. Jahrhunderte gerade erst 15 Jahre, zwei Monate und elf Tage alt ist.
100 Jahre nachdem Albert Einstein Gravitationswellen vorhergesagt hat, meldeten US-Astronomen im Jahr 2016 den ersten Beweis dafür. Ihre sensationelle Entdeckung eröffnete eine neue Ära der Astronomie und schrieb Wissenschaftsgeschichte. Ein Rückblick.
Um Punkt 16.30 Uhr 2016 Mitteleuropäischer Zeit ist es soweit: Das Jahrhundertereignis der Physik wird verkündet. Und das, obwohl das 21. Jahrhunderte gerade erst 15 Jahre, zwei Monate und elf Tage alt ist.
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Mit der Verkündigung von Superlativen aus der Welt der Wissenschaft sollte man eigentlich vorsichtig sein. Doch diesmal ist es tatsächlich eine Sensation, die Gravitationsphysiker der Welt mitteilen. Unser Blick auf das Universum ist ab diesem Tag ein völlig anderer.
Erstmals haben Astronomen Gravitationswellen direkt nachgewiesen und damit eine 100 Jahre alte Vorhersage von Albert Einstein (1879-1955) belegt. Die Gravitationsphysiker vom Ligo-Observatorium in den USA präsentieren ihre nobelpreisverdächtige Entdeckung am 11. Februar 2016 in Washington. Auch deutsche Forscher vom Max-Planck-Institut in Potsdam und Hannover sind an der Suche beteiligt gewesen.
Gravitationswellen entstehen, wenn große Objekte wie Sterne beschleunigt werden. Dabei stauchen und strecken sie die Raumzeit. Sie breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus und verbiegen dabei den Raum - ähnlich wie ein ins Wasser geworfener Stein, der sich ausbreitende Wellen auf der Oberfläche erzeugt.
Das Spezialobservatorium Ligo in den USA fing die Signatur zweier verschmelzender Schwarzer Löcher auf. Der Nachweis bestätige nicht nur die Existenz der Gravitationswellen, sondern bedeute auch eine neue Ära in der Astronomie, betonen die Forscher. „Wir haben eine neue Art Teleskop gebaut und ein völlig neues Feld eröffnet“, sagte damals Rainer Weiss vom amerikanischen Massachusetts Institute of Technology in Boston.
Erstmals ließen sich nun Schwarze Löcher direkt beobachten, erläuterte Alessandra Buonanno, Direktorin am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam. Die Möglichkeit, Gravitationswellen direkt zu messen, stelle ein fundamental neues Werkzeug zur Erforschung des Universums dar, betont Buonanno. „Damit beginnt mit Sicherheit eine neue Ära in der Physik und Astronomie.“
Gravitationswellen gehören zu den spektakulärsten Vorhersagen von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie, die er 1915 veröffentlichte (die Spezielle Relativitätstheorie präsentierte er bereits im Jahr 1905).
Jeder beschleunigte Körper sendet demnach Gravitationswellen aus - also auch ein Autofahrer, der an einer Ampel startet. Die Wellen sind umso stärker, je mehr Masse der Körper hat. Jedoch sind sie in der Regel so winzig, dass Einstein selbst nicht daran glaubte, dass man sie jemals messen könnte. Seit über 50 Jahren suchen Physiker einen direkten Nachweis.