Eishockey in Selb Arthur Rutland – Erinnerungen an einen der Großen

Axel Jeroma
Arthur Rutland Foto: privat

Arthur Rutland hat in den 1980er-Jahren das Selber Eishockey geprägt. Vergangene Woche ist er in seiner kanadischen Heimat verstorben. Ein Weggefährte erinnert sich.

 
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Arthur Rutland zählte zu den Spielern, die in den 1980er-Jahren das Selber Eishockey mit herausragenden sportlichen Leistungen geprägt haben. Am 10. Januar ist er im Alter von 63 Jahren in seiner kanadischen Heimat verstorben. In den beiden Spielzeiten, in denen der aus Wawa (Ontario) stammende Angreifer beim damaligen VERE Selb in der Zweiten Bundesliga auflief, kratzte er jeweils an der Marke von 200 Scorerpunkten. In der Saison 1985/86 brachte er es auf 199 Zähler nach 47 Einsätzen. 1986/87 waren es 198 bei exakt der gleichen Anzahl von Spielen.

Seine ersten Sporen verdiente sich „Art“ Rutland, wie er von den meisten genannt wurde, bei den Sault Ste. Marie Greyhounds in der Quebec Major Junior Hockey League (QMJHL). Von 1976/77 bis 1979/1980 Jahre trug er das Trikot des Klubs. Mit starken Leistungen weckte er das Interesse der Scouts aus der National Hockey League (NHL). Beim NHL Draft 1979 wählten ihn die Vancouver Canucks in der vierten Runde an Gesamtposition 68 aus. Der Sprung in die beste Liga der Welt blieb ihm jedoch verwehrt. Der Grund dafür war eine schwere Schulterverletzung, unter deren Folgen er später während seiner gesamten Karriere zu leiden hatte. Das erklärt auch, weshalb er nie höher als in der zweiten Liga spielte.

Aus der Schweiz ins Fichtelgebirge

Nach einem Intermezzo bei den Brentford Alexanders in der QMJHL, zwei Spielzeiten bei den Dallas Black Hawks in der Canadian Hockey League (CHL) und einer bei Fredericton Express in der American Hockey League (AHL) zog es ihn nach Europa. 1983/84 lief er für den Duisburger SC in der Zweiten Bundesliga auf. Zur darauffolgenden Saison verpflichtete ihn der HC Ambri-Piotta aus der Schweizer Nationalliga B.

Arthur Rutland in den 1980er-Jahren im Selber Trikot. Foto: Uwe Dutkiewicz

Anschließend führte ihn sein Weg nach Selb. Beim VERE bewegte er sich als Scorer in davor und danach unerreichten Sphären. In der Vorrunde 1985/86 avancierte er mit 140 Punkten (71 Tore, 69 Assists) zum Topscorer in der Süd-Gruppe der zweigeteilten Liga. Gleiches gelang ihm in der Relegationsrunde, in der er 59 Zähler (23 Tore, 36 Assists) sammelte.

1986/87 wiederholte er dieses Kunststück. In der Vorrunde landete er im Süden mit 137 Punkten (62 Tore, 75 Assists) und in der Relegation mit 61 Zählern (36 Tore, 25 Assists) unangefochten auf Platz eins in der Scorerwertung.

Roland Schneider erinnert sich an die gemeinsame Zeit

Zu den Selber Spielern, die seinerzeit mit Rutland im Team standen, gehörte Torwart Roland Schneider. „Art war ein Vollblutstürmer und ein toller Kamerad“, sagte er der Frankenpost. „Zu seinen Spezialitäten gehörten die Direktabnahmen. Die waren damals noch nicht so verbreitet wie heute. Er hatte schnelle Beine und einen unglaublichen Antritt. Als Torjäger profitierte er von den guten Passgebern in unserer Mannschaft.“

Defensivarbeit habe er dagegen nicht allzu gerne verrichtet. „An der eigenen blauen Linie war für ihn meist Schluss. Aber das galt für so manchen Stürmer in jenen Tagen“, erzählte Schneider. Nach einem Spiel habe sich Rutland schon mal eine Zigarette angesteckt und ein, zwei Bierchen gegönnt. Das sei zu dieser Zeit jedoch nichts Ungewöhnliches gewesen. „In Selb waren wir Nachbarn und hatten deshalb auch privat viel Kontakt. Er war ein sehr umgänglicher Mensch, mit dem man viel Spaß haben konnte. Nach seinem Weggang blieben wir noch lange in Verbindung, bis der Kontakt irgendwann leider abgerissen ist“, berichtete Schneider. Nach der Insolvenz des VERE ging Rutland für eine Saison nach Italien zu den Sterzing Broncos. 1988/89 kehrte er nach Deutschland zurück und schloss sich dem Zweitligisten EV Landsberg an. Er blieb bis einschließlich 1991/92 bei den Lechstädtern und hängte danach die Schlittschuhe an den Nagel.

Nach Beendigung seiner professionellen Eishockeykarriere ließ sich Rutland im Norden Ontarios nieder, wo er beruflich eine völlig andere Richtung einschlug. Er arbeitete fortan als Polizist bei der Ontario Provincial Police. In seiner Freizeit zog es den passionierten Angler und Motorschlittenfahrer wann immer es ging hinaus in die Natur. In der vergangenen Woche hörte das Herz des Sportsmannes und Familienvaters nun auf zu schlagen.

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